Wang Wei (700-760), Dichter der Stille

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Beispiel
Die Pfirsichblüt‘ so rot und satt von Regennacht
Die Weide grün, hat Dunst als Schleier umgelegt
Zerstreute Blüt‘, der Junge hat sie nicht gefegt
Ein Vogel singt, der Hausherr ist noch nicht erwacht


Wenn Menschen in asiatischer Landschaftsmalerei abgebildet werden verschwinden sie zwischen hohen Bergen, tiefen Schluchten, daherziehenden Wolken, Andeutungen von Hainen mit blühenden Bäumen und Wasserfällen. Wenn sie in chinesischen Vierzeilern auftreten, kann es sein, dass nur Stimmen in der Ferne gehört werden, oder dass ein Besucher hören muss, er sei umsonst gekommen.

Ein roter Faden jener Dichtung ist die Sicherheit, dass die „Dinge“ schon selber erzählen, das Schriftzeichen allein schon oft eine kleine zusammengesponnene Geschichte bildet. Der Betrachter sieht 5 oder 7 Zeichen und muss sich daraus einen Reim machen, vier Zeilen als Szenenwechsel begreifen.
Wurde der Mensch oft nur angedeutet, so erscheint er hier im Vierzeiler von Wang Wei sogar ausdrücklich zwei Mal. Als Junge, Hausknecht und als „Berg-Gast“, vermutlich ein Ehrentitel eines Menschen der sich vom Staatsdienst zurückgezogen hat. Aber jener Bursche fegt nicht und der Herr des Hauses schläft, handelt also auch nicht. Hier spricht das Ideal des nicht-Handelns, damit die Natur, arrangiert vom Dichter, selber sprechen kann. Ein rotblühender Pfirsichbaum, die schwer am Regen getragen hat, eine Trauerweide in einem Gewand von grünen Zweigen, die sich am Morgen einen Dunstschleier umlegt. Und Vögel singen dazu.
Für das Original und Erklärungen besuchen Sie bitte die Seite von Andrew Wong. Mehr...
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