Die „ Sauerländer Laufraketen“ auf Tour

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Jörg Brouwer (Foto: Jörg Brouwer)
 
vor der Einfahrt (Foto: Jörg Brouwer)
 
in 700 m Tiefe, LAC Veltins Hochsauerland (Foto: Jörg Brouwer)
 
Brouwer und Kraus, Vorfreude (Foto: Jörg Brouwer)
12. Untertage-Sparkassen Marathon Sondershausen in 700 Meter unter Tage!
(Ein persönlicher Erlebnisbericht )

Am 15.11.2013 fuhr ich mit 5 LAC Sportkollegen/innen und 2 weiteren Sportlern vom TriFun Hennesee mit dem Zug Richtung Sondershausen in Thüringen, um uns wohl einer der extremsten Herausforderungen unserer sportlichen Läuferkarriere zu stellen.

Dem weltweit einzigen Marathon in 700 Meter unter Tage!

Bei 2 unterschiedlichen Streckenausschreibungen und Meldungen über die Halbmarathon- sowie volle Marathondistanz (42,195 km) hatten wir uns in den vergangenen Monaten auf unsere Anforderungen individuell und unterschiedlich intensiv vorbereitet.

Zur Halbmarathondistanz hatten sich Steffi und Martin Quitschorek, Elke Gnacke, Stefan Hilger, Peter Wegener und Dietmar Blume entschieden. Die volle Marathondistanz wollten André Kraus und ich bestreiten.

Da dieser Lauf den Ausschreibungen zu Folge von seinen örtlichen Besonderheiten her nur gut trainierten Marathonläuferinnen und Läufern empfohlen wurde, hatte ich mich am Ende meiner langen Triathlonsaison noch einmal entschlossen, eine intensive, 10-wöchige Marathonvorbereitung zu absolvieren.

Mit meinem Freund André Kraus haben wir gemeinsam auf unser Ziel: „42,195 km in 700 Meter unter Tage“ hingearbeitet und dafür auch einige lange Läufe über der 30 km Marke durchgeführt.

Da unter der Erde ein stark profiliertes Gelände mit einem Höhenunterschied von über 1000 HM bei erschwerten Bedingungen, wie Temperaturen bis zu 27 Grad und nur 30% Luftfeuchtigkeit zu erwarten waren, haben wir in den vergangenen Monaten somit die Berge und Profilierungen des Sauerlandes verstärkt für unsere Trainingseinheiten genutzt.

Leider hatten wir in den vergangenen Wochen hier schon herbstlich kühle Temperaturen und konnten also die 27 Grad Wärme unter der Erde nicht simulieren. Ebenso wenig, wie die übrigen klimatischen Bedingungen, die uns erwarten sollten.

Gesagt, getan, am 16.11. gegen 8:30 Uhr fuhren wir 8 „Sauerländer Laufraketen“
(so unser gemeldeter Teamname) endlich in den „Brügman-Schacht“ Sondershausen, um uns einem Abenteuer der Extraklasse zu widmen!

Nach beeindruckender und äußerst angespannter Fahrt in die „weiße Hölle“ des noch immer aktiven Salzbergwerkes wurden unsere Erwartungen voll erfüllt.

Unter Tage erwartete uns ein Stollen mit Gängen gewaltiger Ausmaße, integriertem Konzertsaal, Kegelbahn, Gastronomie und um dem Ambiente noch den nötigen Pfiff zu geben, ein Blasmusikverein, der mir als ebenso langjährigem Musiker die zusätzliche Gänsehaut auf meinen angespannten Körper brachte.

Um 10:00 Uhr war es dann endlich soweit: Zum Startschuss wurden 358 Teilnehmer aus 13 Ländern auf den 3,5 Km Rundkurs, der für die „Marathonis“ 12-mal zu bewältigen war, geschickt. (Entsprechend 6 Runden für die Halbmarathon- Sportler)

Salziger Staub, Temperaturen von ca. 27 Grad, Passagen von teils über 20 % Gefälle und ca.100 Höhenmeter pro Runde stellten für jeden von uns äußerst schwierige Bedingungen dar. Dennoch zahlte sich mein Training der vergangenen Monate aus und ich konnte die ersten 21,1 km sogar teilweise genießen.

Die Atmosphäre unter Tage, die seltenen Anblicke der endlos wirkenden Stollen, die noch nie gefühlte und salzhaltig schmeckende Luft mit teils brennenden Augen hatte mein Körper dennoch zu dieser Zeit erstaunlich gut weggesteckt.

Auf dem Rundkurs waren wir doch alle in derselben Situation: Wir liefen uns häufig über den Weg, überrundeten den einen oder anderen Sportler, lernten sogar unterschiedliche Nationen kennen, genossen und litten gemeinsam miteinander.

André hatte sich, wie von ihm nicht anders gewohnt, gleich zu Anfang einiges vorgenommen! Von Beginn an führte er das Feld an und es dauerte nicht lange, bis er aus unseren Augen in den dunklen Gängen verschwunden war. Dicht gefolgt von meinem weiteren Vereinskollegen Stefan Hilger, der sich von Beginn an für die Halbmarathon- Distanz entschieden hatte, gaben die Beiden vom Start weg ordentlich „Gummi“!

Jedoch kam es für André leider anders als gedacht: In seiner 5. Laufrunde hatte er bereits mit starken Magen- und Darmproblemen zu kämpfen und entschloss sich somit vernünftigerweise sein Rennen mit dem Halbmarathon-Finish nach 6 Runden zu beenden.

