Im "Varieté et cetera" begeistert das "Chaos Hotel"

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Marc Dorffner hat gerade erst die Berliner Artistenschule abgeschlossen. Im „et cetera“ zeigt er auch beachtliches Comedy-Talent. Foto: Renner (Foto: Foto: Renner)
 
Mit seinem Cyr-Ring begeistert Herr Benedict. (Foto: Foto: et cetera)

Das „Hotel Riesling“ hat schon bessere Zeiten gesehen: Der Putz bröckelt, das Internet funktioniert nicht, der Orangensaft zum Frühstück ist streng limitiert und der Patron, Herr Riesling, ist... nun ja: alles andere als charmant. Nicht gerade die Top-Adresse also, die das Bochumer Varieté „et cetera“ als Unterkunft für seine neuen Artisten ausgesucht hat. Das „Chaos Hotel“, so der Titel des neuen Programms, scheint seinem Namen alle Ehre machen zu wollen. Doch es kommt anders, als man denkt...

Unterhaltungswert: Fünf Sterne


Dass sich das „Chaos-Hotel“ als ein Hotel mit Fünf-Sterne-Unterhaltungswert entpuppt, liegt nicht zuletzt am Moderator „Herr Riesling“ alias Klaus Loch: Wirkt er zunächst ein wenig spröde, kommt er zusehends in Fahrt und avanciert zum heimlichen Star des Abends. Bei seinen Auftritten, die die Darbietungen der Artisten einrahmen, erweist sich Herr Riesling als würdiger Nachfolger von Jerry Lewis. In seinem Gesicht scheinen mehr Muskeln zu arbeiten als bei anderen Menschen im ganzen Körper – seine Mimik ist einfach umwerfend. Immer wieder verblüfft er die Zuschauer mit seiner perfekten Körperbeherrschung: Da wird ein Koffer zum hartnäckigen Gegner oder ein Luftballon lässt ihn abheben. Und als Schwertschlucker WoZu erweist er sich als Meister der Pantomime.
Äußerst geschickt hat Regisseur Sammy Tavalis die Artisten in eine durchgehend erzählte Handlung eingebunden – und dabei ihr schauspielerisches Talent herausgekitzelt. Besonders gut gelungen ist ihm das bei Marc Dorffner, der als schluffiger Hotelboy ein kongenialer Sidekick zu Herrn Riesling ist und ein enormes Comedy-Potential unter Beweis stellt. Ach ja: Jonglieren kann er auch noch – und wie! Und dazu braucht er noch nicht mal festen Boden unter den Füßen. Nicht viele, sondern nur einen Ring braucht Herr Benedict – dafür aber einen ziemlich großen: Gekonnt manövriert er den Cyr-Ring über die Bühne, um nur wenig später zu zeigen, dass das Wort „abhängen“ in Zusammenhang mit Strapaten unterm Varieté-Dach eine ganz neue Bedeutung bekommen kann.
Allein vom Zuschauen Rückenschmerzen bekommen die Zuschauer beim Auftritt des Duos Leya. In ihrer Partnerkontorsion zeigen die beiden jungen Ukrainerinnen nicht nur, wie biegsam der menschliche Körper sein kann und setzen sich scheinbar auch über die Gesetze der Schwerkraft hinweg.
Stühle und Tische werden gerückt, wenn Marie Bitaróczky auftritt: Am Schwungseil agiert sie inmitten der Zuschauer und verbindet scheinbar mühelos Anmut und Kraft.
Buchstäblich neue Wege auf dem Drahtseil geht Lucas Bergandi. Betont lässig gibt er sich, doch seine Performance ist temporeich und poetisch zugleich.
Den optischen Höhepunkt des Abends setzt Helena Lehmann, die aus Elementen des Pole-Dance und des Balletts eine einzigartige Kunstform entwickelt hat.
Stepptänzer Marcel Peneux aus Surinam ist bereits zum zweiten Mal zu Gast im „et cetera“. Seine „Taps“ sind so schnell, dass sie mit bloßem Auge kaum zu sehen sind. Doch der Mann überzeugt nicht nur mit Tempo, sondern auch mit Humor und Charme: Innerhalb von Sekunden wickelt er das Publikum um den Finger, lässt es mitklatschen, stampfen und schnippen.

Zu sehen ist das „Chaos Hotel“ bis einschließlich 14. Juni an der Herner Straße 299 in Bochum. Die Shows finden donnerstags bis samstags um 20 Uhr sowie sonntags um 19 Uhr statt. Als Specials gibt es die „Satt & Lustig“-Dinnershows sowie „Brunch & Varieté“. Weitere Informationen unter Tel.: 0234/13005 oder www.varieté-et-cetera.de.
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