„Die Sicherheit der Asylsuchenden hat für uns oberste Priorität.“

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      Arnsberg: Asylunterkunft Schleifmühlenweg |

Arnsberger Feuerwehr übt den Ernstfall in Neheimer Asylbewerberunterkunft

Neheim. Um auf den Ernstfall in einer der städtischen Asylbewerberunterkünfte Arnsbergs optimal vorbereitet zu sein, übte am Freitag, den 07. August der Basislöschzug 1 der Arnsberger Wehr in der Unterkunft am Neheimer Schleifmühlenweg die Bekämpfung eines angenommenen Brandes mit Menschenrettung. Diese Übung war die erste in einer Reihe von realitätsnahen Einsatzsimulationen, die in allen städtischen Unterkünften folgen werden. In den Wochen zuvor waren alle Objekte bereits durch die Brandschutzdienststelle der Arnsberger Feuerwehr zusammen mit denjenigen Einheiten, in deren Einsatzbereichen die jeweiligen Unterkünfte liegen, begangen und auf sicherheitstechnische Aspekte überprüft worden.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft am Schleifmühlenweg waren im Vorfeld der Übung auf dieses besondere Geschehen vorbereitet worden, damit bei ihnen keine Angst vor dem anrückenden Großaufgebot der Feuerwehr aufkam. Denn da es sich bei den Asylbewerberunterkünften um Objekte mit einem erhöhten Schutzniveau handelt, wird im Falle einer von dort eingehenden Notfallmeldung durch die Feuerwehr-Leitstelle in Meschede direkt eine große Anzahl von Rettungskräften von Feuerwehr und Rettungsdienst alarmiert. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass sofort eine ausreichende Zahl von Wehrleuten vor Ort ist, um unter Umständen zahlreiche gefährdete Menschen so schnell wie möglich in Sicherheit bringen zu können. Immerhin können in der Unterkunft am Schleifmühlenweg bis zu 120 Menschen untergebracht werden.

Brand im Hausmeisterraum als Übungsszenario

Laut dem Szenario der Übung kommt es durch eine überhitzte und dadurch geplatzte Batterie in der Brandmeldeanlage des Objekts gegen 19:30 Uhr zu einem Folgebrand in dem Hausmeisterraum, in dem sich die Brandmeldeanlage befindet. Der Hausmeisterraum und der davor liegende Treppenraum sind stark verraucht. Die Brandmeldeanlage meldet zwar noch den Alarm zur Leitstelle, ist aber auf Grund des Brandgeschehens für den weiteren Einsatzablauf nicht mehr nutzbar.

Die Feuerwehr-Leitstelle wird gegen 19:30 Uhr durch die Auslösung der Brandmeldeanlage über das Brandereignis in Kenntnis gesetzt. Gemäß der Alarm- und Ausrückordnung der Arnsberger Feuerwehr werden umgehend die Hauptwachen Neheim und Arnsberg, der Basislöschzug 1 der Arnsberger Wehr mit den Einheiten aus Neheim und Voßwinkel per Sirenenalarm, der Rettungsdienst sowie die Polizei alarmiert. Da die beiden Hauptwachen gemäß der Übungsannahme in einem anderen Einsatz gebunden sind, muss der Basislöschzug 1 das Übungs-Szenario eigenständig bewältigen.

Menschenrettung und Brandbekämpfung zeitgleich durchzuführen

Die mit mehreren Fahrzeugen anrückenden Rettungskräfte müssen sich zunächst einen Überblick über die Schadenslage verschaffen, um auf der Grundlage dieser Erkenntnisse die effektivste Vorgehensweise und eine wirksame Einsatzstrategie entwickeln zu können. Zum Zeitpunkt des Eintreffens der ersten Einsatzkräfte befindet sich eine große Anzahl von Personen bereits vor dem Gebäude. Diese hatten sich aus eigener Kraft in Sicherheit bringen können und machen die Feuerwehr auf eine starke Rauchentwicklung im rechten Bereich des Erdgeschosses aufmerksam. Der ersteingetroffene Einsatzleiter stellt fest, dass sich eine zunächst noch unbekannte Anzahl weiterer Personen im Gebäude aufhält, und dass eine Brandausbreitung nicht auszuschließen ist. Nach dem Eintreffen weiterer Führungskräfte wird der Basislöschzugführer zum Einsatzleiter bestimmt und der Einsatzleitwagen besetzt.

