Das "Grubengold"-Ensemble stellt sich vor: Teil zwei der vierteiligen Serie zum Projekt am Prinzregenttheater

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Das "Grubengold"-Ensemble fiebert bereits der "Don Quichotte"-Premiere im Mai entgegen. (Foto: Schuck)

Am Prinzregenttheater besteht das Projekt „Grubengold“ bereits im zweiten Jahr. Was als Theaterarbeit mit Geflüchteten begonnen hat, entwickelt die neue Leiterin und Regisseurin Michaela Kuczinna, die Holger Wagner abgelöst hat, mit ihren jungen Schauspielern zu einem internationalen Ensemble fort. Im Mai bringt die Gruppe „Don Quichotte“ auf die Bühne. Der Lokalkompass stellt die Beteiligten und ihre Arbeit in einer vierteiligen Serie vor. Im zweiten Teil ergreifen die Teilnehmer das Wort und erklären, was „Grubengold“ für sie bedeutet.

In der Zukunftsakademie an der Humboldtstraße wird fleißig geprobt; schließlich will das „Grubengold“-Ensemble den „Ritter von der traurigen Gestalt“ auf die Bühne holen. In der vergangenen Spielzeit hat die Gruppe mit „Grubengold“ eine szenische Collage zum Thema Flucht und Ankommen in Deutschland geschaffen. „Ich war auch im letzten Jahr schon dabei“, blickt Sandy Aldares zurück und fügt an, „damals ging es um unsere Gedanken zu unserer Situation.“
Diese Überlegungen kommen jetzt vor allem im „Grubengold“-Blog zum Ausdruck. Ansonsten erweitert das Projekt seinen Blick – das Thema „Flucht“ dominiert nicht mehr. Auch Akteure ohne Migrationshintergrund und Fluchterfahrung sind dabei. „Vor einem Jahr hatten wir alle die gleiche Hoffnung: eine neue Heimat zu finden. Jetzt geht es um die individuellen Träume jedes Einzelnen“, fasst Belaliz Schahin die Entwicklung in Worte. Sie erzählt, dass „Don Quichotte“ - nicht zuletzt durch die Zeichentrickserie für Kinder – auch im arabischen Kulturraum ein Begriff ist. Auf diese Weise dürften auch viele Deutsche erstmals mit dem Stoff in Kontakt gekommen sein.

Don Quichotte ist den Akteuren nah

„'Don Quichotte handelt von einem Menschen, der den Bezug zur Realität verloren hat“, nähert sich Noor Shawish dem Stoff. Balaji Govindarajan ergänzt: „Als ich das Buch las, musste ich zunächst lachen. Schließlich empfand ich jedoch Sympathie für die Figur. Als mein Visum für Deutschland abgelaufen war, ging meine Welt verloren. Daher empfinde ich Empathie für eine Figur, die sich ihre eigene Welt schaffen muss. Es war für mich einfach, in die Geschichte hineinzugehen.“ - Inzwischen lebt und arbeitet Govindarajan in Bochum.
Yousef Hassan studiert Theaterwissenschaften und unterstützt „Grubengold“ auch als Übersetzer. „'Grubengold' schafft ein Stück mit Geflüchteten, nicht über Geflüchtete“, bringt er das Besondere an diesem Projekt zum Ausdruck. Dies ist auch das Anliegen von Michaela Kuczinna, die die künstlerische Leitung innehat. Den Akteuren macht die Arbeit bei „Grubengold“ vor allem auch deshalb Spaß, weil sie bei den Proben große Freiheiten genießen.

Bewegungschoreographien

Muhammad Tamims Begeisterung für das Theater wurde bereits in Syrien geweckt. Er erzählt von der Arbeit an „Don Quichotte“: „Wir entwickeln Bewegungen – einmal regen wir uns wie ein Pferd, dann wie ein Esel oder ein Schaf. Durch Bewegungen lassen sich Bilder vervollständigen.“
Dabei geht es bei „Grubengold“ natürlich auch darum, den Prozess des Ankommens in Deutschland zu unterstützen. „Wir helfen uns gegenseitig, wenn es um die Aussprache deutscher Wörter geht“, verrät Balaji Govindarajan. Er ergänzt: „Als Mannschaft sind wir stark.“ - Vom künstlerischen Anspruch des Projekts zeigen sich die Teilnehmer beeindruckt. „Seit ich elf Jahre alt war, spielte ich beim Schultheater mit – da war es egal, wie man gespielt hat. Hier muss man schauspielerisch mehr arbeiten, weil alles professioneller ist“, so Belaliz Schahin.

Kontakt zur Bochumer Bevölkerung

Gerade die Teilnehmer, die bereits bei der ersten Inszenierung vor einem Jahr dabei gewesen sind, heben hervor, dass sie durch das Projekt verstärkt in Kontakt zu Deutschen gekommen sind. „Die Theaterarbeit“, so Balaji Govindarajan, „ist ein wichtiges Portal zur deutschen Gesellschaft.“ Er hat bereits einige Inszenierungen des Prinzregenttheaters gesehen und zeigt sich begeistert. Alopé Vostry, angehende Erzieherin aus Dortmund und im zweiten Jahr bei „Grubengold“ dabei, versucht spontan, andere Teilnehmer für einen Besuch im Prinzregenttheater zu gewinnen, um gemeinsam „Die Schöne und das Biest“, die hochgelobte Märcheninszenierung der Intendantin Romy Schmidt, anzuschauen.
Der Blog, den die Teilnehmer gemeinsam gestalten, soll das Theaterpublikum auf „Grubengold“ aufmerksam machen. Zugleich ist er ein Fenster in die Vergangenheit – die Fluchtthematik muss nicht mehr mit den Mitteln des Theaters verarbeitet werden, hat im Blog aber ihren Platz. „Der Blog nimmt uns die Maske weg“, erklärt Sandy Aldares, „so dass man uns als Menschen kennenlernen kann.“
Mittlerweile hat die Gruppe auch schon im Prinzregenttheater geprobt. „Der Raum hat immer einen großen Einfluss“, weiß Leiterin Michaela Kuczinna. Der Wunsch, sich und das Stück zu präsentieren, sei dadurch bei den Teilnehmern noch größer geworden. „Man reißt sich auf der 'echten' Bühne mehr zusammen“, schmunzelt Kuczinna. Balaji Govindarajan ergänzt: „Wenn man auf der Bühne des Prinzregenttheaters steht, denkt man: 'So wird es bei der Premiere sein.'“

Der Blog
Mehr zu „Grubengold“ auf www.grubengoldblog.com.
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