Deutsche Meisterschaften im 24 Std. Traildorado in Arnsberg Westf.

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In 24 Stunden zum Titel Deutscher Meister – LAC Team siegt mit 239,6 gelaufenen Kilometern

Es gibt so Momente im Leben in denen man sich selbst die Frage stellt: „Wie hast du das denn jetzt gerade gemacht?“ Momente in denen man über sich selbst hinauswächst und die Grenzen seiner eigenen Vorstellungskraft hinter sich lässt. Ein solcher Moment fand beim Traildorado, den Deutschen Meisterschaften im 24 Stunden Trailrun im Arnsberger Hasenwinkel statt…

Das Team LAC Veltins Hochsauerland war angetreten im heimischen Arnsberg um teilzunehmen an diesem außergewöhnlichen Event. Einfach nur um teilzunehmen, weil es sich verdammt cool anhörte was dort geboten werden sollte und weil es halt ein echtes Heimspiel werden würde. Aber gewiss nicht mit der ernsthaften Absicht um „vorne ein Wörtchen mitzusprechen“ bei der Vergabe des Deutschen Meistertitels bei den Staffeln.

Wechselnde Besetzungen im Vorfeld

Mehrfach musste im Vorfeld aufgrund von Verletzungsausfällen die ursprüngliche Besetzung geändert und Ersatz gefunden werden ehe letzten Endes dann die Besetzung aller 4 Positionen mit André Kraus, Krissy Tiersch, Peter Wegener und Wolfgang Schwingenheuer pünktlich zum Startschuss um 12:00 Uhr an der Startlinie, zusammen mit 150 weiteren Läuferinnen und Läufern, verteilt auf Einzel- und Staffelstarter, endlich stand. Insgesamt waren 8 Staffeln aus verschiedenen Bundesländern gemeldet um die 4,1km Runde gespickt mit 121 Höhenmetern durch den Arnsberger Wald in den nächsten 24 Stunden so oft wie möglich zu absolvieren.


Ein dickes Fragezeichen stand zu diesem Zeitpunkt noch hinter Peter Wegener, der in den letzten Wochen lediglich dosiert auf flachem Terrain trainieren konnte, ohne dass sich im Anschluss starke Schmerzen an seiner Verletzung bemerkbar machten. Da Wolfgang Schwingenheuer, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Krissy Tiersch als einzige im Team mit Ultra-Lauf Erfahrung ausgerüstet, am letzten Wochenende noch den Köln Marathon absolviert hatte, war auch bei ihm unklar wie weit die Kräfte reichen würden. Und da bislang niemand der 4 Teammitglieder eine Ahnung hatte wie man sich bei einem 24 Std. Rennen als Staffel die Abschnitte am günstigsten ein- bzw. aufteilt, wurde kurzerhand beschlossen, dass jeder jeweils zunächst ca. 2 Stunden (je nach Tempo des Einzelnen 4 oder 5 Runden) Abschnitte absolviert und dann wechselt.

offensiver Einstieg in den run

Gewählt wurde ein „offensiver“ Einstieg, mit dem vermeintlich schnellsten Läufer des Quartetts, Kraus, in der Absicht direkt vorne im Geschehen mitzumischen und den anderen einen möglichen Motivationsschub mit auf die Strecke zu geben. So wurde nach der gemütlichen Einführungsrunde, die alle Teilnehmer mit dem amtierenden Welt- und Europameister im 24 Stunden Lauf, Florian Reus, zusammen absolvierten um die Strecke kennenzulernen, die ersten knapp 2 Stunden gelaufen. In Führung liegend wechselte die LAC Staffel auf Peter Wegener, der gottlob seine 5 Runden schmerzfrei absolvieren konnte. In den nächsten 6 Stunden wechselte die Führung mehrfach hin und her, jedoch deutete sich bereits hier an, dass sich 4 Staffelformationen vorne vom Rest der Konkurrenz absetzen können. Zwei Staffeln aus Dortmund, die LAC Staffel und das Team Wetter(p)auer aus Hessen.

was für ein Beginn

Hui, das lief schon mal sehr gut an – viel, viel besser als erwartet… Mit der einsetzenden Dunkelheit werden dann die Stirnlampen zum Einsatz gebracht. In der Dunkelheit muss man besonders wachsam sein, denn die Streckenführung über Stock, Stein, Wurzel und Schalmmpassagen bergauf und bergab, verlangt höchste Konzentration. Mehrfach gibt es Stürze von Läufern, auch verletzungs- und erschöpfungsbedingte Aufgaben. Nach 8 Stunden (20:00 Uhr) hat das LAC Team rundengleich mit dem Team aus Wetterau wieder die Spitzenposition übernommen.

oh was für eine Nacht

In den Tiefen der Nacht aber, als die Temperaturen bis auf 0,5 Grad absinken und nur das bei Start und Ziel aufgebaute Lagerfeuer und die emsigen Helferinnen und Helfer für Wärme sorgen, fällt die Staffel des LAC dann doch deutlicher hinter das Team aus Hessen zurück und hat nach 15 Stunden rund 2 Runden Rückstand auf die Spitze, aber auch bereits über eine Runde Vorsprung auf die Mannschaften auf Platz 3 und 4. Man liegt also auf Platz 2 mit fast 150 absolvierten Kilometern! Wenn das im Vorfeld jemand angeboten hätte, das Team hätte sicherlich ungläubig dreingeschaut aber direkt angenommen. Aber: Wenn man bereits so weit in Richtung Himmel geklettert ist, warum dann eigentlich nicht nach den Sternen greifen?

eine Menge Kampfgeist war vorhanden

Jetzt war der Kampfgeist geweckt und von diesem Zeitpunkt an, wurde mit allem attackiert was zur Verfügung stand – nachts um halb fünf… Die Renntaktik wurde umgestellt, auf kürzere Laufzeiten und schnellere Wechsel. Ab diesem Zeitpunkt sollten alle Raketen zünden, trotz nachlassender Kräfte, trotz hochkriechender Kälte, trotz der Müdigkeit durch den Schlafmangel – Attacke! Innerhalb von 3 Stunden drehte das Team diesen 2 Runden Rückstand mit einem Wahnsinns-Rennen um und hatte nach 18 Stunden im Licht der langsam aufgehenden Sonne einen 3 Minuten Vorsprung.

