Neues Römisches Lager in Bedburg-Hau gibt weiterhin Rätsel auf

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    Die Archäologen arbeiten zurzeit an der Auswertung der Befunde und Fundstücke. Dies wird noch eine Zeitlang dauern, da auch die Legionsverschiebungen z. B. zum Bataveraufstand neu ausgewertet und bewertet werden müssen. Bis zur Tagung "Archäologie im Rheinland“ im Februar 2016 werden wir uns noch gedulden müssen.
Bei der Archäologie ist viel Vorstellungskraft hilfreich und auch Hypothesen sind durchaus angebracht.
So habe auch ich mir Gedanken gemacht: Zuerst beschäftigte ich mich mit Leonhardt Johannes Friedrich Janssen, der in den 1840er Jahren bei Moyland auf dem Höhenzug Grabungen durchführte und dabei erwähnte, dass bei Moyland die XXX: Legion gelegen habe. Doch diesen Gedanken legte ich gleich beiseite, denn die XXX Legion taucht nachweislich um 119/920 n. Chr. in Xanten (Vetera II) auf und eine Abteilung davon in Nijmegen(Noviomagus).
Bereits vor vielen Jahren war mir aufgefallen, dass bei den Entfernungsangaben auf der Tabula Peutingeriana (Karte des röm. Straßennetzes) und im Itinerarium Antonini (Verzeichnis der röm. Straßen) etwas nicht stimmen kann. Vor der Entdeckung des neuen Römerlagers bei Westrich in Bedburg-Hau, mindestens zwei große starkbefestigte Militärlager, habe ich mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht, denn es gab keinen Bezugspunkt. Jetzt jedoch sieht dies ganz anders aus.
Zwischen Xanten (Colonia Ulpia Traiana, Veterea I & II) und Nijmegen (Noviomagus) liegen von Xanten ausgehend Burginatium (Kalkar) und Arenacum/Harenatium (Rindern). Die Strecke von Xanten nach Nijmegen beträgt insgesamt 21 röm. Meilen. Von Xanten bis Kalkar V. (5) röm. M., von Kalkar bis Rindern VI. (6) röm.M., und von Rindern bis Nijmegen X. (10) röm. Meilen. Es gibt auch andere Maßangaben z.B. „Leugen“ und Umrechnungen in Schritte, jedoch mit dem gleichen Ergebnis, das Arenacum/Harenatium genau in der Mitte der Strecke Xanten – Nijmegen zu suchen ist. Diese Mitte befindet sich jedoch nicht in Rindern! Sondern, im Raum Qualburg – Till, also genau dort wo jetzt die neuen Lager entdeckt wurden! Nach der Entdeckung der neuen Lager, machen die Entfernungsangaben einen Sinn und es stellt sich die Frage:
Ist Rindern das röm. Arenacum/Harenatium oder Qualburg-Till?
Nicht nur die Entfernungsangaben sprechen gegen Rindern, sondern auch etliche Geschichtsschreiber haben sich dieser Frage gestellt. Und selbst F. Gorissen zweifelt daran und bemüht dazu das Mittelalter, führt Belege für das beliebte „Haren“ am Niederrhein an. So könnte man auch dem folgen, dass der Name Rindern in alten Urkunden aus Rynharen, Rynaren, Rynern, Ryndern entstanden ist und nicht aus Arenacum/Harenatium. Für Rindern spricht also nur die Namensähnlichkeit mit Arenacum/Harenatium.
In und um Rindern gibt es zahlreiche röm. Funde, jedoch gibt es keinen Nachweis für ein röm. Lager und schon gar nicht von der Größe die eine Legion beheimaten könnte. Um 70 n. Chr. soll die X. Legion nach Arenacum/Harenatium verlegt worden sein um dort zu überwintern. Auch dazu gibt es in Rindern keinen Beweis, keinen Befund.
Soweit meine Überlegungen dazu, letzendlich zählen jedoch nur Fakten. Nachfolgend möchte ich die Situation zur Zeit des Bataveraufstandes am Niederrhein um 70 n. Chr. schildern bei dem auch das neue Lager bzw. die Lager eine Rolle gespielt haben könnten. Das sog. Lager „B“ weist an der Nordostecke mehrere Bauphasen vor. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass das Lager dort beschädigt wurde, vielleicht bei kriegerischen Auseinandersetzungen während des Bataveraufstandes.

