Auf der Suche nach dem Betriebssystem des Menschen: Das Schauspielhaus präsentiert sein Mobile-Game „Rempire“

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Schauspieler Jürgen Hartmann spielt, in eine Puppe verwandelt, eine wichtige Rolle in "Rempire". (Foto: Schauspielhaus Bochum)
 
Jürgen Hartmann in "Rempire". (Foto: Schauspielhaus Bochum)

„Unser Mobile-Game 'Rempire'“, stellt die betreuende Dramaturgin Miriam Wendschoff klar, „dient nicht zur Vorbereitung des Theaterbesuchs, sondern ist eine eigenständige Inszenierung.“ Es kann mittlerweile in den jeweiligen App-Stores heruntergeladen und dann auf dem Smartphone gespielt werden.

„Das Theater kann man sich als Vielfraß vorstellen, der sich die jeweils relevanten gesellschaftlichen Themen einverleibt. Da ist es nur folgerichtig, wenn die Bühne auch auf die Digitalisierung reagiert. Außerdem haben Games und Theater eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie funktionieren interaktiv“, meint Wendschoff. Sie fügt hinzu: „Über ein anderes Medium nachzudenken, befruchtet auch die Reflexion über die eigene Kunstform.“ Daher ist „Rempire“ weder als Informationsmedium noch als Marketing-Tool zu verstehen.
Grundlage des Spiels ist eine wissenschaftliche Studie, die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass das gesamte Spektrum der menschlichen Träume auf 56 wiederkehrende Traummotive zurückzuführen ist – unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft des Träumenden. „Damit passt das Spiel gut in diese Spielzeit, in der der Slogan 'Träum weiter' eine große Rolle spielt“, sagt der Designer Stefan Scheer, der für das Logo des Schauspielhauses und den die laufende Saison begleitenden Abreißkalender verantwortlich zeichnet und nun auch „Rempire“, das erste Spiel für Smartphones, das von einem öffentlich geförderten Theater in Auftrag gegeben wurde, gestaltet hat.

Der Traumkatalog wird erforscht

„Dass 56 Traummotive immer wieder auftauchen“, so Scheer, „zeigt, dass alle Menschen ein ähnliches Betriebssystem haben. Am häufigsten sind Träume über das Verfolgtwerden, Sex und das Fallen aus großer Höhe. In 'Rempire' hangelt sich der Spieler durch den Traumkatalog. Eine Art Pinnwand schafft dabei Sinn – eine Allegorie dafür, wie das Gehirn funktioniert.“
Im Mittelpunkt der Spielhandlung steht die Sammlung wiederkehrender Träume der Forscherin Nathalie Stern, die vor vielen Jahren unter ungeklärten Umständen verschwunden ist. Die Sammlung soll den Schlüssel zu einem sagenumwobenen Traumlabor enthalten – und diesen Schlüssel suchen die Spieler in „Rempire“, wobei sie in das Labyrinth des eigenen Unterbewusstseins vordringen. Dabei durchkämmen sie eine Traumlandschaft aus Bildern, Texten, Sounds, Animationen und abwechslungsreichen Mini-Games. Unterwegs begegnet den Spielern auch die Gestalt des Dr. Ernst Kritter, dem der Schauspieler Jürgen Hartmann Gesicht und Gestalt leiht.
„Der Spieler ist sehr aktiv am Geschehen beteiligt“, stellt Miriam Wendschoff heraus und fügt an, „unser Intendant Olaf Kröck erforscht immer wieder die Grenzen dessen, was als Theater verstanden werden kann.“ - Stefan Scheer ergänzt: „Es gibt musikalische Motive, die sich durch das Spiel ziehen, und wir zitieren verschiedene Spielmechaniken. Es gibt acht verschiedene Level; das Game soll Viel- und Wenigspieler gleichermaßen ansprechen.“

Im Reich des Traums

Der Titel „Rempire“ verbindet den Begriff des REM-Schlafs, der für die Phase mit den meisten Träumen steht, mit dem des Empire, verweist also auf das Reich des Traums. „Das Spiel nimmt eine bis anderthalb Stunden in Anspruch“, erklärt Scheer, „wobei es sich auch splitten lässt.“
„Da das Große Haus wegen der Sanierung momentan geschlossen ist, machen wir nun das Smartphone zur Bühne“, sagt Miriam Wendschoff augenzwinkernd. Dabei gibt es eine Besonderheit, die Stefan Scheer besonders wichtig ist: „Die Bühne kann überall sein; es gibt keine Nabelschnur zum Schauspielhaus.“ Sprich: Das Game ist nicht ortsgebunden, sondern deutschlandweit einsetzbar.
„Das Spiel soll dem Schauspielhaus ein neues, medienaffines Klientel erschließen“, hofft Designer Scheer, „aber auch das klassische Theaterpublikum erreichen, das hier vielleicht zum ersten Mal mit einem solchen Angebot in Kontakt kommt.“
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