Umgehend rüsten sich mehrere Einsatztrupps mit schwerem Atemschutz und Löschgerät aus und gehen zur Personensuche und zur Brandbekämpfung in das Gebäude vor. Zeitgleich wird die Wasserversorgung aus dem öffentlichen Hydrantennetz hergestellt. Schnell ist eine vermisste Person, die von einer Übungspuppe simuliert wird, gefunden und in Sicherheit gebracht. Der Brand ist ebenfalls rasch unter Kontrolle. Anschließend lüften die Einsatzkräfte die verrauchten Bereiche des Gebäudes mit einem Hochleistungslüfter.

Bewohner erleben die Arbeit der Feuerwehr hautnah

Auf die in einem Einsatzfall unumgängliche Personensuche in allen Räumen wird zur Wahrung der Privatsphäre der Bewohnerinnen und Bewohner im Rahmen dieser Übung verzichtet. Ebenfalls evakuieren die Einsatzkräfte nicht den Bereich unmittelbar vor der Asylunterkunft, um allen Interessierten einen hautnahen Eindruck von den Arbeiten der Feuerwehr zu ermöglichen. In einem Ernstfall würde ein nahegelegener Parkplatz als Sammelstelle für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft dienen.

Die räumliche Enge in der unmittelbaren Umgebung der Asylunterkunft können die Einsatzkräfte dadurch kompensieren, dass sie das angrenzende Gelände der Firma Honsel Leuchten als Aufstell- und Arbeitsfläche nutzen können. Dies würde in Absprache mit den verantwortlichen Firmenvertretern, die ebenfalls vor Ort sind und sich ein Bild von dem Übungsgeschehen machen, auch in einem Realfall geschehen.

Mehrere Einsatzabschnitte wurden gebildet

Im Übungsablauf wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet, um die Rettungsmaßnahmen optimal koordinieren zu können. Im Abschnitt 1 erfolgten schwerpunktmäßig die Brandbekämpfung und die Sicherstellung einer ausreichenden Wasserversorgung. Die Priorität im zweiten Abschnitt stellten die Menschenrettung und die Suche nach den im Gebäude vermissten Personen dar. Der dritte Abschnitt schließlich umfasste die sogenannte medizinische Rettung. Dort wurden die geretteten Personen betreut und die Verletzten für ihren Transport in die umliegenden Krankenhäuser vorbereitet. Dieser Abschnitt wurde bei der Übung nur fiktiv eingerichtet, da im Rahmen dieser Einsatzsimulation natürlich keine „echten“ Verletzten zu beklagen waren. Der Funkverkehr wurde während der gesamten Übung über den Einsatzleitwagen abgewickelt. Insgesamt waren rund 40 Einsatzkräfte mit zahlreichen Löschfahrzeugen in das Übungsgeschehen eingebunden.

Gesetzte Übungsziele wurden erreicht

Die Übung hatte mehrere Ziele, deren Erreichung erprobt werden sollte. Das wichtigste Ziel bestand in der Rettung und in dem Schutz der im Gebäude untergebrachten Personen. Zudem sollte die Verständigung mit den Menschen mit Migrationshintergrund erprobt werden. Hier stellte es ich heraus, dass es in einem Einsatzfall sehr wichtig ist, unter den Bewohnern der Asylunterkunft Personen auszumachen, die als Dolmetscher fungieren können. Um diese zu identifizieren, ist wiederum der Kontakt zu den Hausmeistern, die für die Unterkünfte zuständig sind, während eines Einsatzes wichtig. Diese werden im Ernstfall über ein Bereitschafts-Handy über den Einsatz der Feuerwehr informiert und kommen dann ebenfalls zur Einsatzstelle. Das Sammeln, Unterbringen und Versorgen der vorgefundenen und noch zu rettenden Personen sowie die Bildung von Einsatzabschnitten mit entsprechender Funkkanaltrennung waren im Rahmen der Übung ebenfalls Aufgaben, die es zu bewältigen galt. Und nicht zuletzt lag auch ein besonderes Augenmerk der Übungsleitung auf der Herstellung einer ausreichenden Löschwasserversorgung aus dem öffentlichen Hydrantennetz. Die eingesetzten Gruppen- und Zugführer sollten die Lage und die Gefahren hierbei selbst erkennen und mit entsprechenden Strategien möglichst effektiv darauf reagieren.

