"Der zerbrochene Krug" feierte Premiere in den Kammerspielen

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Dorfrichter Adam (Dietmar Bär, links) und Gerichtsschreiber Licht (Roland Riebeling). (Foto: Landes)
Eine Besonderheit der „Krug“-Inszenierung, die Intendant Anselm Weber in den Kammerspielen auf die Bühne stellt, gibt es gleich am Anfang: Eve (Sarah Grunert) offenbart bereits an diesem Punkt, dass Dorfrichter Adam derjenige ist, der sie in der vorhergehenden Nacht sexuell bedrängt hat. Adam liegt dabei unter einem Berg zusammengeknüllter Blätter – bereits ein Hinweis auf die Diskrepanz zwischen Gewohnheitsrecht und auf festgeschriebenen Prinzipien beruhender Rechtsprechung, die die Auseinandersetzung zwischen Adam und Gerichtsrat Walter (Marco Massafra) mitbestimmen wird.
Überhaupt ist die feine Balance zwischen komischen und ernsten Elementen eine der großen Stärken der Inszenierung. Immerhin geht es auch darum, dass junge Männer in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts Leib und Leben riskieren mussten, um die Kolonien wirtschaftlich auszubeuten.
Bühnenbild, Kostüme und Ausstattung halten keine Überraschungen bereit. Das ist zu verschmerzen, denn bei der Besetzung hat man alles richtig gemacht. So zeigen nicht nur die Hauptdarsteller, was in ihnen steckt. Xenia Snagowski und Anke Zillich setzen komödiantische Glanzlichter.
Das spielfreudige Ensemble führt dem Publikum vor Augen, was Kleists Drama auch im 21. Jahrhundert noch so attraktiv macht: Es ist ein Drama der Sprache, des Verhüllens und Offenbarens.
Frau Marthe Rull (Katharina Linder) möchte gerichtlich klären lassen, wer ihre Tochter Eve bedrängt und dabei ihren Krug zerbrochen hat. Adam, der Richter, kann nicht lange verbergen, dass er selbst der Missetäter ist, wenn eine Zeugin auch den Teufel als möglichen Schuldigen ins Gespräch bringt. Zu allem Überfluss wohnt der Gerichtsrat gerade dieser Verhandlung bei. Gerichtsschreiber Licht (Roland Riebeling) kocht sein eigenes Süppchen: Er will Adam im Richteramt beerben. Derweil steht die Verlobung zwischen Eve und Ruprecht (Nils Kreutinger) auf dem Spiel.
Der Spaß, den die Schauspieler sichtlich an ihrer Arbeit haben, überträgt sich auf das Publikum, ohne dass dabei die im Stück angelegte Tragik verraten würde. Beeindruckend.
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