150 Einsatzkräfte trainieren bei Großübung in Arnsberg für den Ernstfall

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    Arnsberg: altes feld |

Arnsberg. Dichter Brandrauch dringt aus den Caritas-Werkstätten im Alten Feld in Arnsberg. Verängstigte Menschen drängen sich vor dem Gebäudekomplex, andere rufen noch im Gebäude um Hilfe. Martinshörner und Blaulicht von Einsatzfahrzeugen überall.

Dieses beängstigende Szenario ist Teil einer Großübung der Feuerwehreinheiten aus Arnsberg, Breitenbruch und Wennigloh, die sie zusammen mit ihren Kollegen vom Fernmeldedienst, dem Löschzug Sundern, dem Technischen Hilfswerk und dem Malteser Hilfsdienst Arnsberg am Abend des 29. April durchführen. Insgesamt rund 150 ehrenamtliche Einsatzkräfte erproben ihre Schlagkraft und die Zusammenarbeit. Für die realistische Darstellung dieses Horrorszenarios sorgen zahlreiche Mimen von der Jugendfeuerwehr, der THW-Jugend und Beschäftigte der Caritas.

Die angenommene Übungslage: Eine Handwerkerkolonne verursacht bei Umbauarbeiten im Heizungskeller der Caritas-Werkstätten einen Brand. Die in diesem Bereich unerlaubt gelagerten brennbaren Materialien (insbesondere Kartonagen, Holzpaletten und Kunststoffe) fangen sofort Feuer, welches durch unsachgemäß verkeilte Brand- und Rauchschutztüren schnell auf andere Bereiche des Kellers sowie des Erdgeschosses übergreift. Die automatische Brandmeldeanlage alarmiert die Leitstelle der Feuerwehr in Meschede und löst zudem die hausinterne Alarmierung aus. Parallel dazu setzen Mitarbeiter der Caritas weitere Notrufe ab. Die Werkstätten sind zum Zeitpunkt des Alarms mit ca. 400 zum Teil schwerst-mehrfachbehinderten Beschäftigten und weiteren 70 Mitarbeitern der Caritas besetzt.

Die Feuerwehr-Leitstelle löst daraufhin mit dem Stichwort „Feuer 3M – bestätigter Brand – Menschenleben in Gefahr“ Alarm aus. Alarmiert werden die hauptamtlich besetzten Feuerwachen in Arnsberg und Neheim, der Rettungsdienst sowie der Basislöschzug 2 und der Führungsdienst der Arnsberger Feuerwehr. Beim Eintreffen des ersten Fahrzeuges wird unmittelbar Rückmeldung gegeben und das Alarmstichwort erhöht. Es erfolgt daraufhin die Alarmierung des Löschzugs Sundern.

Zur weiteren Unterstützung (Sicherstellung der Stromversorgung für die eingesetzten Rettungskräfte, Unterstützung bei der Menschenrettung sowie zur Ausleuchtung der Einsatzstelle) wird das THW Arnsberg alarmiert.

Die Mitarbeiter der Caritas haben bereits unmittelbar nach der Alarmierung mit Evakuierungsmaßnahmen begonnen, müssen diese jedoch wegen der starken Verrauchung des Gebäudes abbrechen. Die zwischenzeitlich an den Sammelpunkten durchgeführte Anwesenheitskontrolle ergibt, dass sich noch zahlreiche Personen in den Gebäuden befinden, davon mehrere im Verwaltungstrakt und in den Gruppen- und sonstigen Räumen. Die vier Handwerker im Heizungskeller werden ebenfalls vermisst. Die Zahl der Vermissten beläuft sich auf insgesamt 23.

Die Einsatzleitung entscheidet daher, Alarm nach dem Stichwort „MANV 2 (Massenanfall von Verletzten ca. 5-50 Pers.)“ auszulösen. Es erfolgt die Alarmierung des Malteser Hilfsdienstes sowie weiterer örtlicher und überörtlicher Hilfskräfte. Für alle anrückenden Einheiten wird der Parkplatz der Firma Reno de Medici im Alten Feld als Bereitstellungsraum ausgewiesen.

