"INCOGNITO" - Monologe

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Wissen Sie, als Schauspieler muss ich immer die Balance halten zwischen der „Figur“, die ich darstelle, und die es so natürlich nicht gibt. Aber gleichzeitig muß diese „Figur“in ihrer authentischen Darstellung glaubhaft sein.
Erst wenn sich dieser Widerspruch auflöst und die Balance hergestellt ist, wird diese „Figur“ als Protagonist einer Geschichte akzeptabel sein.
Aber die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht, das am Ende dazu beiträgt, dass die „Figur“ stimmig wird und bleibt, entspricht der Summe von Momentaufnahmen, die eine Art Stenogramm hinterlassen, um den Charakter dieser „Figur“ erklärend zu beleuchten.
Aber in dem Augenblick, in dem ich die Bühne betrete, blicke ich nur noch in die Dunkelheit des Zuschauerraumes, der auf mich wartet.
Denn in diesem dunklen Reich der Fiktion tauchen plötzlich Geister auf, um gleich wieder wie Traumwandler zu verschwinden. Dabei bin ich mir sicher, auch diese Geister wollen erlöst werden aus der Dunkelheit und zurückkehren ans Licht.
Deswegen hebe ich beschwörend meine Stimme und achte dabei auf jeden Laut, der mir anzeigt, dass ich nicht mehr alleine bin.
Aber wissen Sie, ich hatte bisher keinen, der mir länger zuhören wollte. Und somit kenne ich auch keinen, der mir antworten könnte.
Ich muss mir also vorstellen, dass mir jemand zuhören will. Sonst würde ich verstummen.
Also verzeihen Sie mir deshalb meine Monologe.
Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich mich hinter meiner Sonnenbrille verstecke. Wer weiß, vielleicht entdeckt mich noch jemand hinter meinem „Incognito“.
Übrigens, erinnern Sie mich bitte daran, dass ich wieder die Sicherung eindrehe. Diese Dunkelheit hier ist ja nicht länger zu ertragen
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