Auch mein Vater war Flüchtling (in 1944) ...

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Er wurde deportiert aus einem Gebiet unweit von Goch, das vor dem Krieg Teil vom Königreich der Niederlande war. Die Verbündeten rückten näher, eine große Panzerschlacht war im Begriff geschlagen zu werden und die Besatzung des Königreichs zwang zu einer großflächigen Räumung der Region. So brach auch mein Vater mit vielen Tausenden zu Fuß auf, Richtung Norden. Ich schrieb hierüber schon in Lokalkompass. In Groningen fand er nach 230 Kilometern schließlich ein Bleibe auf einem Bauernhof. Vor kurzem fand ich seinen Flüchtlingsausweis. Der Bürgermeister der Groninger Gemeinde Uithuizen stellte auf Niederländisch aus, dass „Kellendonk, Franciscus Henricus A. (…) aus dem vom Krieg heimgesuchten Gebiet stammt und im Flüchtlingsregister der Gemeinde aufgenommen wurde als: Ev(akuierter). Abgegeben am 21 November 1944“
Offenbar war die Lage im Grenzgebiet von Goch noch nicht so dringend, dass er den Status von „Oorlogsgeweldvluchteling“ (Kriegsgewaltflüchtling) erhielt, was merkwürdig ist, wenn man hört wie schrecklich die Lage der deutschen Bevölkerung im gleichen Gebiet und zur gleichen Zeit war.
Am gleichen Tag noch erhielt er in Uithuizen das Allernötigste vom Ausgabelager. Einen Monat später erhielt er „1 handd., 1 overhemd, 1 hemd“ (ein Handtuch, ein Hemd, ein Unterhemd). Und von einer anderen Behörde "1 onderbroek" (eine Unterhose). Ein halbes Jahr später ist dann der Krieg vorbei und drückt das "Distributiekantoor Nijmegen" am 22. Mai einen Stempel in seinen Ausweis und er erhält offenbar das Allernötigste. Wechselten auch die Herrscher, die Bürokratie funktionierte wenigstens weiter und gut, auch wenn eine Unterhose einer anderen Behörde unterstand als das Unterhemd.
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2 Kommentare
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 15.12.2015 | 07:55  
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 16.12.2015 | 17:44  
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