Alte Farbe und neue Technik: Schauspielhaus wird in der Sommerpause saniert

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Blick von der Bühne des Schauspielhauses in den Zuschauerraum mit dem Raumgerüst.
 
82 Punktzüge gibt es in der Obermaschinerie. Die Schaltkästen dafür werden derzeit erneuert.

Zurzeit spielt sich im Zuschauerraum des Schauspielhauses mehr ab als auf der Bühne. Seit dem 22. Mai wird der Saal saniert. Daneben wird an vielen weiteren Stellen im gesamten Haus während der spielfreien Zeit gewerkelt. Insgesamt werden rund 3,5 Millionen Euro ins Schauspielhaus investiert.

Der knapp 800 Plätze umfassende Zuschauerraum soll bald wieder so erstrahlen wie zu seiner Fertigstellung vor 65 Jahren. „Vom Charakter bleibt alles genau so, aber der morbide Charme kommt weg“, sagt Andreas Grosse-Holz von den Zentralen Diensten.
Dazu wurden alle Sitze demontiert und ein 4.000 Kubikmeter großes Raumgerüst installiert. Von hier aus werden nun alle Wände und die Decke instand gesetzt. Dies geschieht in Absprache mit der Oberen Denkmalbehörde, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. „Wir haben Farbproben entnommen, um die Decke mit dem Originalton streichen zu können“, erläutert Michael Franz von den Zentralen Diensten. Die Wandtäfelung wird aufpoliert, und der Boden erhält ein Linoleum, das sich farblich dem Original-Bodenbelag annähert.

Neue Technik für Hörgeschädigte

Außerdem werden – wie schon in den Kammerspielen im Sommer zuvor – alle Sitzreihen im großen Haus mit Induktionsschleifen versehen, um Hörgeschädigten ein besseres Hörerlebnis zu ermöglichen. „Wer ein Hörgerät hat, kann es dann entsprechend umschalten“, sagt Dr. Matthias Nowicki, der kaufmännische Direktor des Schauspielhauses. Zum Schluss werden die Sitze wieder eingebaut, wobei einzelne zuvor überarbeitet werden.
Zu den weiteren Sanierungsmaßnahmen in diesem Sommer zählen die Erneuerung der Tonanlage im Schauspielhaus, neue Brandschutztüren in den Hinterbühnenbereichen sowie die Einrichtung eines zweiten Rettungsweg aus dem Malersaal.
Außerdem fließen etwa 1,5 Millionen Euro der Gesamtsumme, die dieses Jahr verbaut wird, in die Unter- und Obermaschinerie im Bühnenhaus, wo die Technik in den Schaltkästen erneuert wird. Von der Unterbühne aus werden damit die Hubpodien gesteuert; von der 22 Meter hohen Oberbühne aus werden damit die 82 Punktzüge angetrieben. Mit den Punktzügen können Dekorationen und Teile des Bühnenbildes, wie zum Beispiel ein Kronleuchter, vom Schnürboden auf die Bühne hinabgesenkt und wieder hinaufgezogen werden.

Fertigstellung bis Ende September

Für die Sanierungsarbeiten im Schauspielhaus gibt es eine zeitliche Zielsetzung. „Wir müssen Ende September fertig sein, und das werden wir auch“, sagt Andreas Grosse-Holz. „Das Team ist ab dem 30. August wieder hier, und es beginnt die Vorprobenzeit“, so Matthias Nowicki. Bis zu den ersten Premieren Anfang November werde die Bühne nach Abschluss der Sanierung für die technische Einrichtung und die Proben benötigt.
Im vergangenen Sommer standen Sanierungen in den Kammerspielen im Mittelpunkt. Etwa 2,5 Millionen Euro betrug das Bauvolumen 2017; jetzt sind es 3,5 Millionen. „Ungefähr in der Größenordnung wird es weitergehen“, sagt Grosse-Holz über die kommenden Jahre und die Sanierungen am Schauspielhaus. 2019 und darüber hinaus sind weitere Maßnahmen geplant, „aber wir brauchen noch die politischen Beschlüsse“, so Nowicki.
„Es war eine Grundsatzfrage. Schließen wir das Haus für zwei Jahre und bauen eine Ersatzspielstätte?“, erklärt der kaufmännische Direktor. An anderen Orten seien daraus acht bis zehn Jahre geworden, und die Kosten seien enorm gestiegen. Daher habe man sich für das „Bochumer Modell“ entschieden und saniere nun kontinuierlich in der Sommerpause.
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