LAC Veltins Hochsauerland Athlet André Kraus startete beim 2. Limes Run in Bad Gögging

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so sehen Sieger unterwegs aus (Foto: Kraus)
 
immer weiter nach Vorne, Andrè (Foto: Kraus)
 
ein stolzer Vater (Foto: Kraus)
Sein letztes Rennen vor der langen OP-Pause. Andrè: „ich hatte mir einiges vorgenommen, auch wenn der körperliche Zustand, nach deutlich zurückgeschraubten Trainingsumfang und jeder Menge anstrengender Läufe in 2014, wahrlich nicht mehr der beste war. Wenn man im Vorjahr auf Platz 2 einläuft, dann fährst du im folgenden Jahr nicht bis nach Bayern um 10. oder so zu werden, ganz klar. Ich hatte Platz 1 im Visier und wollte hierfür noch mal alle Kräfte bündeln.“

Ausgeschrieben war die Strecke mit einer Länge von 25+ Kilometern, was nichts anderes bedeutet, als dass die Strecke eine Länge von mindestens 25 Kilometer bis Ende offen hat. Dass dieses Ende sehr dehnbar ist, mussten bereits im Vorjahr einige Läufer feststellen. Damals war zunächst von 18 km die Rede, ehe später auf 21 korrigiert wurde und am Ende doch 24 km Strecke zusammen kamen. Ein paar nahegelegene Passagen des Kurses schaute er sich mit seiner Familie bereits am Vortag an, wie z.B. das Tauchhindernis in der erneut Hochwasser führenden Abens, dem Fluss durch Bad Gögging, der im Verlauf des Rennens insgesamt 8 mal durchqueren war. Der Kurs hatte sich im Vergleich zum Vorjahr etwas geändert, führte u. a. mit einem Abstecher zu einer alten Ziegelei in der Chefstreckenplaner Joachim von Hippel, selbsternannter „Masterchief“ und hauptberuflich Sadist, ein paar nette Kleinigkeiten in Form von Stacheldrahtkriechhindernissen, Auf- und Abstiegen durch Dornenbüsche, Brennnesseln und Geröll präpariert hatte.

Die langen Schwimmstücke im örtlichen Kurparksee blieben aber ebenso unverändert, wie auch die unwegsamen Abschnitte durchs Moor und die umliegenden Wälder. Zwei metertiefe Moorgruben sollten sich direkt nach gut einem Kilometer Wegstrecke als eines der ersten Hindernisse in den Weg stellen – das Problem: da kommst man alleine rein, aber definitiv nicht mehr alleine raus. So sollte schließlich dieses Hindernis, da es auf dem Rückweg Richtung Ziel noch einmal passiert werden muss, auch André seine Renntaktik bestimmen. Allein vorweg bringt demnach nichts, es sei denn man lässt sich was einfallen…

Eine perfekte Vorbereitung auf solche Events ist Andres Spezialität. Hindernisse und Gegebenheiten im Vorfeld studieren, aus erlebten Erfahrungen lernen und Lösungen erarbeiten. Für den Fall der Fälle, dass er einsam und alleine diese Gruben erreichen würde, war er insofern präpariert, als das daheim in mühevoller Kleinarbeit gefertigte zwei angespitzte Rundhölzer, die ins kleine Fach seiner Laufhose passten, gegebenenfalls als Ausstieghilfe nutzen konnten. Aber ach ja, grau ist alle Theorie… Am Ende kommt doch alles ganz anders.

Der Renntag ist war da. Sein letzter Fight für lange Zeit stand kurz bevor. Andrè zurückblickend: „Ich bin nervös, leicht angespannt, aber irgendwie vermisse ich den letzten Kick, das Quäntchen, das mich sonst bis in die Haarspitzen motiviert, den letzten Krümel aus mir herausholen lässt.“ Letztes Jahr hatte er ein ähnliches Problem und erst gegen Ende des Rennens gelang es ihm sich davon zu befreien und noch mal alles aus sich herauszuholen.

