Ein prophetischer Platz

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Der französische Lichtdesigner Laurent Fachard, der bereits den Elysée Palast in Paris in neues Licht tauchte, sorgt auch für die Illumination des Platz' des europäischen Versprechens.

Nach elf Jahren wird der Platz des europäischen Versprechens jetzt eingeweiht


Am Freitag, am 11. Dezember, wird er feierlich eingeweiht, drei Tage zuvor, am 8. Dezember, ist er den Medien vorgestellt worden: der Platz des europäischen Versprechens vor der Christuskirche Bochum.

Keine Schönheit. Jahrzehntelang war der Platz vor der Christuskirche Bochum ein Hinterhof, etwas Kirchplatz, das Reststück einer toten Straße, aufgemalte Parkplätze. In Bochum hätte diesem Platz niemand seinen Namen gegeben.

14 726 Menschen haben es dennoch getan. Sie haben der Brache in Bochum ihren Namen geschenkt, aus ihren Namen ist der Platz des europäischen Versprechens gebaut worden. Am 11. Dezember wird dieser Platz jetzt, nach einem insgesamt elf-jährigen öffentlichen Prozess, der Öffentlichkeit übergeben.

Die Idee für den Platz stammt von dem international renommierten Künstler Jochen Gerz, entwickelt hat er seine Idee im Turm der Christuskirche: Hier findet sich eine sogenannte „Helden-Gedenkhalle“ aus dem Jahr 1931, darin die Namen von 1358 Gemeindegliedern, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Ihre Namen sind Reihe um Reihe in Mosaik gelegt, neben den vielen Namen ist eine weitere Liste im Mosaik aufgeführt, darauf die Namen der 28 „Feindstaaten Deutschlands“. Ein prekärer Raum - für Gerz der Impuls, über das Europa von heute nachzudenken: „Die Zukunft gehört denen, die sie sich heute vorstellen.“

„Wie die Sterne der Nacht ihr Licht geben, so geben die Menschen ihr Versprechen der Zukunft.“ (Jochen Gerz)

Vor acht Jahren sind die ersten Europäer seiner Einladung gefolgt, Europa ihr Versprechen zu geben. Das Versprechen behielt jeder für sich, stattdessen wurden die Namen von allen, die ein Versprechen gaben, in Bochum gesammelt, in Stein geschrieben und aus den Steinen der neue Platz gebaut, 3000 qm groß. 14.726 Namen von Menschen aus über 1.300 Städten Europas, in 63 Basalt-Platten graviert, füllen den Platz vor der Christuskirche.

Jeder Name steht für ein anderes, ein persönliches Versprechen. Kein anderer öffentlicher Platz auf dieser Welt ist das Werk so vieler Menschen, kein anderer öffentlicher Platz ist anstatt den Toten denen gewidmet, die leben. Die sich etwas versprechen können. „Prophetisch“, hat Joachim Gauck, der Bundespräsident, diesen Platz kürzlich genannt.

Auftraggeberin des Platzes ist die Stadt Bochum, die Christuskirche Bochum ist Mit-Auftraggeberin: Ihr Turm, ein Überrest der Kriege, ist Ausgangspunkt des neuen Platzes, rund 1/3 der Platzfläche liegt auf kirchlichem Grund, vor allem aber der Prozess der öffentlichen Einladung wurde von der evangelischen Christuskirche über viele Jahre hinweg mitgetragen und mitgestaltet. „Weil wir die Christuskirche selber als einen öffentlichen Raum verstehen - einen Raum für die Schönheit des Plurals“, sagt Pfarrer Thomas Wessel von der Christuskirche.
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Marion Kamerau aus Bochum | 10.12.2015 | 11:44  
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