Museum Schloss Moyland: Natur als Kunst

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Anselm Feuerbach Italienische Baumlandschaft (Straße bei Albano), 1858 Öl auf Leinwand (Foto: Museum Schloss Moyland)
 
Gustave Le Gray Vue de mer (Meerblick), Normandie, 1856 Albuminpapier (Foto: Museum Schloss Moyland)
Bedburg-Hau: Museum Schloss Moyland |

Bedburg-Hau. Die künstlerische Darstellung von Landschaft erfährt Anfang des 19. Jahrhunderts einen tiefgreifenden Wandel. Inmitten der Natur entstehen in Malerei und Fotografie Werke von hoher Innovationskraft. Die Ausstellung "Natur als Kunst" macht ihre komplexe Einflussnahme in einer einmaligen Gegenüberstellung sichtbar.

In der Malerei und Fotografie kommt es Mitte des 19. Jahrhunderts zu bedeutenden technischen Neuerungen: Leicht handhabbare Tubenfarben und verbesserte fotografische Aufnahmeverfahren machten die Wiedergabe ei-nes spontanen Natureindrucks erstmals möglich. Dabei führte der zeitgleiche Einsatz von Malerei und Fotografie zu einer intensiven Wechselwirkung: Während die Natur- und Landschaftsfotografie als Vorlagenstudie große Be-deutung für die Landschaftsmaler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte, entwickelte die Fotografie eine an die Malerei und Druckgrafik angelehnte Bildwelt und Ästhetik. Das Wechselspiel von Ölmalerei und Fotografie wird an ausgewählten Werken der Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus in München und der Sammlung Fotografie am Münchner Stadtmuseum deutlich gemacht. Auf einer Reise von Berlin über München ins französische Barbizon lässt sich die Spannbreite der Natur- und Kunstauffassung des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts entdecken.

Emanzipation der Landschaftsmalerei
„Es drängt sich alles zur Landschaft“ - mit diesen Worten charakterisierte Philipp Otto Runge den Aufbruch der Landschaftsmalerei um 1800. Im bayerischen Voralpenland, in den südlichen Regionen Italiens und Griechenlands sowie im Wald von Fontainebleau begannen Künstler unmittelbar in der Na-tur zu malen. Heimische und ferne Landschaften, Ebenen, Meeres- und Gebirgslandschaften weckten ihr Interesse. An die Stelle der großkomponierten Ideallandschaft trat die realitätsnahe Naturdarstellung, die als Kleinformat einen intimen Einblick in das individuelle Naturerlebnis des Künstlers gewährt.

Die Ölskizze
Auf ihren Entdeckungstouren im Freien studierten die Maler Formen und Farben der Natur und hielten ihre Beobachtungen in rasch angefertigten Ölskizzen fest. Zuvor hatten sie – zurückgezogen im Atelier – Landschaft und Natur nur aus der Erinnerung heraus gemalt. Die in der Ausstellung präsen-tierten ca. 75 Ölgemälde und -studien aus der Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus in München stammen von namhaften Künstlern aus Deutschland und Frankreich. Zu den Wegbereitern dieser Gat-tung zählen die umfangreich vertretenen Maler von Barbizon, die mit ihren maltechnischen Innovationen den Impressionismus maßgeblich mit vorbereiteten.

Natur- und Landschaftsfotografie
Die Fotografie stand Mitte des 19. Jahrhunderts noch am Anfang ihrer Ent-wicklung. Auf die anfangs langwierigen Aufnahme- und Verarbeitungsproze-duren folgten schnell technische Neuerungen, die das Fotografieren erleichterten und beschleunigten. Die Unmittelbarkeit und Präzision, mit der die Fotografie das Abbild von Natur und Landschaft festhielt, faszinierte viele Maler im 19. Jahrhundert. So hatte die Fotografie bereits um 1855 Eingang in viele Malerateliers gefunden: Fotografische Natur-, Wetter- oder Tierstudien dienten ihnen als Vorlagen für ihre Werke. Die Ausstellung zeigt über hundert Études d’après nature (Studien nach der Natur) aus der Sammlung Fotogra-fie des Münchner Stadtmuseums, die von deutschen, französischen, engli-schen und italienischen Fotografen in dem Zeitraum von 1850 bis 1890 an-gefertigt wurden.

Ausstellungskataloge
Im Museumsshop sind unter dem Sammeltitel Natur als Kunst der Katalog der Christoph Heilmann Stiftung in München, Frühe Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich (Wunderhorn 2013, 288 S. mit farb. Abb., 25 Euro) und die Neuerscheinung des Museums Schloss Moyland, Landschaftsfotografie im 19. Jahrhundert (Wienand 2016, 128 S. mit farb. Abb., 23 Euro) mit Beiträgen von Ulrich Pohlmann, Svenja Paulsen, Rudolf Scheutle und Sabrina Mandanici erhältlich. Als Buchpaket kosten die Kataloge zusammen 44 €.
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