Der Zapper

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Wer kann mich schon mit seinem Lebenslauf beeindrucken? Das Fernsehen setzt Lebensbilder immer aufwendiger ins Bild. Von meiner Umwelt isoliere ich mich wie der Jogger mit seinem Walk-man. Für heute fällt mir niemand mehr ins Wort. Da bin ich mir sicher. Ich genieße meine Bequemlichkeit. Immerhin habe ich die Gebühren bezahlt.
Ich habe die Mentalität eines Zappers. Das, was ich erleben will, ist immer woanders. Wie die Frau am Nebentisch, in die sich der Schwärmer immer wieder neu verliebt. Diese Art von Verschwendungssucht sättigt mich wie fast-food. Und oft komme ich mir vor wie ein hektischer Raucher, der sich bei jedem Zug das Rauchen abgewöhnt. Das zerrt an meinen Gefühlen. Zur Ruhe komme ich nie.
Gelegentlich stelle ich mir die Frage: Wie langweilig ist die lange-Weile?
Ich liebe die Langeweile. Zugeben, die Langeweile steht in keinem guten Ruf.
Und schon keiner möchte in einer Gesellschaft, die „gut drauf“ ist, der Langweiler sein.
Aber was hast Du gegen die Langeweile, wenn sie nur glitzert? Und manchmal fühlt sich meine Seele so herrlich leer. Und mein Körper wird so schwer, als sei er narkotisiert. Vielleicht ist das sogar ein paradiesischer Zustand.
Und oft denke ich, ein Mensch, der alles in sich hineinstopft, wird eher auf seinem Sofa sterben, als explosionsartige Energien zu entwickeln. Und ich werde vielleicht irgendwann einmal tödlich erschrecken, wenn der Mann von der „Tagesschau“ nur noch mich anspricht:
„Weißt Du eigentlich, dass ich gar nicht da bin?“
Dabei könnte ich wetten, dass ihm unser Wohnzimmer gefällt. Der Nachrichten- sprecher aber senkt seinen Blick. Er hat kein Interesse an mir.
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