Andrè: „Ich laufe mich warm, will eigentlich bis zu den Gruben laufen um mir noch schnell ein Bild davon zu machen, ziehe es aber am Ende doch vor, mich frühzeitig im Startblock zu formieren. Eine wichtige Erkenntnis hat mir das Warmlaufen aber dennoch gebracht: 100 Meter vor dem Zielstrich steht ein Kilometerschild – 26.“ So vorbereitet geht er ins Rennen mit dem Wissen dass heute 26,1 km auf ihn warten. Im Startblock wurde er von vielen Läufern als Braveheart Battle Champion erkannt und begrüßt. Auch die Moderatorin wollte unbedingt noch einen Kommentar und nach seinen Zielen fragen. Antwort: „Auf jeden Fall vorne mitlaufen, auch wenn ich die Konkurrenz momentan noch nicht kenne.“

Der Vorjahresdritte ist auch wieder dabei. Ein sehr starker Läufer aus dem Raum Regensburg, der aber an verschiedenen Hindernissen wohl so seine Problemchen hat. Vom Getting Tough Team, erfahrungsgemäß immer an der Spitze dabei, fehlen aber die Aushängeschilder Dechant, Baiker und Vorjahressieger Franzke, mit denen Andrè schon so manchen Kampf bestritten hat. Kurz vor dem Gebet der Legionäre, zu dem sie der Masterchief auf die Knie bittet, kommen noch zwei weitere Starter in die Frontreihe. „Sahen stark aus, konnten Triathleten sein“, solche Gedanken gingen dem LAC Athleten durch den Kopf. Und er sollte mit beidem am Ende Recht behalten.

Den Startschuss geben die Kanonen des ortsansässigen Jägervereins. Vorne geht’s direkt zur Sache, es wird ordentlich Tempo gebolzt. Andrè berichtet: „die Beine fühlen sich aber heut gut an, ich kann vorne mithalten. Nach einem „Einrollkilometer“ erwartet uns am Sportplatz ein erstes Hindernis mit Strom zum kriechen. Seit dem Tough Mudder habe ich mächtig Respekt vor Strom, und robbe zunächst nur auf den Ellenbogen voran. Als ich aber bemerke, dass ich gegenüber den anderen die allesamt Krabbeln, zu viele Meter verliere, nehme auch ich den Hintern hoch und registriere mit Erleichterung, dass auf dieser Leitung kaum Spannung ist, maximal ein leichtes Kribbeln ist zu spüren. Direkt dahinter warten die „Bierschranken“, aufgestapelte Bierkisten in mehreren Reihen, die es zu überklettern gilt. Hinter der nächsten Kurve kündigt ein Zuschauerpulk die schon angesprochenen beiden Gruben an. Ich erreiche als Vierter das erste Loch und helfe per Räuberleiter den Ersten Drei hinaus. Hier zeigt sich im Anschluss wieder der Teamgeist für den diese Art Läufe inzwischen bekannt ist. Hier hilft jeder jedem, ohne dabei auf eine Platzierung zu schauen. Allerdings habe ich durch mein entschlossenes Helfen (wenn man da erstmal an der Wand steht kommt man so schnell auch nicht mehr weg) bereits einiges an Boden verloren ehe ich selbst aus der Grube steige und in die nächste springe, so dass ich mich sputen muss um nicht jetzt schon den Anschluss an die Spitze zu verlieren. Einem Kämpfer helfe ich raus, aber dann suche ich mir selbst einen Helfer. Durch die „Moorfields“, einem brusttiefen See mit anschließender Schlammpassage lauf ich an Position 7. Danach mache ich Tempo und schließe zu einer Dreiköpfigen Spitzengruppe auf. Diese setzt sich zusammen aus dem Vorjahresdritten (Kozlowski) und den beiden bereits erwähnten Triathleten (Kränkl und Sterner).

Die folgenden Hindernisse passieren wir alle gemeinsam, ehe von hinten noch ein weiterer Kämpfer, Henning Wolters, zu uns aufschließt. Die anderen vorne kennen sich untereinander und scheinen gemeinsame Sache machen zu wollen. Bereits nach 5 Kilometern habe ich jeden meiner 4 Konkurrenten analysiert und beschäftige mich im Kopf bereits damit wo ihre Schwachstellen liegen könnten. Die beiden Triathleten jedenfalls, da bin ich mir sehr sicher, könnten noch wesentlich schneller laufen, dementsprechend muss ich auf Schwächen bei Hindernissen hoffen oder auf die Länge des Rennens. Bei Kozlowski weiß ich um seine läuferischen Qualitäten und da der später „Dazugestoßene“ Wolters, von hinten auf uns aufgelaufen ist, scheint er auf alle Fälle auch kein schwacher Läufer zu sein. Das Hindernis was die Gruppe zum ersten Mal auseinandersprengen wird, ist „Aqua“, die drei langen Schwimmstrecken im Kurparksee.“

