"Bilge Nathan" feierte Premiere am Prinzregenttheater

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Mehmet (Ismail Deniz, links) und Ben (Alexander Ritter) im Clinch. (Foto: Plancq)
Der deutsche Dramatiker, Hörspiel- und Kinderbuchautor Thilo Reffert ist für Klassenzimmerstücke bekannt. Auch das Prinzregenttheater wird mit seiner „Bilge Nathan“-Inszenierung in Schulen auftreten. Aber auch im Theatersaal an der Prinz-Regent-Straße ist das Drama zu sehen.
Wie bei Klassenzimmerstücken üblich, wird mit einem sehr kleinen Ensemble gearbeitet – hier sind es zwei Schauspieler. Ein weiteres Signum des Genres ist die direkte Ansprache an das Publikum. Auch das greift die Inszenierung des Prinzregenttheaters auf.
Ein Klassenzimmerstück hat naturgemäß eine pädagogische Zielrichtung. Die Thematik hat hier einen unmittelbaren Lebensweltbezug – es geht um interkulturellen Dialog und Integration. Aufhänger ist das Toleranz-Drama schlechthin – Lessings „Nathan der Weise“.
Zur Handlung: Ben (Alexander Ritter), arbeitsloser Schauspieler, plant, den „Nathan“ mit nur zwei Schauspielern als Klassenzimmerstück zu inszenieren. Fördergelder müssen her und da ist ein deutscher Klassiker mit eindeutigem Gegenwartsbezug natürlich die richtige Wahl. Interreligiöser Dialog ist heute schließlich immer noch wichtig.
Um den integrativen Ansatz zu demonstrieren, engagiert Ben mit Mehmet (Ismail Deniz) einen türkischen Schauspieler, der sich ebenfalls in finanziellen Nöten befindet. Der schlägt den türkisch-deutschen Titel „Bilge Nathan“ vor – schließlich bedeutet Bilge der Weise. Im Deutschen dagegen ist die Bilge der unterste Punkt des Schiffes, in dem sich das in den Rumpf eingedrungene Wasser sammelt. Eine Metapher für die Probleme zwischen den Figuren.
So wird das hoffnungsvolle Integrationsprojekt schnell zum Sammelbecken für Ressentiments und Klischees. Die Toleranz stößt da schnell an ihre Grenzen, was in der Inszenierung manchmal fast überdeutlich herausgearbeitet wird.
Zunächst tritt Ben allein in die Arena und klagt sein Leid über das Verhalten des wenig zuverlässigen Mehmet, der in dieser Hinsicht ein typischer Türke sei. Dabei scheinen Vorurteile auf, wie sie sich gerade im Bildungsbürgertum häufiger antreffen lassen.
Der Ausgewogenheit halber darf dann auch Mehmet seine Sicht der Dinge kundtun. Am Ende spielen die beiden dann doch noch eine eigenwillige Zehn-Minuten-Version des Lessingschen Dramas, die comedyhafte Züge trägt.
Das Ganze ist von Romy Schmidt straff und unterhaltsam inszeniert. Dass es einfacher ist, Integration und Toleranz zu proklamieren, als diese Werte tatsächlich zu leben, wird hier einmal mehr klar. Das ist zwar nicht neu, macht aber bewusst, dass die Erfolge von Thilo Sarrazin und Pegida auf weit verbreiteten Vorbehalten gründen.
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