Nebel im Kopf?

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"Wer sind Sie?“, fragte Hedwig ihre 5-jährige Ur-Enkelin. „Ich bin doch die Laura!“ Die 86-jährige Dame strahlt erleichtert und antwortet "Oh, da bin ich aber froh!"

„Wieso erkennt sie mich nicht mehr? Was ist los in Uromas Kopf? Ist es darin nebelig?“, fragt Laura ihre Mama ganz irritiert.

"Ja, so könnte man es nennen. "Nebel im Kopf". Es gibt allerdings auch Momente, da ist alles klar in ihrem Kopf. Tief im Gehirn liegt ein Zentrum, in dem Gefühle schlummern und darauf warten, geweckt zu werden. Besondere Erlebnisse ihres Lebens, hat sie dort abgespeichert. Manche gehen für immer verloren, doch ihr Herz wird nicht dement“ erklärt ihr die Mama. „Was bedeutet das Wort dement?“ will Laura wissen. „Kann sich Uroma, deshalb nichts Neues merken?“ Fragen, die Laura auch mit in die Städt. KITA "Kleine Strolche" in Arnsberg nimmt. Ganz aufgewühlt ist sie und auch ein wenig traurig. Neugierig schauen sie sich in der Kita zusammen mit der Erzieherin das Bilderbuch „Opa ist Opa“ von Lilli Messina an. Diese Geschichte erklärt den Kindern die wundersame "Vergess-Krankheit" Demenz.

Die Kinder sitzen im Kreis und werfen sich ein Wollknäuel zu. Es entsteht ein engmaschiges Netz. "So ist das auch im Gehirn eines Menschen", erklärt sie den Kleinen. Die Erzieherin lässt Zettel in das Fadengewirr regnen. Einige Papierschnipsel bleiben auf dem Netz liegen. Andere purzeln hindurch. So wie die Erinnerungen von Uroma Hedwig. Jetzt verstehen die Kinder, was im Gehirn passiert, wenn die Demenz eingesetzt.

„Erwachsene nennen das „Demenz“, erklärt die Erzieherin. „Deine Uroma sieht aber doch ganz normal aus“, stellt die 6-jährige Emma fest. „Das liegt daran, dass man Demenz nicht sehen kann, so wie ein Gipsbein“, weiß Patrick, der pfiffige Blondschopf in der Gruppe. Sie hören gebannt zu, als die Erzieherinnen erklären, dass Menschen, die demenzkrank sind, manchmal vergessen, wann es Morgen, Mittag oder Abend ist. Oder, dass sie sich verlaufen und orientierungslos umher irren, weil sie den Weg nach Hause nicht mehr wieder finden.

„Ja, genau so war das bei meiner Uroma Hedwig. Die hat sich verirrt, als sie spazieren gegangen ist. Sie wollte zu ihrer Mama!“, erinnert sich Laura. „Lebt die Mama von der Uroma denn noch? Die muss ja 1000 Jahre alt sein! Wie habt ihr sie gefunden? Hatte sie ein Handy dabei? Konnte sie Euch anrufen?“, fiebern die Kleinen mit. Laura denkt mit Gänsehaut an diesen Schrecken zurück. „Alle Nachbarn haben geholfen, sie zu suchen. Kurz bevor es dunkel wurde, haben wir sie gefunden. Sie hatte große Angst! Und ich auch!“ erinnert sich Laura. Die Erzieherin streichelt ihr tröstend über den Kopf.

Ohne große Worte verstehen die Kinder, um was es eigentlich geht:

Um Respekt, Wertschätzung und Würde für Menschen mit Demenz.
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5 Kommentare
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Günther Gramer aus Duisburg | 06.11.2015 | 16:40  
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 06.11.2015 | 16:45  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 06.11.2015 | 16:46  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 06.11.2015 | 17:21  
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Jochen Menk aus Oberhausen | 06.11.2015 | 17:58  
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