Es kam genauso wie Andrè es vermutet hatte: Bereits bei der kürzesten der drei Passagen mit ca. 15 Metern Schwimmstrecke, setzen sich die beiden Triathleten ab. Der Vorsprung wächst auf dem zweiten Teil von ca. 30 Metern Schwimmstrecke und wächst an auf eine knappe Minute, auf der langen Strecke von 100 Metern, an. Das Wasser hatte derweil noch eine überraschend angenehme Temperatur, auch wenn man danach erstmal eine Weile braucht um wieder warm zu werden. Sie sind versprengt in drei Teile. Vorne machen die beiden Trias gemeinsame Sache, während Andrè Seite an Seite mit Wolters die Verfolgung aufnimmt. Kozlowski hatte noch mehr Boden verloren und kämpfte um den Anschluss. Die Abens lauerte und ihre Strömung war immens, André drohte abzutreiben und schaffte es gerade so eben noch sich an Grasbüscheln ans Ufer zu ziehen. Es geht unter einer Brücke hindurch wieder durch die Abens. Hier lauerten unter der Wasseroberfläche dicke Felsen und Steine, die man im trüben Hochwasser nicht erkennen konnte.

Sein Vordermann Wolters legte es einmal richtig hin, Andrè verletze sich am rechten Fuß als er genau zwischen zwei Felsen rutsche – höchst gefährlich, was er auch dem Rettungsschwimmer signalisierte um die nachfolgenden Läufer vorzuwarnen. Jetzt kamen sie direkt vor dem Hotel her, wo seine Familie ihn erwartete.

Die drei Baumstämme warten auf die Taucheinlagen – mit Strömung alles andere als einfach. Alles muss jetzt möglichst schnell gehen, denn es galt Anschluss zu halten. Die Führenden beiden waren ihrem Sichtfeld bereits enteilt, während Kozlowski auf sie auch scheinbar weiter verlor. Nach weiteren Schilf- Matsch- und Wasserpassagen folgte der Teil der Strecke den Andrè mit starkem Respekt begegnete, eine lange reine Laufstrecke von fast 6 Kilometern ehe das nächste Hindernis wartete, es war nur Laaaangweiiiiiilig! Hier konnte man sich richtig viele Gedanke machen zur weitern Taktik. Eigentlich bleiben ihnen nur 3 Möglichkeiten: 1. Alles auf eine Karte setzen und mit Brachialgewalt versuchen das Loch zu den beiden Führenden zuzulaufen, mit dem Risiko sich „kaputt zu laufen“, oder 2. auf eine Schwäche der anderen hoffen, oder 3. sich mit Platz drei oder weniger zufrieden geben! Andrè: „Hallo?“ Das sollte seein letzter Wettkampf für ganz lange Zeit werden - Option 3 ist keine Option und auf die Schwäche der anderen zu hoffen war nicht sein Stil. So blieb nur Option 1, der Angriff auf die Spitze ohne Rücksicht auf Verluste!

Andrè zurückblickend: „Der Abstand betrog sicherlich eine ganze Minute, aber ich zog Kraft aus der Erfahrung des letzten Jahres, wo ich einen weitaus größeren Rückstand um ein Haar noch zu gelaufen hätte. Zwei Versuche brauchte ich um mich von meinem Begleiter Wolters zu lösen, aber letzten Endes konnte er meinem Antritt dann doch nicht mehr folgen. Von hinten rückte auch Kozlowski mit kraftvollem Schritt langsam näher. Trotz meiner Tempoverschärfung kam ich auf den folgenden 3 Kilometern nicht sichtlich näher ran an das Führungsduo – die schlugen ein richtig heftiges Tempo an.“
Es ging bergauf Richtung der alten Römerfestung Castell Abusina. Andrè qualmten die Socken, das angeschlagene Tempo entsprach nicht seinem Trainingszustand, aber es gab jetzt kein zurück mehr. Alles oder Nichts war sein Motto! Auf der Höhe angekommen wartete eine weitere Verpflegungsstation. Bisher hatte er sie alle ausgelassen. Dafür aber hielten Kränkl und Sternen an, tranken und aßen in Ruhe – wodurch Andrè den Rückstand halbierte und plötzlich wieder auf Tuchfühlung war. „Dranbleiben André“ sagte er socj, „jetzt nur nicht nachlassen.“ Es ging durch schlammige Hopfengärten, die leicht bergauf richtig Kraftkosteten, Kraft die ihm scheinbar auszugehen drohte, denn er konnte plötzlich nicht mehr forcieren, das Tempo nicht mehr halten. Andrè: „Shit, denn wir waren erst bei Kilometer 13.“

Die alte Ziegelei kam. Vielleicht konnte er an den Hindernissen ja nochmal ein bisschen Zeit gut machen, aber es fiel ihm schwer, auch das Kriechen und die Anstiege und Abhänge, wo er sonst läuferische Defizite gegenüber Konkurrenten, mit höherer Risikobereitschaft und besserer Technik wettmachen konnte. All diese Trümpfe stachen heute nicht. Die Power hatte ihn und seinen Körper auf einen Schlag verlassen.

