„Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh‘ ich wieder aus“

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Foto: Sebastian Sellhorst
Bochum: Christuskirche Bochum - Kirche der Kulturen |

Benefiz-Abend für Wohnungslose mit Bariton Christoph von Weitzel, Kabarettist Fritz Eckenga und Fotos von Sebastian Sellhorst

Das Gesicht des Mannes ist schmutzig, die Haare sind zerzaust, die Kleidung ist verschlissen. Leicht gebückt hebt er zum Gesang an. „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh‘ ich wieder aus“, klingt es in einem voluminösen Bariton über dem hellen Klavier. Fesselnd, ergreifend. Der Sänger ist Opernprofi Christoph von Weitzel im Gewande eines Wohnungslosen. Mit seiner „Oper für Obdach“ kommt er am 9. Oktober in die Bochumer Christuskirche, Platz des Europäischen Versprechens 1.

Von Weitzel hat Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ aus dem Jahr 1827 genommen, um damit das Leben auf der Straße zu beschreiben. Der ewige Wanderer, enttäuscht vom Leben, zunehmend entfremdet von seiner Umwelt. „Ich glaube, es ist sehr nötig, diese gesellschaftliche Problematik zu betrachten und darauf zu reagieren. Sich zu überlegen, wie man mit den Mitteln der Kunst in die Gesellschaft hineinwirken und sie vielleicht manchmal auch verbessern kann“, sagt der Bariton.

Mit der „Oper für Obdach“ ist von Weitzel seit einigen Jahren in ganz Deutschland unterwegs, zuletzt sorgte seine Performance mitten im Berliner Hauptbahnhof für Aufsehen. In die Christuskirche kommt er auf Einladung der Bochumer Diakonie, die zu ihrem 90-jährigen Bestehen das Thema Wohnungslosigkeit in den Fokus rücken möchte.

Der von Kabarettist Fritz Eckenga moderierte Benefiz-Abend beginnt um 19 Uhr mit Bildern des Dortmunder Fotografen Sebastian Sellhorst. Er ist mit Bochumer Wohnungslosen an die Orte gegangen, die für sie im Alltag Schutz und Geborgenheit bedeuten, die alle anderen wahrscheinlich kennen, sie aber ganz anders wahrnehmen. „(Un)Sichtbar“ heißt Sellhorsts Arbeit, für die Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch die Schirmherrschaft übernommen hat.

Zur Projektion der Bilder in der Christuskirche sind die Menschen im Originalton hörbar. „Wir wollen zeigen, dass Wohnungslose immer unter uns sind, auch wenn nicht alle auffallen“, sagt Christiane Caldow, Leiterin der Diakonie-Wohnungslosenhilfe. So sind Jahrhunderthalle und Westpark für den einen Ort für Musik, Kultur und Freizeit für den anderen sichere Geheimplätze.

Nach der Fotopräsentation gehört die Bühne dann Christoph von Weitzel. Der Eintritt in die Christuskirche ist frei, um Spenden für die Wohnungslosenhilfe wird gebeten.

• Montag, 9. Oktober 2017, 19 Uhr: „Oper für Obdach“ und „(Un)Sichtbar“ in der Bochumer Christuskirche, Platz des Europäischen Versprechens 1, 44787 Bochum, Eintritt frei
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