Durch die Blume... Assoziationen einer dekadenten Ausstellung

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Dekadente Blumen gab es auf der Ausstellung "De-ka-dent" von F. Gebauer in der Galerie KiR in Oberhausen 2016, da gerade Valentinstag war und jeder der Anwesenden eine Rose erhielt, eine tote wohlgemerkt, abgeschnittener-weise von der Erde befreit, was für mich schon eine Art der Dekadenz darstellt.
Die Ausstellung von Gebauer war mehr als prächtig besucht, man drängelte sich vor dem kalten Buffet mit Krimsekt und vor den farbenfrohen riesigen Bildern, die beinahe die ganze Wand vom Himmel bis zur Erde einnahmen.
Zum Beispiel sinnierte man über einen ausdrucksstarken Kopf von Dali auf dem wunderbar geschmeidigen Körper eines Leoparden.
Dekadent war auch Dalis Kopf versehen mit einem schwarzen kurzen Schnauzbart, der irgendwie an einen vergangenen Deutsch-Österreicher erinnerte, was kein Versehen des Künstlers sondern eine Analogie zum pathologischen Narzissmus war. Das Portrait von Leni Riefenstahl präsentierte sich mit einer Selbstmörder-Schlinge, zeigte die selbstmörderischen Ambitionen einiger, man kann sagen, aller Leute, der damaligen politischen Irrung.
Phantastisch liebevoll erschien dagegen Marie Antoinette, die dem Volk lieber Kuchen, bzw. Brioche statt Brot anbieten wollte. ( „Wenn das Volk kein Brot hat, soll es Kuchen essen“ ) Gebauer gestaltete ganz nach ihrem Sinne ihre Hochfrisur mit Brioche - Stücken, die hart und unansehnlich Marie Antoinettes Würde nach einigen Tagen doch etwas untergruben.
Ebenso dekadent fand die wunderbare Aufführung eines Tangos von Claudia Wädlich in Begleitung zweier Gitarren statt, doch leider intonierten die Musiker keinen Tango sondern irgend eine undefinierbare Folklore.

Dekadenz, französisch „décadence“ weist auf den Niedergang, den Zerfall von Gesellschaftssystemen hin, nicht nur in Rom oder Frankreich, sondern von sämtlichen ausschweifenden Systemen, in denen Moral und Ethik keine Rolle mehr zu spielen scheinen, wobei dies in vergangenen Zeiten lediglich Teile der Erde betraf.
Neuerdings leben wir in einer gesamt - weltlichen Dekadenz, des Verfalls von Wertvorstellungen zu einem unübersehbaren Besitz- und Machtstreben auf der einen und zu unsäglich menschenunwürdigen Katastrophen auf der anderen Seite.
Unsere Gesellschaft verfällt mit der Schere zwischen Arm und Reich und auch mit den Untaten, mit denen Tiere und die Natur ausgebeutet und misshandelt werden.
Gebauer ist sich dessen wohl bewusst und warnt genial mit exemplarisch grotesk anmutenden Beispielen, die zwar eine gewisse Art von Schalk und Komik nicht leugnen, doch die durchaus ernst gemeinte Botschaft dahinter appelliert an Sinn und Gemeinsinn in einer Welt des Verfalls.
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