Erneut zurückblickend: „Auf der langen Laufstrecke des Rückwegs verlor ich Meter um Meter, gefühlte einige Minuten auf die Spitze, die nur noch als kleiner Punkt in weiter Ferne zu sehen waren. Von hinten näherte sich Kozlowski mit hörbarem Schritt. Ich würde ihn nicht halten können wenn er gleich an mir vorbei geht und so war es auch – er stürmte links an mir vorbei und legte direkt einige Meter zwischen uns. So sehr ich mich auch anstrengte, es ging nicht mehr schneller. Da konnte es noch so sehr mein vorerst letztes Rennen sein, mehr wie alles geben konnte ich nicht! Bei allem Kampfgeist blieb ich jedoch auch Realist: Der Sieg war weg, wenn vorne nicht noch etwas Unerwartetes passierte. Platz 3 schien auch langsam aber sicher in weite Ferne zu rücken. Vielleicht hatte ich noch eine Chance wenn es wieder durch den Kurparksee zu schwimmen galt, denn dort hatte er definitiv Schwächen, also irgendwie versuchen den Abstand nicht zu groß werden zu lassen, lautete nun die Devise.“
Sie näherten sich dem Hotel, vielleicht konnte seine Familie ja helfen, noch mal verloren geglaubte Kräfte freimachen. Ohne Power schien die Strömung der Abens noch stärker zu sein, er kam kaum voran. Jeder Schritt fiel ihm entsetzlich schwer. Er fühlte sich alle, schenkte seinen beiden Lieben aber ein erzwungenes Lächeln und klatschte mit ihnen ab.

Noch aber war der Kampf um Platz 3 nicht verloren, denn der Abstand hatte sich nicht mehr vergrößert. Im See holte er trotz völliger Erschöpfung scheinbar ein wenig auf, stolperte aber beim Ausstieg die Felsen entlang, polierte sich seinen Fuß und fiel um ein Haar wieder rein ins kühle Nass. Sie erreichten Kilometer 24 und Andrè mobilisierte noch mal alles was in ihm steckte, Krämpfe drohten. Andrè über diesen Moment nachdenkend: „Kilometer 24, seltsam, denn eigentlich sollte der Rückweg in diesem Jahr exakt wie der Hinweg verlaufen, aber dann wären es doch noch wesentlich mehr Kilometer wie nur die 2. Viele Fragezeichen in waren in meinem Kopf. Also ging es scheinbar auch nicht mehr durch die beiden Gruben die allein schier nicht zu bewältigen wären?

Kilometerschild 25 kam. Wir erreichten den Monarch-Hill wo wir einen 7 Meter hohen, zugewachsenen Hügel dreimal hoch und wieder runter durften. Kozlowski hatte dort einen Hügel Vorsprung, war aber scheinbar auch am Limit angekommen.“ Sein Motto in diesem Moment war: „Kämpfen André, kämpfen, hau jetzt alles raus, gleich bist du im Ziel“, ein Selbstgespräch wie er schon so viele in seinem Läuferleben hatte, erzählte er nachher.

Aber dann kam der Schlag ins Gesicht für einen absolut erschöpften Krieger: Ein weiteres Kilometerschild: 20! Was sollte das jetzt bedeuten? Ein bisschen fühlte er sich verarscht, denn nach 25 kommt im Regelfall nicht 20, dachte er. Er befürchtete, was sich wenig später als bittere Realität herausstellen sollte, es war noch lange nicht vorbei, das Ziel in weiter Ferne. Im letzten Jahr hätte er sich noch ein paar Meter dazu gewünscht, damals hätte er dadurch vermutlich doch noch gewonnen, aber heute wünschte er sich nichts sehnlicher als den Zielbogen zu Gesicht zu bekommen. Seine Beine konnten nicht mehr.