Wehrführer und Ausschuss-Vorsitzender loben Übungskräfte

Im Rahmen einer Übungsnachschau, die noch vor Ort erfolgte, konnte ein insgesamt reibungsloser Übungs-Ablauf festgestellt werden. Zu den Beobachtern der Übung, die von den Neheimer Wehrmännern Stefan und Carsten Knobloch ausgearbeitet worden war, gehörten der stellvertretende Leiter der Arnsberger Feuerwehr, Martin Känzler, der Vorsitzende des städtischen Ausschusses für Soziales, allgemeine Bürgerdienste und bürgerschaftliches Engagement, Hubertus Mantoan sowie als Vertreter der Firma Honsel der Betriebsleiter Herr Bunsen und der Sicherheitsbeauftragte Herr Bierhoff. Auch sie lobten die Einsatzkräfte für die gute Durchführung der Übung und den großen Einsatz, den sie hierbei gezeigt haben. Känzler: „Für uns hat die Sicherheit der Menschen, die in unserer Stadt Asyl suchen, oberste Priorität. Mit diesen Übungen soll auf beiden Seiten das erforderliche Rüstzeug vermittelt werden, um auf etwaige Notfälle in diesen Einrichtungen gut vorbereitet zu sein und hierauf umfassend und effektiv reagieren zu können.“ Känzler dankte zudem der Firma Honsel für die sehr gute Kooperation und für die Überlassung der benötigten Betriebsfläche zur Durchführung der Arbeiten der Rettungskräfte. Auch kündigte er an, diese Übungen künftig in regelmäßigen Abständen an der Unterkunft im Schleifmühlenweg durchzuführen, um dem steten Wechsel in der Bewohnerschaft Rechnung zu tragen.

Nach der Übung gab‘s eine Erfrischung für die Kinder

Durch diese Einsatz-Übung konnte sowohl auf Seiten der Bewohnerinnen und Bewohner der Asylunterkunft als auch bei den Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdienst eine verbesserte Handlungssicherheit bei einem Notfall erreicht werden. Zudem konnten die Rettungskräfte den Asylsuchenden ihre Vorgehensweise im Einsatz verdeutlichen, was hoffentlich zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beiträgt. Dies kann in einem Ernstfall über die Rettung von Menschenleben entscheiden. Daher werden derartige Übungen in den kommenden Monaten an allen Asylunterkünften in Arnsberg durchgeführt.

Und zum Abschluss hatten die Männer und Frauen der Feuerwehr noch eine besondere Überraschung für die in der Asylunterkunft lebenden Kinder parat: Mit Hilfe eines sogenannten Hydroschildes erzeugten sie eine Wasserwand, durch die die Kinder laufen und sich angesichts der hochsommerlichen Temperaturen erfrischen konnten. Dieses Angebot nahmen die Kinder und Jugendlichen begeistert an. Zudem spendierte der Basislöschzug 1 den jungen Übungsbeobachtern noch eine Runde Wasser-Eis, was ein dankbares Lächeln auf die Gesichter der Kleinen zauberte. So verabschiedeten sich die Einsatzkräfte und die Asylsuchenden in der Gewissheit voneinander, sich gegenseitig ein Stück weit besser kennengelernt und einen ganz realen Einblick in die Lebenswirklichkeit des anderen gewonnen zu haben.
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