Ein Bild - Eine Geschichte

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Stufe für Stufe

„Die Treppe runter und dann kommst du direkt darauf zu!“, hatte Gerda zum Abschied gesagt und war hinter der nächsten Hausecke verschwunden.
„Warte!“, hatte Lisa ihr noch hinterhergerufen, aber als sie um die Ecke geschaut hatte, war Gerda schon im Menschengedränge verschwunden gewesen. Nun stand Lisa hier an der Treppe und konnte nicht sehen, wohin sie führte. Sie wusste nicht, auf was sie direkt zukommen sollte, das hatte sie Gerda noch fragen wollen. Lisa zuckte mit den Schultern. Die Sonne schien, sie konnte die Stufen bis zur Biegung gut sehen, was sollte schon passieren. Stufe für Stufe stieg sie hinab. Sie ließ sich Zeit und warf immer wieder einen Blick zurück. Die Treppe schien in einer langen Spirale zu verlaufen, denn schon nach ein paar Stufen konnte sie den Anfang nicht mehr sehen, und obwohl die Sonne weiterhin schien, veränderte sich das Licht. Es wurde dunkler und änderte die Farbe von sonnengelb zu kaltem Blau, je tiefer Lisa stieg. Die Wände an der Seite wurden immer höher und bald konnte Lisa den Himmel nicht mehr sehen, nur noch Felsgestein. Sie blieb mit einem flauen Gefühl in der Magengegend stehen und überlegte, ob sie nicht umkehren sollte. Aber sie hatte Gerda versprochen, dass sie kommen würde, also ging sie weiter, langsam, Stufe für Stufe. Das Licht kam von allen Seiten, die Felsen selbst schienen zu strahlen, dann hörte Lisa ein leises Plätschern. Plötzlich öffnete sich eine große Höhle vor ihr. Lisa blieb vor Staunen der Mund offen stehen. Am Fuß der Treppe saß Gerda in einem kleinen Boot und winkte sie mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen zu sich …
www.sabine-kalkowski-schriftsteller.de
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