Arnsberg ist auf dem Weg zur Kinderfeuerwehr

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Die Studentinnen stellen der interessierten Zuhörerschaft im Arnsberger Bürgerbahnhof ihre Ergebnisse vor.
 
Stefan Beule von der Arnsberger Feuerwehr informiert über die Planungen zur Einrichtung einer Kinderfeuerwehr in der Stadt Arnsberg.
 
Die Arnsberger Feuerwehr dankte den Studentinnen sowie den Erzieherinnen Andrea Beule und Miriam Känzler mit einem Blumenstrauß für ihre Unterstützung. Mit im Bild Akteure von Feuerwehr, Stadtverwaltung und Politik der Stadt Arnsberg, die die Einrichtung einer Kinderfeuerwehr unterstützen.
Arnsberg: Arnsberg |

Projektgruppen stellen Grundlagen für Konzept vor

Arnsberg. Seit Anfang Januar 2016 arbeitet die Arnsberger Feuerwehr intensiv an der Einführung einer Kinderfeuerwehr, zusätzlich zu der bestehenden Jugendfeuerwehr in Arnsberg. Hierfür wurde eigens eine Projektgruppe eingesetzt, die die für eine Einführung erforderlichen Rahmenbedingungen und organisatorischen Voraussetzungen ermitteln soll. Diese Gruppe besteht aus den Erzieherinnen Miriam Känzler und Andrea Beule sowie Mitgliedern der Feuerwehr und der Arnsberger Stadtverwaltung. Durch diese Zusammensetzung wird sichergestellt, dass pädagogische Ansätze genauso berücksichtigt werden, wie der feuerwehrspezifische Teil der zukünftigen Arbeit.

Bei ihrer Arbeit wurde die Feuerwehr der Ruhrstadt zudem von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hagen unterstützt. Drei Studierende aus den Stadtverwaltungen von Attendorn und Lüdenscheid bearbeiteten das Thema im Rahmen einer Projektarbeit und beleuchteten hierbei insbesondere die Aufgaben der Kommunen. Betreut wurde diese Gruppe vom Dozenten Hans Heinrich Schulte, der übrigens auch im Stadtgebiet von Arnsberg wohnt.

Am 08. Juni stellten nun beide Projektgruppen im Rahmen einer rund 100-minütigen Präsentation die Ergebnisse ihrer Arbeit im Arnsberger Bürgerbahnhof einem interessierten Publikum aus Feuerwehrangehörigen und Vertretern der Stadtverwaltungen Arnsberg, Attendorn und Lüdenscheid vor.

Neues Gesetz eröffnet Möglichkeit zur Gründung einer Kinderfeuerwehr

Hintergrund: Am 01. Januar 2016 ist das neue Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz in Nordrhein-Westfalen (BHKG NRW) in Kraft getreten. In dieser neuen Rechtsgrundlage für die Feuerwehren des Landes ist den Kommunen erstmals seitens des Gesetzgebers die Möglichkeit eröffnet worden, Kinderfeuerwehren einzurichten. Als vorgeschaltete Einrichtung zur Jugendfeuerwehr, welche den Eintritt ab dem zehnten Lebensjahr ermöglicht, soll hier insbesondere die Altersgruppe der Sechs- bis Neunjährigen langsam an die Feuerwehr herangeführt werden. Vorrangig sollen die Kinder den späteren Dienst in der Feuerwehr spielerisch erlernen. Die Kinderfeuerwehr soll zudem das soziale Engagement der Kinder fördern, ihnen Werte wie Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft vermitteln und sie im Rahmen der Brandschutzerziehung über die Gefahren des Feuers aufklären.

Der Leiter der Arnsberger Feuerwehr, Bernd Löhr, sieht in der Kinderfeuerwehr einen wichtigen Baustein für die Zukunft: „Vor dem Hintergrund der rückläufigen Einwohnerentwicklung in der Stadt Arnsberg bis ins Jahr 2030 muss ein dauerhaftes Nachrücken ehrenamtlicher Feuerwehrangehöriger sichergestellt werden. Es muss unser Ziel sein, die leider immer weniger werdenden Kinder und Jugendlichen frühzeitig für die ehrenamtliche Arbeit in der Feuerwehr zu begeistern.“

Betrachtung zunächst aus verwaltungsspezifischer Sicht

Zunächst präsentierte die Projektgruppe der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung ihre Arbeitsergebnisse. Die Studentinnen Kathrin Barre, Natalie Heitschötter und Sandra Iken beleuchteten das Thema aus verwaltungsspezifischer Sicht und hatten zum Abgleich ihrer Erkenntnisse die Stadt Kierspe aus dem Märkischen Kreis als Modell-Kommune in ihre Arbeiten einbezogen. Dort konnte bereits im Jahr 2012 eine Kinderfeuerwehr erfolgreich etabliert werden, und die hierbei gewonnenen Erkenntnisse der Kiersper Brandschützer können für die Arnsberger Feuerwehr naturgemäß sehr hilfreich sein.

