Bochum hat das größte Bergbaumuseum der Welt

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Die Oberzentren des heutigen Ruhrgebiets entstanden tatsächlich bereits im Mittelalter. Seine heutige Gestalt erhielt der Pott allerdings erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.
Eine klare Definition des Begriffs „Ruhrgebiet“ existiert nicht. In der Regel werden die Grenzen des 1920 gegründeten Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk zugrunde gelegt. Schon dieser Umstand zeigt, wie bedeutsam der Steinkohlenbergbau für das Ruhrgebiet ist, das ja nicht von ungefähr auch Kohlenpott genannt wird.
Entsprechend hart traf die 1957 beginnende Kohlekrise die Region und auch die Stadt Bochum. Einige Landmarken erinnern heute noch an die große Zeit des Bergbaus. Zu ihnen gehört das weithin sichtbare Fördergerüst in der Nähe des Bochumer Stadtparks. Ursprünglich stand das heutige Wahrzeichen des Bergbaumuseums gar nicht in Bochum – aber dazu später.
Schon in den 1860er Jahren wurde eine Ausstellung bergbaulicher Utensilien angelegt, um den Bergschulunterricht anschaulicher zu gestalten. Dies gilt als Keimzelle des Bochumer Bergbaumuseums.
Es dauerte noch bis Ende der 1920er Jahre, bis die Westfälische Berggewekschaftskasse (WBK) und die Stadt Bochum sich entschlossen, ein öffentlich zugängliches Bergbaumuseum zu gründen.
Die WBK und die Stadt schlossen 1930 den Gründungsvertrag für ein Geschichtliches Museum des Bergbaus. Sechs Jahre später wurde mit dem Bau des Anschauungsbergwerks begonnen.
Alliierte Luftangriffe zerstörten die noch nicht vollendeten Museumsbauten im Jahre 1943. Das Anschauungsbergwerk wurde für den Luftschutz umgebaut.
Wie wichtig den Bochumern ihr Bergbaumuseum ist, zeigt sich darin, dass es bereits 1946 mit einer kleinen Ausstellung wiedereröffnet wurde. Nach 1950 ging es an Neuaufbau und Erweiterung der Institution.
Auch ein Anschauungsbergwerk durfte natürlich nicht fehlen. Im Jahre 1960 konnte man hier bereits Strecken über eine Gesamtlänge von 2 510 Metern vorweisen.
Sein Wahrzeichen erhielt das Museum allerdings erst 1973/4. Damals wurde das grüne Fördergerüst der stillgelegten Zeche Germania aus Dortmund-Marten nach Bochum versetzt.
Ursprünglich wurde das Gerüst bereits 1943/44 errichtet und galt zu dieser Zeit als weltgrößtes Fördergerüst. Es zählte zu den modernsten und leistungsstärksten Fördereinrichtungen des deutschen Steinkohlebergbaus und war noch bis 1971 in Betrieb.
Die Umsetzung des Fördergerüsts erregte enormes mediales Interesse. Dabei wurde es in Einzelteile mit einem Gewicht von bis zu 30 Tonnen zerlegt. Spezialtransporte sicherten die Überführung nach Bochum. Dort angekommen, wurden die Teile in wochenlanger Arbeit montiert.
Über den Fahrstuhl ermöglicht das Fördergerüst den Besuchern heute den Zugang zum Anschauungsbergwerk.
Auch eine Aussichtsplattform bietet das Fördergerüst. Bei gutem Wetter hat man von hieraus einen weiten Blick über Bochum und das Ruhrgebiet. Das gut sichtbare Wahrzeichen Bochums ist entsprechend auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Bis 1976 hieß die Institution einfach Bergbaumuseum. Dann bekam sie den Namen, den sie bis heute trägt – Deutsches Bergbaumuseum. Die Bezeichnung trägt der überregionalen, ja internationalen Bedeutung des Hauses Rechnung.
Entsprechend erkannte es die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 1977 als Forschungsmuseum an. In den Folgejahren wurde das Museum stetig erweitert.
Hier deutet sich bereits an, dass sich das Bergbaumuseum keineswegs nur als Hüter der Geschichte des Ruhrgebietsbergbaus versteht. Vielmehr bietet es vertiefte Einblicke in den weltweiten Bergbau. Es geht dabei nicht nur um Kohle, sondern um Bodenschätze aller Art.
Zeitlich wird der Bogen von der Vorgeschichte bis heute gespannt – ein Rundgang durch 20 000 Jahre Menschheitsgeschichte. Welchen Einfluss die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen auf die Kulturgeschichte hatte, wird so erlebbar.
Bergbautechnik, Geowissenschaften und Rohstoffe bilden Schwerpunkte der Dauerausstellung. Der Bergbau unter Tage steht im Mittelpunkt. Aber auch der Tagebau, der Bohrlochbergbau und der Meeresbergbau finden Berücksichtigung.
