„Rauchen verboten!“

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Pit war ein vierschrötiger Mann mit schmalen Lippen und einem energischen Kinn. Seine bullige Statur mit dem kurzen Stiernacken und diesem Haarschnitt, der noch immer an den Stoppelschnitt seiner Kindheit erinnerte, signalisierte ein robustes Durchsetzungsvermögen.
Hinter vorgehaltener Hand und dem x-ten Bier titulierte er seine so genannten Freunde, die immer nur Geschäftsfreunde waren, als „Ratten“.
Aber „Besserwisser“ und „Intellektuelle“ waren für ihn noch unerträglicher. Denn was Pit für „richtig“ hielt, konnte nicht „falsch“ sein, genauso wenig wie „schwarz“ und „weiß“.
Ich bin davon überzeugt, wenn sich Pit ein Familienwappen zulegen sollte, dann kann es nur „schwarz- weiß“ sein.
Obwohl, neulich kaufte er sich einen kleinen „Chagall“, der in seinen zarten Blautönen „wunderbar“ zu seiner Sitzgruppe passte.
In solchen Augenblicken konnte Pit glücklich sein, weil er die „Norm“ erfüllte, die er für sein Leben als „Norm“ bestimmt hatte. Denn auch für sich selber duldete Pit keine Entschuldigungen, wenn er nicht das erreichte, was er sich vorgenommen hatte.
Und von einer „Frau“ oder „Nutte“ ließ er sich schon gar nichts sagen:
„Und im Übrigen,“ lachte er dann großmäulig: „Wo ist denn da der Unterschied?“
“Ja, wo ist da der Unterschied?“ lächelte ich verhalten. Dabei steckte ich mir sozusagen aus dem Handgelenk eine Zigarette an. Und während ich tief inhalierte, ließ ich die Funken sprühen. Pit aber, dieser aufgeblasene Angeber, beklopfte geradezu panisch sein Jackett, als müsste er gleich wie ein Luftballon zerplatzen.
„Rauchen verboten!“ schrie er noch.
Aber jetzt war es sowieso zu spät.
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