Die drei Studentinnen hatten ihren medial begleiteten Vortrag in mehrere Abschnitte aufgeteilt: Ausgehend von der Darstellung der Problemstellung des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Nachwuchsproblems auch bei den Feuerwehren stellten sie den hieraus resultierenden Handlungsbedarf für die Kommunen als Trägerinnen des Feuerschutzes heraus. Die Stadt Arnsberg ist durch die Senkung des Aufnahmealters in ihre Jugendfeuerwehr von 12 auf 10 Jahre sowie mit der Einrichtung der Projektgruppe Kinderfeuerwehr bereits erste Schritte auf dem Weg zur Zukunftssicherung des ehrenamtlich getragenen Brandschutzes gegangen. Diesen gilt es nun weiter in Richtung Kinderfeuerwehr zu beschreiten. Möglichkeiten zur Finanzierung der Einrichtung einer Kinderfeuerwehr, die Anforderungen an die ehrenamtlichen Betreuer sowie Versicherungsaspekte sind weitere Aspekte, die im Zuge der Realisierung dieses Projekts zu betrachten sind.

Unterstützung durch Verwaltung wichtig

Den Schwerpunkt ihrer Betrachtungen legten die angehenden Verwaltungsinspektorinnen auf die Einbeziehung der Strukturen der Stadtverwaltung zur Unterstützung und Begleitung der Einrichtung und des Betriebs einer Kinderfeuerwehr. Hier zeigten sie zahlreiche konkrete Anknüpfungspunkte zu den Fachdiensten der Stadt Arnsberg auf und machten so deutlich, dass die hauptamtlichen Strukturen der Verwaltung die ehrenamtlichen Akteure aus den Reihen der Feuerwehr wirkungsvoll unterstützen können. Helmut Melchert, der für die Feuerwehr zuständige Fachbereichsleiter der Stadt Arnsberg, der dem Vortrag im Auditorium ebenfalls sehr interessiert folgte, sagte dann auch stellvertretend für den terminlich verhinderten Bürgermeister die umfassende Unterstützung durch die Arnsberger Stadtverwaltung zu. Mit einer Handlungsempfehlung beschlossen die Akademikerinnen ihren Vortrag und gaben der Stadt Arnsberg mit auf den Weg, durch eine umfassende Information sowohl der Bürgerinnen und Bürger als auch der Feuerwehrangehörigen aktiv für die Kinderfeuerwehr zu werben und alle Aktivitäten stets aus dem Blickwinkel der Kinder als Zielgruppe ihrer Bemühungen zu betrachten.

Feuerwehr-Projektgruppe hat in vier Sitzungen Eckpunkte festgelegt

An diesen sehr fundierten und gehaltvollen Vortrag schloss sich sodann die Präsentation der Ergebnisse der Projektgruppe der Arnsberger Feuerwehr an. Die Basislöschzugführer Stefan Beule und Markus Heinemann stellten zunächst den Auftrag der Projektgruppe, ihre Zusammensetzung und ihre bislang erarbeiteten Ergebnisse dar. In vier intensiven Arbeitssitzungen sind die Feuerwehrangehörigen und die beiden Erzieherinnen zunächst zu der Erkenntnis gelangt, dass die Arnsberger Feuerwehr über das Potenzial verfügt, eine Kinderfeuerwehr zu gründen und zu betreiben und dass Arnsberg eine solche Institution zur nachhaltigen Sicherung des Brandschutzes braucht. Obwohl hier Neuland betreten werden, so Beule, habe man in den Sitzungen bereits Eckpunkte festgelegt, die das Fundament der Kinderfeuerwehr in Arnsberg bilden sollen.

So soll die Kinderfeuerwehr als eigenständige Organisation mit einem eigenen Ausbilderteam neben der Arnsberger Jugendfeuerwehr etabliert werden. Die Kinder sollen zur Bildung eines Zusammengehörigkeitsgefühls mit eigener Bekleidung ausgestattet werden, und sie sollen durch „Motivationsmeilensteine“ wie etwa erste kleine Brandschutz-Prüfungen Spaß an ihrer Tätigkeit in der Kinderfeuerwehr erfahren. Auch die Eltern sollen in die Aktivitäten eingebunden werden, sei es organisatorisch im Bereich der Sicherstellung von benötigten Fahrgelegenheiten oder bei Interesse auch als weitere Betreuer/innen.

Pilotphase bis Januar 2017 – danach „Rollout“ in die ganze Stadt

Von September 2016 bis Januar 2017 ist nun eine Pilotphase im Basislöschzug 3 mit den Einheiten aus Oeventrop und Rumbeck geplant, für die die Projektgruppe auch schon einen Dienstplan mit monatlichen Ausbildungsnachmittagen -jeweils samstags- erstellt hat. Markus Heinemann präsentierte sodann die einzelnen Ausbildungsthemen, die von einem Informationsnachmittag für die Kinder und ihre Eltern als Auftaktveranstaltung, über das Absetzen eines Notrufes und einfache Maßnahmen der Ersten Hilfe bis hin zu einer Nikolausfeier und dem Besuch des Arnsberger Feuerwehrmuseums reichen. Ziel der Pilotphase soll es sein, Erkenntnisse hinsichtlich des praktischen Betriebs einer Kinderfeuerwehr zu gewinnen, die weiteren Planungen daran auszurichten und Prozesse zu optimieren.

