Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

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Zu den größten Denkleistungen des vergangenen Jahrhunderts gehören die Werke von Karl Popper, einem Philosoph der keine schönen schillernden Seifenblasen schuf, sondern wichtige Beiträge für Erkenntnistheorie, Soziologie und Politik lieferte.
Früh erkannte er die Gefahr in Österreich für sich als Mensch jüdischer Abstammung und nahm 1937 eine Lehrstelle in Neuseeland an wo er bis kurz vor Kriegsende verblieb und wo er an seinem Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ arbeitete. Die zwei Teile des Werkes befassen sich mit den Feinden einer offenen Gesellschaft, nämlich Plato (in Teil I) und Hegel und Marx (in Teil II).
Entgegen der gängigen Meinung, die Plato darstellt als verehrungswürdiger Held des klaren Denkens, nimmt Karl Popper, ähnlich einem öffentlichen Ankläger der das Allgemeinwohl schützen will, Stellung gegen ihn und seinen Gedanken die auf den totalitären Staat hin wirken.
Publizistisch wirksam und trotzdem äußerst fundiert lässt Popper Plato vor dem geistigen Auge des Lesers erscheinen als Geburtshelfer der totalitären Regims in Deutschland, Italien, Spanien und der Sowjet-Union. Bei Plato finden wir unverhüllt den Blut-und-Boden-Gedanken, den Übermensch, die Rassensäuberung und Erziehungsmethoden die darauf hinzielen einen erstickenden Staat zu schaffen.
Poppers große Liebe gilt Sokrates, den er aus der Vereinahmung durch Plato befreit und uns vor Augen führt als Pädagoge, der das freie Denken fördert, nicht nur von berufenen Denkern, sondern auch von Sklaven. Poppers große Anliegen sind die Demokratie (von Athen und für die Welt nach dem Krieg) und die freie, rationelle Diskussion, die er auf passionierter Weise verficht. Sein Plädoyer für überprüfbare, schrittweise Änderungen in der Gesellschaft wird bis heute oft missverstanden.
Die „Offene Gesellschaft...“ ist seit 2015 in der englischen Originalsprache als digitales Werk umsonst zu beziehen und wird noch regelmäßig als Buch herausgegeben. Es ist noch genauso aktuell wie damals.
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3 Kommentare
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Drs. Pol. (NL) Monika Eskandani aus Essen-Süd | 26.01.2017 | 23:27  
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 27.01.2017 | 08:53  
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Drs. Pol. (NL) Monika Eskandani aus Essen-Süd | 28.01.2017 | 13:47  
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