Comedy, Flamenco und das Weißbrot zwischen den Weingängen

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Hat ein Faible für Flamenco: Helmut Sanftenschneider (Foto: Marcus Brockmeier)
 
Helmut Sanftenschneider: »Ein guter Moderator ist das Weißbrot zwischen den Weingängen. Er neutralisiert, bereitet vor, schafft Übergänge.« (Foto: Marcus Brockmeier)
Bochum: Bürgerzentrum Amtshaus Harpen |

Im Gespräch mit Helmut Sanftenschneider ...

Seine ›Nachtschnittchen‹ sind legendär, regelmäßig sorgt Helmut Sanftenschneider mit der von ihm kreierten Kleinkunst-Kult-Show für volle Säle: in Bochum, Datteln, Schwerte oder Gelsenkirchen. Er moderiert das internationale Gitarrenfestival in Hamburg, tourt im Rahmen der Kabarettbundesliga durch ganz Deutschland und schippert auf Aida & Co. um den gesamten Globus. Und doch gibt es einen Städtenamen, der immer wieder in Gesprächen mit dem gebürtigen Bochumer, in seinen Kleinkunstbeiträgen sowie bei seinen Anmoderationen auftaucht: Herne. Wir fragten nach: Warum eigentlich Herne? Überhaupt, wie ist der Ruhrpottler an den Flamenco gekommen? Und was hat Helmut Sanftenschneider mit der Post zu schaffen?

Also, Herr Sanftenschneider, Butter bei die Fische: Was ist das mit Herne?
»Auch wenn es mich erst mit Ende 20 dorthin verschlagen hat, und ich nur einige Jahre dort gelebt habe – mittlerweile wohne ich seit längerem wieder in Bochum – ist in dieser Phase so viel passiert. Auftritte und Moderationen auf der Herner Comedy-Gala, bei Tegtmeiers Erben, auf der Cranger Kirmes ... Ich habe viele Kontakte geknüpft und im Endeffekt damals den Sprung in mein heutiges berufliches Leben vollzogen. Von daher spielt Herne nach wie vor eine wichtige Rolle.«

Aber gehen wir doch noch mal zurück auf Start: nach Bochum. Wie fing alles an mit Ihnen und Ihrer Gitarre?
»Eher unspektakulär. Nebenbei bemerkt war es gar nicht ›meine Gitarre‹. Mein Bruder nahm eine Zeitlang Gitarrenunterricht, hat dann aber aufgehört und nun stand das Instrument ungenutzt in der Wohnung. Also meinte meine Mutter lapidar: Jetzt musst du eben. Und dann machte ich eben und besuchte so mit elf, zwölf Jahren eine kleine Gitarrenschule in der Nähe von Bobby Linden. Offen gesagt hielten sich meine Ambitionen jedoch ziemlich in Grenzen. Erst mit 17 Jahren sprang der Funke über. Ich bekam einen neuen Gitarrenlehrer. Einen Spanier: Der hat mich begeistert; und er hat mich richtig gefordert!«

Gab es damals schon eine Option ›Berufsmusiker‹?
»Auf jeden Fall! Ich hatte wirklich vor, Konzertgitarrist zu werden und davon zu leben. Anfänglich wollte ich allerdings nicht wahrhaben, dass nur die wenigsten dieses Ziel erreichen können. Also habe ich zwischenzeitlich an der Musikschule in Mettmann unterrichtet. Doch auch wenn ich zu hundert Prozent dabei war, so wusste ich: Das ist nicht meins! Und wieder war es meine Mutter, die den entscheidenden Satz sagte: ›Geh doch zur Post!‹«

Helmut Sanftenschneider als Briefträger? Und wie war das?
»Ich habe zunächst ein Praktikum und später eine Ausbildung absolviert. Zugegebenermaßen nicht besonders ehrgeizig. Damals in der Prüfung gab es beispielsweise die Aufgabenstellung: ›Wie stempele ich drei Briefmarken mit möglichst wenigen Stempelabdrucken ab.‹ Mein Ergebnis – Note vier – sagt ja wohl alles. Doch im Nachhinein muss ich zugeben, dass mir diese Zeit durchaus selbst einen Stempel aufgedrückt hat. Ich bin halt viel gelaufen, damals. Und noch heute muss ich gehen, muss zweimal die Woche eine Riesenwanderung machen. Das bringt mich runter. Vor allem nehme ich mein Umfeld völlig anders wahr. Ich entdecke tolle, richtig schnuckelige Ecken. Das ist gut.«