Leistungen im Grenzbereich und Uhrwerk

Was die kleine Krissy Tiersch in der Lage ist zu leisten, das stellte sie eindrucksvoll unter Beweis, in dem sie reihenweise Läufer überholte und hinter sich ließ, traumhafte Rundenzeiten auf das Herbstlaub zauberte. Auch Wolfgang Schwingenheuer lief wie ein Uhrwerk seine Runden bevor ihn dann nach insgesamt 58 absolvierten Kilometern die Kräfte verließen. Die letzten 5 Stunden musste man zu Dritt absolvieren. Peter Wegener, bis dato noch niemals weiter gelaufen als einen Marathon (42km), dreht Runde um Runde und kommt am Ende auf die unglaubliche Leistung von insgesamt 65,6km! Der Glaube an das Unmögliche, den Sieg bei einer Deutschen Meisterschaft, verlieh der LAC Staffel Flügel. Doch auch die Konkurrenz hatte noch Pfeile im Köcher: Allesamt Ultralauf Erfahrene Athleten am Start, konterte das Team aus Hessen und drehte den Spieß nochmal um. Bei noch 2 Stunden Restzeit auf der Uhr, lagen die Athleten aus Wetterau plötzlich wieder knapp in Front.

Platz 2 sollte es nicht werden

Doch wer gedacht hatte dass sich die Sauerländer nun mit Platz 2 abfinden würden, der hatte sich gewaltig getäuscht. Noch einmal wurde zurückgeschlagen und der Rückstand in einen knapp 3 Minuten Vorsprung umgewandelt. Hin und her wogte der Kampf zwischen diesen beiden Staffeln, die sich mittlerweile um fast 30 Kilometer von den anderen Staffeln abgesetzt hatten. Doch das letzte Wort war noch nicht gesprochen, denn die Konkurrenz spielte die letzte Trumpfkarte aus und schickte ihren stärksten Läufer auf die beiden nächsten Runden. Krissy Tiersch rannte um ihr Leben und zauberte erneut eine tolle Rundenzeit ins Laub, konnte aber nicht verhindern, dass die Konkurrenz davonzog und bei noch 34 Restminuten auf der Uhr einen fast (uneinholbaren) 5 minütigen Vorsprung auf die Runde nahm.

Aufgeben ist nicht / Deutscher Meister werden wir nur in Arnsberg

Doch Aufgeben gilt nicht, auch wenn der Kampf noch so aussichtslos erscheint – die Möglichkeit hier und heute Deutscher Meister zu werden wollte sich Schlussläufer André Kraus nicht kampflos nehmen lassen und zimmerte, mit bereits 66km in den Beinen, seine schnellste Runde der beiden Tage auf den Kurs. 200 Meter vor Ende der Runde war das Unmögliche möglich gemacht worden, er zog vorbei und lief bei noch 15 Minuten Restzeit auf der Uhr in die Schlussrunde! In dieser wird ein Säckchen mit entsprechender Startnummer an der Stelle vom Läufer abgelegt, bis wohin man beim Ertönen der Schlusssirene gelaufen ist, um die entsprechende Restmetervermessung zu ermöglichen. Doch die Aufholjagd hatte sämtliche Reserven gekostet und die Wetter(p)auer Staffel setzte nochmal ihren schnellsten Läufer in Szene. Als der schließlich zu Kraus auflief kam der wahre Sportsgeist unter Läufern zum Vorschein: Die ganzen 24 Stunden hatte man sich auf Biegen und Brechen bekämpft, hin und her wechselte die Führung, keiner wollte klein bei geben. Nach 24 Stunden Laufzeit, knapp 240 Kilometern, war man nun gleichauf – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit - dieser Kampf hatte keinen Verlierer verdient! So sprachen sich die beiden Läufer untereinander ab, trabten noch einen Kilometer weiter und legten dann ihre Säckchen an der gleichen Stelle gemeinsam ab, ehe die Schlusssirene ertönte – ein Unentschieden mit 239,6km.


Bei der Siegerehrung herrschte verständlicherweise großer Jubel beim Team aus dem Sauerland und ihren treuen Anhängern, die die Staffel in den letzten 24 Stunden so unglaublich toll unterstützt und angefeuert hatten. So richtig realisieren was man da gerade erreicht hatte, konnte man allerdings noch nicht, dazu waren Erschöpfung und „Anspanung“ zu groß…

58 Runden in 24 Stunden

Diese 239,6km teilten sich auf in 58 gelaufene Runden, bei denen das Team insgesamt sage und schreibe 7018 Höhenmeter absolvierte!

In jedem Fall ein Riesen Erfolg für das LAC Veltins Hochsauerland bei einer phantastischen und unheimlich liebevoll organisierten Veranstaltung, die im nächsten Jahr hoffentlich ihre Wiederholung in Arnsberg feiern wird.
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