Ein großer Tag für die Bochumer Symphoniker: Erste Probe im neuen Musikforum weckt Begeisterung

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Nach zwei Tagen mit Aktustikproben des Orchesters um Dirigent Steven Sloane werden erst einmal wieder die Handwerker im Konzertsaal die Regie übernehmen - schließlich ist auch hier noch längst nicht alles fertig: Stuhlreihen fehlen noch genauso wie Geländer. (Foto: Molatta)
 
Technikaffin: OB Eiskirch postete seine Handyfotos anschließend direkt in den sozialen Netzwerken. (Foto: Molatta)
Bochum: Musikzentrum |

An diesem Morgen wird Geschichte geschrieben: Erstmals spielen die Bochumer Symphoniker am Dienstag im neuen Anneliese-Brost-Musikforum. Und während die Handwerker in den anderen Bereichen noch emsig bei der Sache sind, während der Staub fliegt und der Geruch von Kleber in der Luft hängt, gilt es hier und heute im großen Konzertsaal: Der OB und der gesamte Verwaltungsvorstand sind gekommen - und auch 20 Azubis der Stadt aus den verschiedensten Ämtern sind dabei. Sie alle wollen Ohrenzeugen dieses ganz besonderen Moments werden. "Es ist ein großer Tag für uns", so Orchesterchef Steven Sloane.

Doch der Weg ins Allerheiligste, er führt an einem Karton mit blauen Plastiküberziehern vorbei. Ohne die über den Schuhen kommt niemand in den Konzertsaal, auch der Oberbürgermeister und der Kulturdezernent nicht, schließlich ist dort der Parkettboden aus Roteiche gerade frisch versiegelt worden. Und auch für die Orchestermitglieder und GMD Steven Sloane gilt: Überzieherpflicht. Und so stehen sie da, plastikbeschuht oder gar barfuß auf dem Podium, zum allerersten Mal gemeinsam in ihrem neuen Domizil, gucken in die Runde, strahlen, rücken ihre Stühle zurecht und stimmen dann die zweite Sinfonie von Brahms an.

Es klingt hervorragend

Der erste Satz bietet ein breites musikalisches Spektrum mit fast kammermusikalischen Momenten, genauso wie mit geradezu wuchtigen Passagen, in denen die Blechbläser zum Zuge kommen und der Schlagzeuger seinen Einsatz hat. Schnell weicht die Anspannung aus den Gesichtern und Sloane findet sogar Zeit, mit den Streichern neben ihm zu scherzen, denn eines ist auch für jeden Laien klar zu hören: Das neue Zuhause der Bochumer Symphoniker klingt hervorragend - und das, obwohl längst noch nicht alle Arbeiten an der Akustik abgeschlossen sind, wie Sloane die Gäste vorsichtshalber schon mal vorgewarnt hatte. - "Es ist unser allererster Versuch auf dieser Bühne, das Feintuning fehlt noch." So klingt der Sound noch etwas zu hallend, da die akustischen Vorhänge hinter den Kulissen noch gut verpackt auf ihren Einsatz warten.

Für Gustav Mahler braucht's Volumen


Einer, der an diesem Tag ganz genau hinhört, ist Eckhard Kahle, als Chef-Akustiker verantwortlich für den Klang des Konzertsaals. Projekte in Dijon und Brüssel hat er bereits betreut, den Konzertsaal des KKL in Luzern eingerichtet und auch das neue Konzerthaus in Stavanger. Dort hat er Steven Sloane kennen gelernt und weiß seither, was der Meister seinen Musikern abverlangt: "Sloane spielt auch gerne mal Mahler, dafür braucht es Volumen." Und so hat er "getrickst", den großen Saal des Musikforums akustisch für 1.200 Zuschauer ausgelegt, obwohl nur rund 900 darin Platz finden. Das zusätzliche Volumen lässt auch Mahler, trotz der vergleichsweise geringen Größe, gut klingen. "Im Moment haben wir hier einen Rohdiamanten, den wir schleifen müssen."

Emotionaler Moment für die Musiker


Für viele der Musiker ist diese Klangprobe vor allem auch ein sehr emotionaler Moment, auf den sie hingefiebert haben: "Ich habe gestern Nacht noch die Webcam aus dem Saal verfolgt", erzählt Raphael Christ, 1. Violinist der BoSy. "Um Viertel vor eins waren hier noch vier Handwerker im Saal am Werk, damit wir hier heute spielen können. Das ist unglaublich." Wie für viele seiner Orchesterkollegen ist dies für Christ ein ganz besonderer Moment: "Wir haben so lange darauf gewartet: Viele Kollegen begleiten den Kampf für eine eigene Spielstätte schon seit zehn, 15 Jahren - und jetzt ist es endlich so weit." Das Orchester, so Christ, sei nicht wiederzuerkennen. "Es ist ein Meilenstein für uns - und das wird man auch hören." Sehr warm, so seine Einschätzung, sei der Klang.
"In dem Moment, wo man das Podium betritt, sind alle Querelen der letzten Jahre vergessen", freut sich Steven Sloane nach dem geglückten Auftakt. "Es ist einfach phantastisch."
"An solch einem Tag weiß man, wofür man gekämpft hat - und dass sich der Weg gelohnt hat", zeigt sich Kulturdezernent Michael Townsend, oberster Bauherr des Musikforums, sichtlich zufrieden - auch, was den Baufortschritt betrifft: "Wir haben gar keine andere Wahl, als fertig zu werden. Das Programm steht - am letzten Oktoberwochenende ist Eröffnung."


OB erfreut sich an bequemer Bestuhlung


"Das passt", findet Oberbürgermeister Thomas Eiskirch nach der ersten Klangprobe - und meint damit nicht nur die Akustik, sondern auch den großen Konzertsaal des Musikforums selbst. "Man hat den Eindruck, der Saal passt zu den BoSy und die BoSy passen zu diesem Saal. Hier ist nichts Überkandideltes oder Protziges."
Für den hochaufgeschossenen OB bietet der neue Konzertsaal übrigens auch noch ganz praktische Vorzüge: "Ich finde die Bestuhlung wirklich bequem - und es gibt sogar genug Beinfreiheit. Im Schauspielhaus wissen größere Menschen ja oft nicht, wohin mit ihren Knien."
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