Der Entschluss war „goldrichtig“, denn als erfahrener Langstreckenläufer packte er nun seine Chance am Schopfe und erkämpfte sich in der 6. und letzten Runde den Gesamtsieg unter den Halbmarathon- Läufern! In 1:34:46 Std. erreichte er somit als Gesamt Erster erschöpft, aber gesund und glücklich das Ziel!

Dies sollte jedoch nicht der einzige Erfolg für unser Halbmarathon-Team bleiben: Nach 6 extrem harten aber unvergesslichen Runden folgte ihm Stefan Hilger als Gesamt Zweiter und 1. in AK M 45 in 1:43:57 Std. ins Ziel.

Die nächste Überraschung erwartete uns, als Steffi Quitschorek bei ihrem Comeback nach langer Krankheitspause in der Frauenwertung in 2:11:52 Std. als Gesamt zweite Frau und 1. in AK W 40 die Ziellinie überquerte.

Mit ebenso super Ergebnissen finishten den „Höllentrip“ meine weiteren Teamkollegen:

Peter Wegener 1:54:39 Std. - 5. Gesamt / 2. M45
Dietmar Blume 2:11:42 Std. - 16. Gesamt / 4. M40
Elke Gnacke 2.38:00 Std. - 7. Gesamt / 1. W50
Martin Quitschorek 2:47:17 Std. - 44. Gesamt / 10. M40

Somit war ich nun noch als Einzelkämpfer von den „ Laufraketen“ auf der Marathonstrecke unterwegs. Zeitgleich mit meinem Freund Peter lief ich mit ihm Arm in Arm bei 1:54:39 Std. durchs Halbmarathon Ziel und sollte nun die nächsten 6 Runden auf mich allein gestellt sein. Wir verabschiedeten uns herzlich und als mir Peter alles Gute für die letzten 21,1 km wünschte, durchfuhr mich ein richtig mulmiges Gefühl!

Die Beine wurden natürlich nun immer schwerer und die nächsten 2 Runden auch bereits über 1 Min./ Runde langsamer, doch noch lief alles nach Plan und ich fühlte mich den Umständen entsprechend relativ gut. Nach jeder Runde feuerten mich meine 7 Kollegen im Zielbereich richtig geil an und machten mir Mut, durchzuhalten. Das war ein unbeschreiblich tolles Gefühl!

Das jedoch dann zu Beginn der 9.Runde nach ca. 28 km schon der „Mann mit dem Hammer“ ziemlich fies zuschlug, hätte ich nicht geglaubt: Hatte ich die ersten Runden noch in je ca.18, 5 Min. bestritten, brauchte ich für die härteste, 9. Runde ca. 25 Minuten! Geplagt von endlosen Krämpfen in Waden und Oberschenkeln war es mir sogar unmöglich, meine sonst so zügig und gerne gelaufenen Bergab- Passagen schmerzfrei durchzulaufen. Humpelnd und verkrampft quälte ich mich irgendwie den letzten steilen Anstieg ca.800 m bergauf Richtung Zieleinlauf zur nächsten Runde.

Während dieser Runde hatte ich mehrmals mit dem Gedanken gespielt, das Rennen abzubrechen. (so hart fühlte sich noch nicht mal mein Ironman-Wettkampf im vergangenen Jahr an)

Dann folgte ein für mich sicher unvergessliches Erlebnis! André hatte sich inzwischen von seinen Magenproblemen relativ gut erholt. Als echter Freund tat er dann das, was sicher nicht alltäglich ist: Er nahm sich nun ein weiteres Ziel vor, nämlich mich durch meine letzten 3 Runden zu begleiten und durchs Ziel zu schleusen! Da ich mit André in den vergangenen Monaten schon einige hundert Laufkilometer im Training absolviert hatte, war er der perfekte Motivator und die psychologisch so wichtige Unterstützung als laufender Begleiter!

Auch Peter lief öfter noch ein Stück des Weges mit, reichte mir meine Iso-Getränke vor den steilen Bergpassagen, so dass ich hierfür wieder ordentlich Power tanken konnte.

Ebenso alle anderen Teamkollegen waren ständig im Zielbereich nach jeder Runde lautstark am Motivieren! Ich kann gar nicht genug Danke sagen für diese tolle, psychologische und freundschaftliche Unterstützung und Wertschätzung meiner Freunde!

Prompt fielen mir die letzen 3 Runden wieder merklich leichter, die Beine wurden sogar geringfügig lockerer und meine Runden- Splits wieder zügiger.

Meine gewünschte Zielzeit von unter 4 Std. hatte ich mir ja schon in der 9. Runde abschminken können, jedoch peilten wir nun die Marke von unter 4:20 Std. an, was dann auch wirklich aufging.

In einer doch noch tatsächlich nicht erwarteten guten Zielzeit von 4:19:16 Std. erreichte ich als Gesamt 57. von 282 Finishern (11.Platz von 44 Startern in der AK 45) erschöpft aber überglücklich gemeinsam mit André das Ziel des wohl härtesten Marathons in 700 Metern unter Tage!

Am Abend des Wettkampfes feierten wir trotz allgemeiner Erschöpfung dann noch gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden auf einer Ü- 30 Party auf einem Schloss unweit unserer Unterkunft des Thüringer Hofes, ließen ordentlich die Gläser klingen und erzählten noch stundenlang von unseren Erlebnissen!

Fazit: Gemeinsam sind wir als gute Freunde und „echte Sauerländer Laufraketen“ mehr als glücklich aus Sondershausen zurückgekehrt und die positiven Erinnerungen an unser Läufer- Wochenende werden wohl den Muskelkater schnell aus unseren Beinen verdrängen!

Und … … nach dem Lauf ist vor dem Lauf, die Planungen für den Marathon 2014 laufen bereits!

Jörg Brouwer
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