SCHLAGANFALL

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Dabei hatte es so schön angefangen. Sie hatten auf der „Aida“ eine Rundreise über Tallinn, St. Peterburg, Helsinki, Stockholm und wieder zurück zum Heimathafen gebucht.
Sie saßen zum Abendbrot am Fenster und sahen, wie ihr Schiff langsam durch die Schären fuhr.
Aber das „Entsetzen“ kündigte sich nicht einmal an:
In Schweden herrschte „Mittsommer“ - aber er bekam einen Schlaganfall.
Mit dieser „Katastrophe“ verhält es sich wie mit einer langen Krankheit - nur dauert sie zu lange. Und überhaupt – kann man die „Katastrophe“ überleben?!
Dabei fühlte er keinen Schmerz, aber das Bein und der Arm hingen schlaff herunter. Der Gaumen war ausgetrocknet. Und an einen „Schlag“ konnte er sich auch nicht mehr erinnern. Da hatte er schon bereits seine Brille verloren. Aber das wusste er schon:
Ich habe einen Schlaganfall!
Er ließ sich nur mit Mühe wieder aufhelfen. Und da war schon eine Trage da mit ärztlichem Personal.
„Illusionen“ zu verlieren, das ist normal. Aber die „Hoffnung“ zu verlieren, das ist tragisch.
Noch hatte er sich eben mit sommerlicher Hitze aufgetankt, ja, der ausgedehnte „Herbst“ stand ihm bevor - nun blieb ihm allenfalls noch ein Rest des „Winters“ übrig.
Wäre nicht seine Frau gewesen, dann hätte er ins Pflegeheim gemusst.
Nun saß er im Rollstuhl - rechtsseitig gelähmt. Und der Mundwinkel hing schlaff herunter und sabberte.
Aber was noch schlimmer war:
Er hatte einen Ausfall der Areale, die die „Sprache“ ausmachen - „Aphasie“ - heißt das Schreckenswort.
Seinem Gesicht sah man an, dass es keine Lust mehr verspürte, mit sich „selbst“ zu sprechen. Sein äußeres Leben war völlig entgleist.
Er verlor sich selbst oder das, was noch übrig davon war. Ein lautloser Untergang.
Er lag da, wie leblos verkapselt. Das Unterhautfettgewebe war so atrophisch wie ein verschrumpelter Apfel.
Und allmählich dämmerte es ihm:
Mein Leben war nur noch ein Missverständnis.
Und bei einem aufmunternden Klaps hätte er sich nur einsamer gefühlt.
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