Stattdessen die Moorcontainer folgten. Da vorne rechts wäre das Ziel, es wäre so einfach, aber sie mussten weiter geradeaus. Er musste jetzt aufpassen, dass er überhaupt das Ziel erreichte, denn Krämpfe drohten unterhalb der Hüfte in fast jedem Muskel. Andrè wusste: „Ich muss einfach schrecklich aussehen, mein Laufstil gleicht vermutlich einem angeschossenen Elefanten.“

Er überschlug im Kopf wie viele Kilometer noch durchhalten waren, konnte sich aber beim besten Willen nicht erinnern - einige auf jeden Fall. Er fand es witzig so lahm sich vorzukommen. Der Abstand zum Dritten wuchs nicht merklich mehr an, während der Fünfte Wolters auch noch nicht zu sehen war. Andrè später: „Ich glaubte hier ist jeder gleich fertig.“ Irgendwann erreichten sie dann die „Moorfields“. Beim Versuch einen Hügel zu erklimmen, rutsche er trotz profilierter Trailschuhe einmal komplett wieder runter. Die Wasserpassage konnte er nur noch schleichend bezwingen und hörte anhand eines lauten Jubels der Zuschauer, dass Kozlowski scheinbar die erste Grube allein bezwungen hatte. Andrè seine Gedanken spääter: „das war es dann wohl.“
Er erreichte die selbige Grube und hüpfte hinein. Am rechten Rand erkannte er wie er wieder rausgekommen musste. Eine mit roher Gewalt in die Moorwand getretene Trittfläche wollte er auch als Ausstieg nutzen. Da erwischte ihn der erste richtige Krampf. Eine Minute und weitere 3 Versuche später war er halb draußen. Ein Zuschauer rief ihm zu: „Warte, da kommt Hilfe, der nächste kommt.“ Es war Wolters. Der half ihm und schob den Rest seines Körpers nach draußen. Im Gegenzug half Andrè ihm raus. Es folgte die Zweite Grube. Hier schob er seinen Kamerad zunächst nach draußen und der reichte André von oben die helfende Hand – geschafft. Er schien noch ein bisschen mehr drauf zu haben als Andrè, denn er gab sofort Gas. Vielleicht hatte der sogar noch die Möglichkeit den Dritten zu erreichen. Andrè war raus aus der Entscheidung. Die Bierkistenhürden, das Kriechhindernis, alles nahm er nur noch unterbewusst wahr, genau wie den letzten Rest der Strecke. Als Kilometerschild 26 neben ihm auftauchte musste er schmunzeln…

Am Ende kamen sage und schreibe 30,4 Kilometer zusammen. Für Andrè Kraus dem LAC Veltins Hochsauerland Läufer waren es 30,4 echt zermürbende Kilometer. Er lief als geschlagener 5. Platzierter mit Jonas über die Zeitmessmatte in 2:28 Stunden. Vorne teilten sich Sternen und Kränkl im gemeinsamen Zieleinlauf den Sieg beim Limes Run in 2:23 Std. Letzten Endes doch „nur“ 5 Minuten auf Platz 1 – vom Gefühl her hatte Andrè eher auf 10 geschätzt.

Ein 5. Platz zum Abschluss der Saison, vor der Zwangspause, nach dem grandiosen Auftakt im Frühjahr, mit dem erfüllten Traum, dem Sieg beim Braveheart Battle. Andrè: „Ich will nicht sagen dass ich enttäuscht bin, denn mein Trainingszustand ließ auch nicht viel mehr erwarten. Der Sieg beim Föckinghausen Marathon vor drei Wochen hat am Ende wohl doch wesentlich mehr Tribut gefordert als dass ich es mir eingestehen wollte. Wie auch immer, ich habe alles versucht in diesem letzten Rennen, dass war ich mir und auch meinem Fuß schuldig. Jetzt verschwinde ich erstmal von der Bildfläche und hoffe auf ein rasches, vielleicht auch überraschendes Comeback nach überstandener OP.

Mein Herz jedenfalls sagt: Ihr habt nicht das letzte Mal von mir gehört.“

Chronistenpflicht: hier noch ein paar Zahlen zum 2. Limes Run:
1900 gemeldete Starter, davon nur 1300 tatsächlich gestartet. Das ursprüngliche Zeitlimit von 4:00 Stunden hätten nur 444 Starter geschafft einzuhalten. Das nachträglich erhöhte Zeitlimit von 5:00 Stunden, schafften am Ende immerhin 1010 Starter, darunter auch 99 Frauen. Das Rote Kreuz verzeichnete 60 Einsätze, 4 davon ins Krankenhaus.
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