Junge Geflüchtete geben im Stück "Grubengold" im Prinzregenttheater Einblick in ihre Situation

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Bei "Grubengold" geht es durchaus auch fröhlich zu. (Foto: Schuck)
Geflüchtete müssen bei der Registrierung ihre Fingerabdrücke abgeben – eine Szene aus dem Theaterstück „Grubengold“, das am Prinzregenttheater Premiere gefeiert hat. Das Publikum wird hier auf äußerst wirksame Weise in die Inszenierung einbezogen. Eins wird in der satirisch aufbereiteten Szene sehr deutlich: Das Abnehmen der Fingerabdrücke mag aus ordnungspolitischer Sicht eine gewisse Berechtigung haben – für die betroffenen Menschen, die oft extreme Strapazen hinter sich haben, bleibt es entwürdigend. Weniger bitter, dafür sehr witzig ist die Auseinandersetzung der jungen Schauspieler mit dem deutschen Sinn für Ordnung.
Bereits im September des vergangenen Jahres hat der Theaterpädagoge Holger Wagner begonnen, mit geflüchteten jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 31 Jahren, die u.a. aus dem Irak und Syrien stammen, eine Szenenfolge zu erarbeiten, die sie nun im Theater an der Grenze von Wiemelhausen zu Weitmar auf die Bühne bringen. Dabei geht es um kulturelle Teilhabe und den Kontakt zu denjenigen, die schon länger in Bochum heimisch sind. Vor allem geht es aber um ein künstlerisches Werk, in das Bewegung und Musik nahtlos eingewoben sind. Das wandelbare Bühnenbild liefert hierfür einen angemessenen Rahmen.
Inhaltlich geht es darum, dass die aus ihrer Heimat Geflohenen die Menschen vermissen, die ihnen am nächsten gewesen sind. Zugleich ist der Start im neuen Zuhause Bochum randvoll mit Hoffnungen aufgeladen, für deren Erfüllung das Erlernen der deutschen Sprache von entscheidender Bedeutung ist. Die Mitwirkenden zeigen den Zuschauern, wie sie die neue Sprache in Besitz nehmen. Ganz entscheidend für die Identität ist aber auch das Singen in der Muttersprache, wobei auch selbstgeschriebene Texte vorgetragen werden. Auf eine Untertitelung wird hier bewusst verzichtet – schließlich geht es den Geflüchteten in ihrer neuen Umgebung auch oft so, dass sie etwas nicht verstehen. Zwei Texte finden sich jedoch in deutscher Übersetzung im Programmheft.
Die Teilnehmer des Projekts erhalten auch ganz praktische Hilfestellungen bei der Bewältigung ihres Alltags, etwa wenn es um den Umgang mit Ämtern, Übersetzungen oder Begleitung bei der Wohnungssuche geht. Auch die Theaterarbeit soll fortgesetzt werden. Dabei sollen auch Teilnehmer integriert werden, die bei „Grubengold“ noch nicht dabei gewesen sind.
Der Titel „Grubengold“ klingt zunächst eher nach Ruhrgebietstraditionalismus als nach Weltoffenheit und Neugier auf das Fremde und Neue. Aber was bleibt einer Region, der die für sie typischen Wirtschaftszweige weitgehend abhandengekommen sind? - Die Menschen natürlich. Und das sind eben auch die, die eben erst dazugestoßen sind.

Termine
„Grubengold“ ist am Samstag, 9. April, um 19.30 Uhr wieder im Prinzregenttheater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zu sehen.
Eine weitere Vorstellung gibt es am Sonntag, 10. April, ebenfalls um 19.30 Uhr.
Weitere Termine: Mittwoch, 25. Mai, 19.30 Uhr; Donnerstag, 26. Mai, 19.30 Uhr
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