Im Januar 2017 soll das Projekt Kinderfeuerwehr dann in einem „Rollout“ auf alle Feuerwehreinheiten im Stadtgebiet ausgedehnt werden. Hierfür sind jedoch schon ab spätestens Dezember 2016 konkrete Planungen erforderlich, was unter anderem auch beinhaltet, dass zum Beginn des stadtweiten Betriebs in allen Stadtteilen genügend Ausbilderinnen und Ausbilder zur Verfügung stehen, die im Vorfeld gewonnen werden müssen. Eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit ist hierbei ebenso wichtig wie die Unterstützung durch alle Akteure aus Feuerwehr und öffentlichem Leben der Stadt Arnsberg.

Wehrführer Bernd Löhr: „Wir schaffen das!“

Im Rahmen der sich an die Vorträge anschließenden Diskussion zeigte sich Stadtwehrführer Bernd Löhr überzeugt, dass das Projekt Kinderfeuerwehr in Arnsberg erfolgreich umgesetzt werden kann. Löhr: „Wir haben die einmalige Möglichkeit, als erste Kommune im Hochsauerlandkreis die Kinderfeuerwehr in Arnsberg mit Unterstützung zweier Erzieherinnen und der Stadtverwaltung zu etablieren. Hierdurch können wir unsere Feuerwehr personell nachhaltig gut aufstellen und damit den Brandschutz und die Hilfeleistung in Arnsberg langfristig sichern. Wir schaffen das!“

Weitere Aspekte, die im Plenum engagiert erörtert wurden, waren unter anderem die Möglichkeiten der Umsetzung einer flächendeckenden Einrichtung von Kinderfeuerwehrgruppen in allen Arnsberger Löschzügen und Löschgruppen und die Bindung der Kinder an die Feuerwehr über die Jugendfeuerwehr bis hin zum aktiven Dienst in der Einsatzabteilung.

Auch die anwesenden Vertretungen der Städte Attendorn und Lüdenscheid zeigten sich ausgesprochen interessiert an den Ergebnissen der Projektgruppen und den künftigen Erfahrungen der Arnsberger Feuerwehr bei dem Aufbau der Kinderfeuerwehr, zumal ihre eigenen Kommunen vor den Folgen des demografischen Wandels ebenfalls nicht verschont bleiben und ihrerseits wirkungsvolle Strategien zur nachhaltigen Sicherung des kommunalen Brandschutzes benötigen. Daher wurde die Aufrechterhaltung eines regelmäßigen Kontakts vereinbart.

Dank an Studentinnen und Erzieherinnen

Zum Abschluss der Präsentation dankte Bernd Löhr den drei Studentinnen und den beiden Pädagoginnen mit einem Blumenstrauß ganz herzlich für ihre wertvolle Unterstützung und ihre professionellen Beiträge, die die Planungen zur Gründung einer Kinderfeuerwehr in Arnsberg in dieser Form erst ermöglicht haben. Die Erzieherinnen Andrea Beule und Miriam Känzler werden dem Projekt auch künftig zur Verfügung stehen und seinen weiteren Verlauf mit ihren Experten-Tipps begleiten, wofür ihnen die Arnsberger Feuerwehr sehr dankbar ist.

Optimistischer Ausblick auf Projekt

Die fundierten Arbeitsergebnisse der beiden Projektgruppen und die hieraus resultierenden konkreten Entwicklungsperspektiven vermittelten allen Anwesenden einen optimistischen Ausblick auf den Verlauf des Pilotprojekts und die sich daran anschließende Einführung der Kinderfeuerwehr in allen Arnsberger Feuerwehreinheiten. Die Arnsberger Wehr wird diesen Weg mit Überzeugung und Zuversicht weitergehen, um auch künftig den Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung ihrer Stadt verlässlich sicherstellen zu können.

Alle interessierten Kinder der genannten Altersgruppe aus den Ortsteilen Oeventrop und Rumbeck sind mit ihren Eltern herzlich zur ersten Zusammenkunft nach den Sommerferien eingeladen. Die Auftaktveranstaltung findet am Samstag, 03. September 2016, um 16.00 Uhr, im Feuerwehrgerätehaus Oeventrop, Kirchstraße 45, statt.

Nähere Informationen über die Arnsberger Feuerwehr finden Sie im Internet unter www.feuerwehr-arnsberg.de oder sind zum Thema unter kinderfeuerwehr@feuerwehr-arnsberg.de erhältlich.
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