Die sukzessive eintreffenden Hilfskräfte beginnen umgehend mit der Personensuche und Menschenrettung sowie mit der Brandbekämpfung. Hierfür werden drei Einsatzabschnitte gebildet: Zwei Abschnitte zur Menschenrettung und ein Abschnitt zur Versorgung der Verletzten. Im Innen- und im Außenangriff werden zunächst die vermissten Personen gesucht. Die aufgefundenen Verletzten werden von den unter Atemschutz vorgehenden Einsatztrupps durch die Treppenräume und über Leitern gerettet. Hierbei arbeiten Arnsberger und Sunderner Feuerwehr sowie Technisches Hilfswerk Hand in Hand mit den Kräften des Malteser Hilfsdienstes zusammen. Diese haben auf dem Parkplatz vor den Gebäuden einen mobilen Behandlungsplatz aufgebaut und führen die Verletzten nach einer Sichtung und Einteilung nach dem Grad ihrer Verletzung der weiteren medizinischen Versorgung zu. Danach wird von der Feuerwehr die Brandbekämpfung initiiert und rasch erfolgreich abgeschlossen. Um 20:45 Uhr, also nach knapp zwei Stunden, sind alle Vermissten gerettet und erstversorgt und das Feuer gelöscht.

Übungsleiter Stefan Beule, Chef des Basislöschzugs 2 der Feuerwehr der Stadt Arnsberg (Arnsberg / Breitenbruch / Wennigloh), hatte die Großübung federführend ausgearbeitet und zog ein positives Fazit. Wichtige Übungsschwerpunkte, die von den Einsatzkräften geprobt werden sollten, wie die Menschenrettung und die Brandbekämpfung unter erschwerten Bedingungen mit der Rettung nicht gehfähiger Verletzter, die Zusammenarbeit der eingesetzten Hilfsorganisationen, die Kommunikation an der Einsatzstelle und die Ordnung des Einsatz-Raums wurden seitens der übenden Mannschaften erfolgreich und zügig gemeistert.

Auch die aus Vertretern aller beteiligten Hilfeleistungsorganisationen und der Caritas bestehende Übungsleitung zeigte sich am Ende der Großübung insbesondere von der sehr guten Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte beeindruckt, die maßgeblich zum Gelingen dieser Ernstfall-Simulation beigetragen hat.

Als aufmerksame Übungsbeobachter fungierten die stellvertretende Leiter der Feuerwehr der Städte Arnsberg und Sundern, Martin Känzler und Rainer Albers, die den Beteiligten ihre Eindrücke in einer abschließenden Manöverkritik vermittelten und einige aus ihrer Sicht bestehenden Verbesserungspotenziale darstellten. Auch sie lobten die hervorragende und sehr effiziente überörtliche und organisationsübergreifende Zusammenarbeit. Sie dankten überdies den ehrenamtlich Tätigen für Ihre Bereitschaft, ihre Freizeit in den Dienst des Schutzes der Arnsberger Bevölkerung zu stellen. Ein solches Engagement sei heute nicht mehr alltäglich und daher umso wertvoller.

Die Leitung der Caritas-Werkstätten hob die Bedeutung regelmäßiger Notfall-Übungen hervor, da neben dem hohen Gefahrenpotenzial der Liegenschaft insbesondere auch vergangene und noch anstehende Umbauten den Rettungskräften die Orientierung erschweren. Daher ist beabsichtigt, in drei bis fünf Jahren erneut eine Übung dieser Größe durchzuführen. Für die Nachbesprechung hatte die Leitung der Caritas-Werkstätten die Mensa der Liegenschaft zur Verfügung gestellt. Zudem wurden die Übungskräfte mit einem kleinen Imbiss bewirtet. Übungsleiter Beule dankte den Vertretern der Caritas für diese Geste der Unterstützung und für die Gelegenheit, einen derartigen Schadensfall in diesem Objekt üben zu können. So kann auch künftig eine optimale Schadensabwehr zum Wohle der dort beschäftigten gehandicapten Menschen und ihrer Betreuer/innen, gewährleistet werden.
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