Ein Bild - Eine Geschichte

Anzeige

Abschiedsschmerz


Wehmütig schaute Rosiro auf die aufgehende Sonne, wie er es schon so oft getan hatte. Er liebte diese Morgenstunden, wenn die Welt langsam aus dem Nebel auftauchte. Doch dieses Mal würde es das letzte Mal sein. Es war Zeit zu gehen. Seine Aufgabe war erfüllt. Er drehte um und schaute zu der kleinen Hütte zurück, die am Ufer des Sees stand. Samira schlief noch. Er hatte ihr gestern gesagt, dass er heute gehen würde, war sich aber nicht sicher, ob sie wirklich verstanden hatte, dass es ein Abschied für immer war. Er hatte ihr nie verheimlicht, dass er nicht für immer bei ihr bleiben konnte, aber sie hatte das Thema immer weggewischt. Rosiro seufzte. Er hasste Abschiede und darum machte er sich auch meistens heimlich davon. Noch einmal schaute er zur aufgehenden Sonne und marschierte dann los, ein Stück am Ufer entlang, auf den Wald zu. Er bemerkte nicht, dass sich die Vorhänge des Schlafzimmers der Hütte bewegten. Samira stand still da und sah ihm nach. Tränen liefen ihr über die Wangen. Da ging er, der stille, geheimnisvolle Mann, den sie so liebte. Dann stahl sich ein Lächeln in ihr Gesicht. Sie nahm den kleinen, glänzenden Kasten vom Nachttisch und drehte ihn nachdenklich hin und her. Sie wusste es nicht, was es war, nur dass Rosiro es zum Arbeiten brauchte, soviel hatte sie herausgefunden. Ihr Lächeln wurde breiter. Er würde zurückkommen und dann würde sie ihn nicht noch mal gehen lassen.
sabine-kalkowski-schriftsteller.de
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.