Jeremia, Mahner wider Willen!

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Es wird behauptet, die Statue des Propheten Jeremia am Mosesbrunnen in Dijon trage die Züge des Burgundischen Herzogs und Auftraggebers Philip dem Kühnen.
Der Mahner und Künder Jeremia (etwa 627 bis 585 v. Chr.) hat nichts gemein mit selbstberufenen Eiferern unserer Zeit. Er sprach nämlich Gott aus dem Herzen. Er redete zu Königen, Fürsten und Einwohnern von Jerusalem über Sachen die sie sich eigentlich nicht hätten sagen lassen müssen; drohte ihnen und zeigte die Folgen der Handlungen der Politiker, die in eine völlige Vernichtung der Stadt und Deportierung der Bevölkerung mündeten. Mit allen möglichen Mitteln machte Jeremia deutlich, dass das Unheil passieren wird als Strafe für Freveltaten von Königen, Priestern, Lügenpropheten und dem Volk, aber dass das Ausmaß gemindert und die Härte gemildert werden könnte, wenn man umkehrt, zurückkehrt zu den Regeln, zu deren Einhaltung sie sich als Juden verpflichtet hatten.

Ein Beispiel für solch eine Regel: Das mosaische Gesetz besagt, dass jüdische Sklaven, die sich aus Armut verkauft haben, im siebten Jahr freigelassen werden müssen. Nun fiel es den Reichen vom umlagerten Jerusalem nicht schwer tatsächlich Sklaven frei zu lassen, so zu sagen als augenscheinliche Wiedergutmachung für begangene Unrechttaten, damit Gott günstig gestimmt werde. Besitzer mussten nämlich ihre Sklaven ernähren, aber die Hauptstadt war von Bevorratung abgeschnitten. So sparten sie sich Kosten. Aber sobald der Feind abzog, holten sie die nun rechtmäßig freien Menschen wieder zurück und machten sie gegen ihren Willen erneut zu Sklaven. Weil mittelose Sklaven von der Armenkasse leben mussten, ist dies ein frühes Beispiel für „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“.

Man sagt, Unrecht schreie zum Himmel, und das tut es immer, aber damals gab der Himmel auch eine unmittelbare und unmissverständliche Antwort und die goldene Stadt Jerusalem wurde vernichtet.

Jeremia hat wie ein Hund gelitten während er Obrigkeit und Volk die Wahrheit sagte. Er liebte seine Volksgenossen, zeigte auch jedes Mal Auswege, jedoch ohne Gehör zu finden.
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Willi Heuvens aus Kalkar | 09.10.2013 | 10:22  
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