Das Schauspielhaus bringt das wohl berühmteste Drama überhaupt auf die Bühne: Shakespeares "Romeo und Julia" erlebt am Samstag seine Premiere

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Szenenfoto (Foto: Aurin)

„Als ich gefragt wurde“, erzählt Regisseur Marius von Mayenburg, „ob ich 'Romeo und Julia' inszenieren möchte, habe ich gleich ja gesagt. Ich habe allerdings hinzugefügt, dass bei mir nicht mit einer romantischen Inszenierung zu rechnen ist. Schließlich spielt das Stück in einer Welt, in der Menschen einfach so erschlagen werden. Und es geht um die Gesellschaft, die das zulässt.“ - Am Samstag, 11. März, feiert die Inszenierung im Schauspielhaus Premiere.

Die Geschichte zweier verfeindeter Familien, die Shakespeare in seinem Stück erzählt, wird durch das Bühnenbild für den Zuschauer erfahrbar. „Das Publikum wird durch eine Mauer geteilt, so dass man die Zuschauer auf der anderen Seite nicht sieht. Es entstehen zwei Theater; der Zuschauer sieht Teile des Geschehens nicht direkt, sondern nimmt sie vermittelt über Video und Mikrophon wahr. Jeder Zuschauer wird das Ganze erfassen – dennoch ist das Erlebnis ein anderes, je nachdem, auf welcher Seite der Mauer man sitzt.“
Der Regisseur bringt die Familienfehde auf den Punkt: „Aus altem Neid wird neuer Hass. Die Zuschauer, die sich vom Geschehen auf der anderen Seite der Mauer ausgeschlossen fühlen, können diesen Neid nachempfinden. So entsteht das Bedürfnis, die Mauer einzureißen.“

Eigene Übersetzung

Von Mayenburg hat das Stück selbst übersetzt: „Das mache ich immer so, wenn ich Shakespeare inszeniere. Ich habe mich für eine Prosaübersetzung entschieden, die manchmal unmerklich ins Versmaß wechselt. Bei einer Übersetzung im Versmaß leidet die Verständlichkeit. Es geht mir darum, die Schönheit und Komplexität der Gedanken erfahrbar zu machen und das geht besser in Prosa. So erhält der Zuschauer unmittelbaren Zugriff auf den Inhalt.“
„Beim Übersetzen ist mir aufgefallen“, gibt von Mayenburg Einblick, „dass das Stück mindestens ebenso sehr vom Tod handelt wie von der Liebe. Die Lage scheint so aussichtslos, dass nur der Tod noch Befeiung verspricht. Die Figuren kokettieren mit Selbstmord und der Tod übt eine eigentümliche Faszination aus.“


Aktualität des Stoffes

Der Regisseur will auch die Aktualität des Stoffes ins Bewusstsein rücken: „Befriedung ist meist erst dann möglich, wenn es vorher ganz, ganz schlimm geworden ist – man denke nur an den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Shakespeares Drama ist da psychologisch sehr intelligent.“
„Man sagt immer, Shakespeare könne man mit 24 Schauspielern inszenieren“, erzählt der Regisseur, „mindestens aber brauche man zwölf. Ich habe mich für sieben Akteure entschieden, die am gesamten Abend beteiligt sind. So spielt Matthias Redlhammer die Capulets, hat also männliche und weibliche Anteile. Nils Kreutinger ist als Amme besetzt, weil er Wärme ausstrahlt – das ist eine schauspielerische Entscheidung. Schließlich spielt eine Schauspielerin wie Jana Schulz in Bochum und anderswo sehr erfolgreich Männerrollen. Außerdem ist Shakespeare in dieser Hinsicht sehr offen – zu seiner Zeit wurden Frauenrollen von Männern gespielt.“ - Das titelgebende Liebespaar wird von Torsten Flassig und Sarah Grunert verkörpert.
Wichtig ist an einem solchen Abend natürlich auch die Musik, die Matthias Grübel beisteuert. „Mit ihm habe ich schon mehrfach zusammengearbeitet. Die Musik spiegelt eine düstere Welt, die alptraumhaft und surreal ist“, so von Mayenburg.

Termin
- Seine Premiere erlebt „Romeo und Julia“ am Samstag, 11. März, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus, Königsallee 15.
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