Originalobjekte aus den Bereichen Geologie, Mineralogie und Paläontologie, also der Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter, ermöglichen einen Streifzug durch die Geschichte.
Bergleute bilden die einzige Berufsgruppe, die ihre Arbeit unter der Erde, fern vom Sonnenlicht, verrichtet. Dies hat zur Entwicklung besonderer Kunst- und Kulturformen geführt.
Um diesen Aspekt der Bergbaugeschichte geht es auch im Schwarzen Diamanten, dem Erweiterungsbau des Museums.
Dieses spektakuläre Bauwerk für Sonderausstellungen erhielt das Bergbaumu-
seum 2009. Am 6. Dezember dieses Jahres eröffnete der Schwarze Diamant.
Das Gebäude, entworfen von Benthem Crouwel Architekten, erinnert an den Schnitt durch ein Stollensystem. Überhaupt bietet es einiges fürs Auge: Die einprägsame schwarze Fassade glitzert bei Sonneneinstrahlung.
Die ungewöhnliche Architektur des Baus wurde mit mehreren Preisen gewürdigt.
Im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus widmet sich eine Einheit der Dauerausstellung der wichtigsten Schutzpatronin des Bergbaus, der Heiligen Barbara. Skulpturen, Gemälde, Ikonen, Münzen und Medaillen legen Zeugnis von der Barbara-Verehrung ab.
Überhaupt hat der christliche Glaube im mitteleuropäischen Bergbau stets eine besondere Rolle gespielt. Dies hat den Bergleuten sicherlich bei der Bewältigung ihres nicht ungefährlichen Alltags geholfen. Diesem Umstand trägt die sakral-transzendentale Sammlung des Bergbaumuseums Rechnung.
Auch eine alltagsgeschichtliche Sammlung hat das Haus zu bieten. Hier erhält der Besucher Einblicke in die Lebenswelt der Bergleute. Arbeitskleidung ist dabei ebenso berücksichtigt wie Trinkflaschen, Brot- oder Schnupftabakdosen. Enthalten sind auch zumeist beschädigte persönliche Gegenstände, die nach Grubenunglücken geborgen werden konnten.
Auch die Sonderausstellungen tragen der internationalen Ausrichtung des Bergbaumuseums Rechnung. In der Vergangenheit widmete man sich bereits Kasachstan und Chile. Land und Kultur werden dabei jeweils mit der Bergbaugeschichte verbunden.
Mit rund 366 000 Besuchern jährlich ist das Bergbaumuseum eines der meistbesuchten Museen Deutschlands. Dieser Andrang verwundert nicht, da es sich schließlich um das größte Bergbaumuseum der Welt handelt.
Auch für das Fachpublikum hat das Haus eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Es ist Forschungsinstitut für Montanarchäologie, die sich mit Bergbau und Hüttenwesen beschäftigt, und Archäometrie, die archäologische und historische Fragestellungen mit naturwissenschaftlichen Mitteln klärt.
Das Bergbaumuseum fungiert als Dokumentationszentrum und Archiv zur Montangeschichte. Forschungsschwerpunkte sind Geschichte und Technik des Montanwesens. Dokumentation und Schutz von Kulturgut genießen hohe Priorität.
Das Bergbaumuseum ist Teil der Route der Industriekultur. Diese Themenstraße steuert die wichtigsten Marksteine der Industriegeschichte im Ruhrgebiet an. Die Route der Industriekultur ist Herzstück des Bestrebens, die Region Ruhrgebiet touristisch zu erschließen.
Interessierte Laien können sich in der übertägigen Ausstellung informieren, die stolze 12 000 Quadratmeter umfasst. Hinzu kommt das originalgetreue Anschauungsbergwerk unterhalb des Museumsgebäudes mit einer Streckenlänge von 2,5 Kilometern, wovon derzeit 850 Meter begehbar sind.
Träger des Museums sind die DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung und die Stadt Bochum. Das Kürzel DMT steht dabei für „Deutsche Montan Technologie“. Die „Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur“ als Förderverein unterstützt die Arbeit des Museums.
Im Jahre 2013 betrug der Etat des Hauses 10 555 000 Euro. Bund und Land übernehmen davon jeweils 39 Prozent. Die Stadt Bochum steuert elf Prozent bei. In gleicher Höhe ist die DMT beteiligt.
Seit Mai 2012 bestimmt Stefan Brüggerhoff als Leiter die Geschicke des Hauses. Zuvor hatte Museumsdirektor Rainer Slotta seit 1987 die Gesamtverantwortung inne.
Das Jahr 2016 wird ein ganz besonderes für das Bergbaumuseum. Die Dauerausstellung wird gründlich saniert und muss daher voraussichtlich von Herbst 2016 bis Herbst 2018 geschlossen werden. Das Anschauungsbergwerk, der Förderturm und der „Schwarze Diamant“ bleiben dagegen geöffnet.
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