Das Prinzregenttheater blickt voraus auf die Saison 2016/2017

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Der Klassiker "Offene Zweierbeziehung" geht in sein 20. Jahr. (Foto: Hörnschemeyer)

Noch nie hat das Prinzregenttheater die magische Grenze von 10.000 Zuschauern in einer Spielzeit durchbrochen – bis jetzt. Michael Mans, der bislang am PRT für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig gewesen ist und zur kommenden Saison als Marketingleiter zum Klavierfestival Ruhr wechselt, weiß es ganz genau: „In der abgelaufenen Spielzeit waren es 10.360 Besucher.“

Auch ansonsten fällt die Bilanz positiv aus. „Wir haben viele junge Leute ins Haus gelockt“, freut sich Intendantin Romy Schmidt, „und ein Publikum quer durch alle Gesellschaftsschichten erreicht.“ - Anspruchsvoll, aber nicht elitär soll es auch in der kommenden Spielzeit am Haus an der Prinz-Regent-Straße weitergehen.
Das Spielzeitmotto lautet diesmal „Wir?“. „Es geht um die Zersplitterung der Gesellschaft. In jedem Wir sind viele Ichs verborgen. Dem Wunsch nach Gemeinschaft steht die Verantwortung des Einzelnen gegenüber. Es stellt sich die Frage: Wann wird Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit“, füllt Schmidt das Motto mit Leben. Konkret wird das Ganze am 16. September, wenn die erste Premiere der Spielzeit über die Bühne geht: „Michael Kohlhaas“ nach der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist in der Regie von Frank Weiß, der auch die Textfassung besorgt. „Es geht um eine moderne Fassung, die zugleich der Sprache Kleists gerecht wird“, schaut Weiß voraus. Inhaltlich drängt sich da der Bezug zu heutigen „Wutbürgern“ auf, die der Politik die Gefolgschaft aufgekündigt haben. „Einen Eins-zu-eins-Modus bei der Übertragung von damaligen auf heutige Zustände wird es nicht geben. Es geht um die Frage, was einem bleibt, wenn der Staat Gerechtigkeit verweigert“, gibt Weiß Einblick in sein Konzept. Auf seiner Suche nach Gerechtigkeit wir Kohlhaas zum Teil eines gewalttätigen Kollektivs. Sein Fall wirft die Frage auf, ob durch Gewalt überhaupt Gerechtigkeit entstehen kann.

Jugendclub darf sich wieder präsentieren

„Unsere zweite Premiere kommt auch in diesem Jahr von unserem Jugendclub 'Junge Prinz*essinnen' mit Teilnehmern im Alter zwischen 15 und 20 Jahren“, blickt Michael Mans voraus. Leiterin Clara Nielebock hat sich mit den jungen Akteuren auf eine Dramatisierung von Juli Zehs Roman „Spieltrieb“ geeinigt. Es handelt sich um eine Entführungs- und Erpressungsgeschichte zwischen zwei Schülern und ihrem Lehrer. „Die Schüler“, sagt Mans, „probieren aus, wie viel Macht sie haben.“ Das Spielzeitmotto wird hier also auf den Generationenkonflikt bezogen. Zu erleben ist das Stück ab 21. Oktober.
„Eine Gruppe, die wir im Prinzregenttheater noch nicht erreicht haben, sind Kinder“, sagt Romy Schmidt. Das wird sich am 24. November ändern. Dann bringt die Theaterleiterin selbst das französische Volksmärchen „Die Schöne und das Biest“ in der Fassung von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell auf die Bühne. „Hier“, knüpft Schmidt an das Spielzeitmotto an, „geht es um das Wir in seiner kleinsten Form – die Paarbeziehung.“

Erstmals ein Stück von Elfriede Jelinek an der Prinz-Regent-Straße

Daniel Kunze, Absolvent der Regieklasse der Folkwang Universität der Künste, wird ein Stück von Elfriede Jelinek inszenieren – erstmals am PRT überhaupt. Es handelt sich um „Kein Licht“ - „eine postapokalyptische Geschichte, die relativ selten gespielt wird“, wie Michael Mans erklärt. Bezüge zu Fukushima und der zerstörerischen Kraft der Atomenergie lassen sich herstellen. Premiere ist am 7. Januar 2017.
Ende Februar ist Romy Schmidts zweite Regiearbeit „Angst essen Seele auf“ zu sehen. „Ich bin ein Fan von Rainer Werner Faßbinder“, verrät sie. In der Geschichte schwingen die Nachwirkungen des Nationalsozialismus' mit. „Ich werde Pegida nicht direkt aufgreifen“, sagt Schmidt, „aber der Bezug ist mir wichtig.“

Großer Auftritt für das "Grubengold"-Ensemble

Am 21. April entert das „Grubengold“-Ensemble aus jungen Geflüchteten zum zweiten Mal die Bühne. „In der abgelaufenen Saison ging es um Grundlagenarbeit. Diesmal ist mit 'Don Quijote' nach Cervantes ein 'richtiges' Stück zu sehen“, sagt Dramaturg Frank Weiß. Die Leitung des Projekts liegt abermals in den Händen von Holger Wagner, wobei es ausdrücklich auch darum geht, den Teilnehmern ganz praktische Hilfestellungen bei ihrer Integration zu geben.
Geschlossen wird der Premierenreigen mit Philip Ridleys Drama „Tender Napalm“ in der deutschsprachigen Erstaufführung. „In dem Stück“, so Regisseur Frank Weiß, „wird die Sprache der romantischen Liebe neu definiert.“
Die bewährten Publikumslieblinge „Tschick“, „Die Verwandlung“, „Bilder deiner großen Liebe“, „Sommerfest“ und „Bilge Nathan“ bleiben natürlich im Repertoire. Nicht alltäglich: Der Kult-Klassiker „Offene Zweierbeziehung“ von Franca Rame und Dario Fo geht in sein zwanzigstes Jahr.
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