"Da muss ich mich beeilen..."

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Früher hatte Rosi einen Hang zur Flapsigkeit oder besser noch:
Sie hatte ein loses Mundwerk. Auf den Mund gefallen war sie nicht.
Vielleicht, dachte ich mir, lag das an ihrem übersteigerte Geltungsbedürfnis. Eine „graue“ Eminenz war sie nicht!
Denn neuerdings hatte Rosi ihre grauen Haare in „Platin“ gefärbt: An den Schläfen milimeter kurz und hinten ausrasiert, denn die Haare waren schon schütter. Zudem hatte sie ein fliehendes Kinn wie ein rennendes Pferd. Aber immerhin, sie war unter den Graugänsen ein „Flamingo“. Und das Tatoo „Flamingo“ stand auf ihrem Oberarm.
So oder so, sie qualmte furchtbar und hustete unablässig.

Aber nun war Rosi im Rollstuhl gefesselt und war bis zur Atemnot in ein Korsett verpackt. Sie war rechtseitig gelähmt und hatte eine „Aphasie“, ein Schreckenswort- sie konnte nicht mehr „sprechen“. Sie prustete sich, wenn sie nach Worten suchte. Zugegeben, eine bescheidene Perspektive.
Sie lachte nervös und zog den Oberkörper nach vorne. Die Brille hatte sie beseite gelegt, denn ihre Augen waren müde. Sie leckte sich über die trockenen Lippen und runzelte die Stirn.
Sie musterte ihre knochigen Finger und die Tabakflecken, die sich tief in ihre Haut eingegraben hatten. Dabei zitterte sie und der Speichel hing ihr am Mund.

Vor einigen Monaten war sie noch eine Kettenraucherin. Sie drehte sich selbst ihre Zigaretten. Jedoch machte sie den Mund auf, sah man bräunlich verfärbte Zähne:
“Vielleicht sind die Raucher lebensfroher, weil sie kürzer leben. Da muss ich mich beeilen…“
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