Stadtgründung ohne Prunk: Warum sechs eigenständige Gemeinden zu Bergkamen wurden

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Verleihung der Stadtwerdungsurkunde 1966 von NRW-Innenminister Willy Weyer an Bürgermeister E. Pech (r.) (Foto: Stadtarchiv Bergkamen)
 
Verwaltungsbaracke im Januar 1966 (Foto: Stadtarchiv Bergkamen)
Bergkamen: City |

Der Zusammenschluss erfolgte ohne äußeren Zwang: Am 14. Juni 1966 erhielten die fünf Gemeinden Bergkamen, Rünthe, Weddinghofen, Heil und Oberaden als Bergkamen das Stadtrecht. Die Gemeinde Overberge folge ein Jahr später. Doch warum gaben die ehemals eigenständigen Orte ihre Unabhängigkeit auf?

Die Gründung der Großgemeinde und späteren Stadt Bergkamen gilt als eine Besonderheit in der Geschichte des Kommunalwesens in NRW: Vorher gab es so etwas nicht und danach in dieser Form ebenfalls nicht mehr.

Monoindustrie drohte den Gemeinden

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte im Großraum Bergkamen genau wie im Rest der noch jungen Bundesrepublik konjunkturelle Hochstimmung: Das „Wirtschaftswunder“ gewann rasch an Fahrt. Vor allem in den Bergbaugemeinden Bergkamen, Oberaden und Weddinghofen spielte dank der Zechen Haus Aden, Grimberg I/II und Grimberg III/IV die Steinkohle eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. 1959 allerdings kam es zu einer Rezession und die Bergleute „Feierschichten“ und damit verbundene Lohnausfälle verkraften mussten. Infolge dessen wurde vielen klar, dass der Raum Bergkamen eine wirtschaftliche und industrielle Neuorientierung benötigte, damit er nicht vom Steinkohlenbergbau abhängig wäre. Neue Industrie- und Gewerbezweige seien nötig, da war man sich sicher. Dabei mussten allerdings die Gemeinden zusammenarbeiten und ihre Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen aufeinander abstimmen. Sonst hätte die Gefahr bestanden, dass Ansiedlungen unkontrolliert und aneinander vorbei entstehen. Auch ein Konkurrenzkampf wäre nicht förderlich gewesen.

Pläne gab es seit 1958

Daraus entstand eine Idee: Der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (der heutige Regionalverband Ruhr), damals zuständige Landesplanungsbehörde schlug den Gemeinden Bergkamen, Rünthe, Heil, Weddinghofen und Oberaden bereits Ende 1958 eine Zusammenarbeit vor. Im Herbst des darauffolgenden Jahres stimmten die fünf Gemeinden dem Vorschlag zu. Ab Juni 1960 plante der Beirat eine raum- und wirtschaftsplanerische Zusammenarbeit. Auch die Gemeinde Overberge schloss sich an. 1962 erkannte man, dass es nötig wäre, einen einheitlich verwalteten Verbund zu gründen. Auch die um 1820 gebildeten Kommunal- und Verwaltungsstrukturen waren überholt. Die Region war nicht mehr bäuerlich, sondern industriell geprägt. Auch die Einwohnerzahl war stark gestiegen.

Bergkamen war als Modell gedacht

Hubert Biernat, seit 1961 Landrat in Unna, schlug daher im Februar 1962 einen politischen Zusammenschluss der sechs Gemeinden vor. Er sah dies auch als einen möglichen Modellfall für eine Neuordnung des Kreises Unna. Da 73 eigenständige Landgemeinden neben Unna und Kamen den Kreis bildeten, sah er generell die Gefahr eines Konkurrenzkampfes. Vor ihm hatte bereits der Pelkumer Amtsdirektor Alfred Gleisner im Jahre 1959 die Idee geäußert.
1963 beschlossen die Gemeindevertretungen von Bergkamen, Heil, Oberaden und Weddinghofen offiziell die Bildung einer neuen Gemeinde. In Rünthe und Overberge kam es zu Volksabstimmungen: Die Rünther stimmten für, die Overberger gegen die Idee. 1964 einigte man sich auf den Namen Bergkamen für die zukünftige Stadt.
Zum 1. Januar 1966 kam es dann zum Zusammenschluss der fünf Gemeinden zur Großgemeinde Bergkamen. NRW verlieh der Gemeinde am 14. Juni 1966 die Stadtrechte. „Die Sitzung verlief aber eher schmucklos und es gab auch kein Stadtfest oder ähnliches“, erklärt Stadtarchivar Martin Litzinger.


Der „Nachzügler“ Overberge folgte 1968

Aber auch die Gemeinde Overberge wurde schließlich ein Teil der neuen Stadt Bergkamen. Am 1. Januar 1968 kam es zu einer kommunalen Gebietsreform. Das „Unna-Gesetz“ machte Overberge zum sechsten Stadtteil der noch jungen Stadt.
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