David Mamets kontrovers diskutiertes Drama "Oleanna" ab Samstag im Rottstr5-Theater

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Carol (Anne Stein) und John (Wolfram Boelzle) liefern sich ein Duell mit ungewissem Ausgang. (Foto: Rottstr5-Theater)

„Der Dramentitel 'Oleanna' stammt aus einem amerikanischen Volkslied. Es geht darin um eine Gemeinschaft, die an ihrer eigenen Utopie scheitert“, erzählt Alexander Olbrich, der David Mamets Drama im Rottstr5-Theater auf die Bühne bringt. Er fährt fort: „'Oleanna' ist eine Allegorie für die amerikanische Universität, die ihre Utopie nicht mehr einlöst.“

Olbrich inszeniert das vieldiskutierte Drama im Rahmen der Kooperation des Rottstr5-Theaters mit dem Studiengang Regie der Folkwang Universität der Künste. Er ist im dritten Jahr seiner Ausbildung. „Es geht für Regisseure und Schauspieler darum“, erläutert Hans Dreher, „ein Gefühl für die freie Szene zu bekommen. Das Studium bereitet sie auf dieses Arbeitsfeld nämlich nicht unbedingt vor.“ - Neben Olbrich ist die Schauspielstudentin Anne Stein, im zweiten Jahr ihrer Ausbildung an der Folkwang Universität, mit von der Partie. Sie agiert neben Wolfram Boelzle. „Er ist dem Bochumer Theaterpublikum vor allem aus der Inszenierung 'Der goldene Drache' am Prinz-Regent-Theater bekannt“, ruft Dreher in Erinnerung.
Inhaltlich dreht sich das Kammerspiel „Oleanna“ um eine Studentin, die ihrem Dozenten sexuelle Belästigung vorwirft. „Sie hält ihn für sexistisch und klassistisch“, erklärt Olbrich, „und setzt die Waffen der Political Correctness gegen ihn ein.“ - „Das Stück ist 1992, also vor dem Erstarken der PC-Bewegung, erschienen“, stellt Hans Dreher heraus. Im zweiten und dritten Akt spitzt sich der Konflikt zwischen den beiden Protagonisten auf bedrückende Weise zu.

Politische Agenda

Die Studentin, von Mamet wohl bewusst mit dem gängigen Namen Carol versehen, hat eine politische Agenda. „Sie will“, verrät Olbrich, „die Verhältnisse an der Universität verändern.“ - „Bei allem berechtigten umstürzlerischen Potential stellt sich doch die Frage, ab wann es mehr Opfer als Gerettete gibt“, gibt Dreher seine Einschätzung zu Carols Handeln ab.
Der 28-jährige Alexander Olbrich begründet die Wahl gerade dieses Dramas: „Es ist ein ausgesprochen gut geschriebenes Stück.“ - Hans Dreher ergänzt: „Es ist von Anfang bis Ende ein Gesprächsduell. Das Ganze ist gut in Szene gesetzt und fantastisch gespielt.“
„Das Stück“, blickt der junge Regisseur zurück, „wurde extrem kontrovers diskutiert und galt teilweise als frauenfeindlich. Männer und Frauen stehen, wenn es um die Beurteilung des Verhaltens von Carol und John, dem Dozenten, geht, auf unterschiedlichen Seiten. Die Sympathien wechseln aber auch im Laufe des Stücks. Mit wem man sich identifiziert, hängt wohl auch vom Alter ab.“

Termine
Seine Premiere erlebt „Oleanna“ am Samstag, 4. März, um 19.30 Uhr im Rottstr5-Theater.
Zu sehen ist das Stück auch am Donnerstag, 16. März, ebenfalls um 19.30 Uhr.
Es folgt eine Aufführung am Sonntag, 2. April, um 19.30 Uhr.
Auch am Freitag, 14. April, ist das Stück zu sehen. Beginn auch dann um 19.30 Uhr.
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