Folkwang-Absolventen zeigen Goldoni-Komödie „Der Impresario von Smyrna“ im Theater Unten

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Beltrame (Thomas Kaschel, Mitte) erlebt, wie mehrere Sänger und ein Librettist von der großen Karriere träumen. (Foto: Küster)
Marco Massafra steht als Ensemblemitglied des Bochumer Schauspielhauses derzeit unter anderem in Kleists „Der zerbrochne Krug“als Gerichtsrat Walter auf der Bühne. Im Rottstr5-Theater hat er als Regisseur so unterschiedliche Stücke wie Becketts „Warten auf Godot“ und Enda Walshs „Disco Pigs“ auf die Bühne gebracht. „An der Rottstraße konnte ich mich unter Nichtbeobachtung ausprobieren. Arbeitet man am Schauspielhaus als Regisseur, ist der Input sehr viel größer. Das stößt einen Lernprozess an“, sagt Massafra zu seiner ersten Regiearbeit am Schauspielhaus. Mit dem dritten Schauspieljahrgang der Folkwang Universität der Künste hat er eine Komödie aus dem 18. Jahrhundert auf die Bühne des Theater Unten gebracht – Carlo Goldonis „Der Impresario von Smyrna“.

Für die Folkwang-Absolventen steht bald die Suche nach einem Engagement an. Ganz ähnlich geht es den jungen Opernsängern, die Goldonis Lustspiel bevölkern. Sie alle hoffen auf die Gunst jenes titelgebenden Investors, der in seiner Heimatstadt ein Opernhaus gründen will, obwohl er von Musik kaum etwas versteht. Falsetttist Carluccio (Lorenz Nolting) hat bei ihm keine guten Karten. Die Sängerin Tognina (Paulina Alpen) hat beim Frauenfreund aus dem türkischen Smyrna schon bessere Karten. Die schnippische Annina (Amelie Barth) ist allerdings nicht weniger attraktiv. Am Ende sticht dann Lucrezia (Anja Kunzmann) mit ihrer geheuchelten Bescheidenheit die Konkurrentinnen aus.

Regisseur Massafra erläutert: „Die Figuren erfüllen ihre Funktion in einer Typenkomödie. Da es um Künstler auf der Suche nach einem Engagement geht, gibt es einen direkten Bezug zum Leben der Schauspielstudierenden. Allerdings wird heute meist das Gruppengefühl betont, wenn Künstler zusammenarbeiten, während sich die Sänger in Goldonis Komödie als wahre Drachen erweisen.“ - Da stellt sich natürlich die Frage, ob die immer wieder zur Schau gestellte Teamfähigkeit nicht ebenso bloße Selbstinszenierung ist wie das divenhafte Gehabe der Möchtegern-Primadonnen.

So wirft die Komödie auch ein Schlaglicht auf das Arbeitsleben unserer neoliberalen Gesellschaft, ohne in Schwermut zu erstarren. „Das Publikum soll über Allzumenschliches lachen können“, formuliert Regisseur Massafra sein Anliegen. Der vergnügliche Abend im Theater Unten löst diesen Anspruch in jedem Fall ein. „Die Bühne ist bewusst nur gering gestaltet“, erläutert Dramaturgin Kekke Schmidt. So können sich die charismatischen jungen Schauspieler umso ungestörter präsentieren. Als begeisterungsfähig und diszipliniert beschreiben Massafra und Schmidt ihr Ensemble – das teilt sich dem Publikum in der kurzweiligen Aufführung in jedem Moment mit. „Der Stoff fordert von den Schauspielern Handfestigkeit“, fasst der Regisseur zusammen.

Die Mühe hat sich allemal gelohnt – bei der Premiere erntet das junge Ensemble viel Applaus.

Termin
„Der Impresario von Smyrna“ ist am Freitag, 26. Februar, um 18 Uhr wieder im Theater Unten zu sehen.
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