Wann kam denn dann doch wieder die Gitarre ins Gepäck?
»Ach, so richtig war sie ja nie raus. Ich habe nach der Ausbildung zwölf Jahre unbezahlten Urlaub bei der Post genommen und an der Musikhochschule Köln bei Professor Dieter Kreidler klassische Gitarre und Gesang studiert. Parallel habe ich in meiner Freizeit in Flamencogruppen mitgespielt. Der Rhythmus und die Filigranität dieser Musik hatten mich damals bei meinem Gitarrenlehrer schon sehr beeindruckt. Zu der Zeit lernte ich den spanischen Gitarristen Bernabe Gomez kennen und gründete mit ihm das Duo ›Hijos de Pablo‹. Dabei hatten unsere Lieder übrigens durchaus Comedypotenzial. Und auch in seiner Flamencoformation ›Romancero Gitano‹ war ich 15 Jahre lang als Gitarrist dabei: Mal spielten wir zu zweit, mal zu viert, mal mit Tänzerin, mal ohne. Die Arbeit bei der Post habe ich irgendwann drangegeben und die Sicherheit des Beamtenstatus gegen das aufregende Künstlerleben eingetauscht. Eines Tages kam ich auf die Idee, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Es handelte sich um die Fernsehsendung ›Risiko‹, bekannt geworden durch Wim Thoelke und inzwischen moderiert durch Kai Böcking. Und mit meinem Auftritt zum Thema Flamenco habe ich dann wirklich den ersten Platz belegt und satte 15.000 Euro Siegprämie kassiert. Natürlich wurde ich noch vor der Kamera gefragt, was ich mit dem Geld anfangen würde. Meine Antwort: Ich geh' nach Spanien und lern' richtig (!) Gitarre. Das habe ich dann auch in zwei, drei Etappen gemacht. Ich war in Sevilla und Granada bei anerkannten Hochschuldozenten. Eine tolle Sache!«

Wie kam es, dass die Kastagnetten gegen Johann König eingetauscht wurden?
»Tja, wie kam das? Eigentlich wieder über Zufallsmomente. Ich hatte an einem Kurs ›Step to Future‹ unter der Leitung von Mareike Amado und Wolfgang Korruhn teilgenommen, infolgedessen ein spontanes Video mit Mareike Amado entstand. Diesen Clip entdeckte zwei Jahre später die Bookerin von Johann König und meinte zu mir: ›Du bist ja doch ein bisschen komisch …‹ Es folgte ein gemeinsamer Probenauftritt und dann war ich vier Jahre lang mit Johann auf Tour – und habe Blut geleckt. Die Rolle kam super rüber, doch es war auch richtiges Handwerk, harte Arbeit – gut so! Jetzt bin ich schon zwölf Jahre mit meiner eigenen Mixshow unterwegs. 40 bis 50 Termine pro Jahr mit mehr als 100 Zuschauern: Nachtschnittchen hat sich als Marke etabliert. Das freut mich und das macht mich stolz.«

Als Moderator gehören Sie zu den Beliebtesten überhaupt. Was macht denn eine gute Moderation aus?
»Manche Comedians haben die Denke: ›Ich bin der Star‹. Das ist in meinen Augen völlig falsch, insbesondere bei Mixshows und vor allem als Moderator. Da geht es nicht um Ego und Starallüren. Vielmehr ist ein guter Moderator das Weißbrot zwischen den Weingängen. Er neutralisiert, bereitet vor, schafft Übergänge. Als Gastgeber stellt er die Gäste – also Künstler und Publikum – einander vor und geht dann einen Schritt zur Seite.«

Das neue Soloprogramm ›RuhrpottBanderas‹ verspricht aber doch Helmut Sanftenschneider pur. Was passiert in der Show?
»Auf jeden Fall wird es sehr musikalisch und auf jeden Fall hat es mit mir zu tun: mit dem Ruhrgebietler und mit dem Flamenco-Fan. Von daher wird das Revier eine Rolle spielen: vor allem im ersten Teil mit vielen Liedern, die mit dem Ruhrgebiet zu tun haben. Und auch meine Leidenschaft für Spanien wird immer wieder aufblitzen – da gibt es übrigens durchaus Parallelen und Berührungspunkte. Im zweiten Part wird es ruhiger, lyrischer, poetischer – aber unbedingt humorvoll. Darauf freue ich mich am meisten, weil ich doch noch einen Tacken mehr von mir zeigen kann. Außerdem habe ich noch drei Überraschungsgäste dabei. Und eins kann ich versprechen: Selbst wenn es musikalisch wird – der Humor steht immer im Vordergrund!«

Termintipp
RuhrpottBanderas

Songs, Comedy & Kabarett tief aus dem Westen
2. Oktober · 20 Uhr · Amtshaus Harpen
Karten bei Eventim, nähere Informationen unter:
www.amtshaus-harpen.de

Weitere Termine unter:
www.helmutsanftenschneider.de
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