Der Bataveraufstand:
Vor dem Bataveraufstand gab es erhebliche Unruhen im Römischen Reich. Galba versuchte 67/68 n. Chr. Kaiser Noero zu stürzen. Es entwickelte sich ein Bürgerkrieg, Nero wurde letztlich zum Staatsfeind erklärt und Galba wurde Kaiser. Die Legionen in Obergermanien verweigerten ihren Eid auf den Kaiser und Galba bereits 70 Jahre alt suchte einen Nachfolger. Eine Option war Marcus Salvius Otho, doch er favorisierte Lucius Calpurnius Piso Frugi Licinianus. Otho putschte mit Erfolg gegen Galba. Fast gleichzeitig rief sich der niedergermanische Statthalter Aulus Vitellius in Köln zum Kaiser aus. Die Provinzen im Osten waren auf Otho´s Seite. Etliche Legionen marschierte auf Italien. Mitte des Jahres 69 wurde dann auch noch Titus Flavius Vespasianus in Judäa zum Kaiser ausgerufen. Vespasian ging letztendlich als Sieger hervor und war bis 79 röm. Kaiser.
Die Rheingrenze Niedergermaniens war also zu diesem Zeitpunkt sehr entblößt. Auch Batavische Truppen, hier vom Niederrhein waren nach Italien beordert worden. Der Kommandeur einer Batavischen Auxiliarkohorte, Julius Civilis, wurde unter Anklage gestellt, doch andere aufständische Kohorten schlossen sich ihm an. Die aufständischen Kohorten marschierten unbehälligt durch Bonn und schlossen bei Xanten die röm. Truppen ein. Es folgte ein röm. Entlastungsangriff auf Xanten, doch diese Truppen mussten schleunigst abziehen weil auch die Chatten bei Mainz den Aufstand probten. Die Besatzung von Xanten ergab sich dem Julius Civilis. Vespasian entsandte Truppen aus Italien, eine riesige Streitmacht bestehend aus den Legionen I., II., VI., VII., XI., XIII., XIV. und XXI. Dieser Übermacht war der Bataver Julius Civilis nicht gewachsen und wurde bei Arenacium, Batavodurum, Grinnes und Vada geschlagen.
Einige Geschichtsschreiber berichten davon, dass die X. röm. Legion in Arenacum/Harenatium von Julius Civilis angegriffen wurden, das Lager wurde jedoch erfolgreich verteidigt.

Kastell Steincheshof-Till und Qualburg
Beide werden nicht auf der Tabula Peutingeriana und im Itinerarium Antonini erwähnt. Dies mag daran liegen, dass sie zu unbedeutend waren, oder beide Orte, bei der Annahme dass das neu entdeckte Lager Arenacum/Harenatium sein sollte, wegen der Nähe zu diesem Lager unter dem gleichen Namen zu führen sind. Kastell Steincheshof liegt nur 400 Meter und Qualburg (Quadriburgium) 3000 Meter vom neuen Lager entfernt. Möglich ist auch, das Steincheshof oder Qualburg das eigentliche Arenacum/Harenatium sein könnte.
Bereits vor drei Jahren habe ich die Frage gestellt: Aus Harenacium oder Arenacium wurde Quadriburgium, Qualburg? Damals tendierte ich noch zu Rindern.
Oder: Qualberg, Qualburch, Qualbruch, Quaylbergh, Quaelberg, Caelberg , Qualeburg, Quaelborch und Collberg = Qualburg.
Siehe dazu: hier klicken

Sensation in Bedburg-Hau: hier klicken

Qualburg = Quadriburgium = Arenacium und röm. Übungslager Westrich-Hof hier klicken
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4 Kommentare
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Annegret Freiberger aus Menden (Sauerland) | 01.12.2015 | 18:00  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 01.12.2015 | 18:27  
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Günter van Meegen aus Bedburg-Hau | 01.12.2015 | 18:51  
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Fritz van Rechtern aus Neukirchen-Vluyn | 02.12.2015 | 06:36  
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