Junges multikulturelles Quartier in der Hustadt

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Hier am Brunnenplatz hat HUkultur einen Treffpunkt für alle Interessierten eingerichtet. (Foto: Molatta)
 
Über das Sponsoring-Projekt der Stadtwerke konnte das Espressomobil realisiert werden, das jetzt durch NRW fährt. Bernd Wilmert, Stadtwerke-Geschäftsführer, gönnte sich ein Heißgetränk, das ihm Matthias Köllmann auf dem Markt vor dem Rathaus servierte. (Foto: Stadtwerke)

Der gemeinnützige Förderverein Hustadt übernahm 2012 die Trägerschaft für HUkultur, den Bürgertreff mitten in diesem Quartier. Ziel ist es, die Lebensbedingungen dort zu verbessern und soziale Kontakte unter den Bewohnern zu fördern.

Von Nathalie Memmer

Das Angebot des Vereins umfasst soziale Beratung, Sprachkurse und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche. Matthias Köllmann vom Quartiersmanagement ist sich sicher: „Die Angebote entfalten eine große Integrationskraft.“
Zum Netzwerk gehört auch der Stadtteiltreff der IFAK, die sich von jeher der interkulturellen Arbeit verpflichtet fühlt. Der Verein ist Träger mehrerer Einrichtungen im Bereich der Migrationsarbeit und engagiert sich besonders für Kinder und Jugendliche.
Die innere Hustadt kann als typisches Beispiel für den Siedlungsbau der sechziger und siebziger Jahre gelten. Die Gebäude gruppieren sich entlang einer städtebaulichen Längsachse, die den Brunnen- mit dem Hufe­landplatz verbindet.
Köllmann betont: „Hier wohnen rund 3 000 Menschen aus 40 Nationen. Das ist ein unglaubliches Geschenk.“ Auch der soziale Hintergrund der Menschen ist sehr unterschiedlich: Familien mit Kindern sind genauso vertreten wie alleinstehende Studierende. Manche Bewohner halten dem Quartier seit Jahrzehnten die Treue. Köllmann verweist auf den besonderen Charakter der Hustadt: „Hier spielen sehr viele Kinder. In der Tat gehört unser Quartier zu den drei jüngsten der Bundesrepublik.“
Auch der Bürgertreff genießt bei den jungen Hustädtern eine beachtliche Akzeptanz. Ein kleiner Junge fragt Köllmann: „Ist mein Fahrrad schon fertig?“ Der Quartiersmanager erläutert: „Wir bieten auch Fahrradreparaturen an.“ Der Kontakt zu den jüngsten Bewohnern ist ihm besonders wichtig: „Die Kinder sagen häufig: ´Der Matthias, der ist kein Deutscher.´ Die Kurden glauben, ich sei Kurde, die Libanesen halten mich für einen Libanesen. Das ist ein Riesenkompliment.“
Dabei hat die Hustadt durchaus mit den für eine solche Großsiedlung typischen sozialen Problemen zu kämpfen. Auch der Außenbereich war bis vor einiger Zeit in keinem guten Zustand. Mittlerweile tragen die Neugestaltung des öffentlichen Raums und die Investitionen in die Wohngebäude allerdings Früchte. Die entsprechenden Maßnahmen sind fast abgeschlossen.
Möglich wurde diese positive Entwicklung dadurch, dass die Hustadt 2007 zum Stadtumbaugebiet erklärt wurde. Die Stadt Bochum fand bei Land, Bund und Europäischer Union Unterstützung in ihrem Bemühen, das Quartier wieder attraktiver zu machen.
Köllmann erläutert vor diesem Hintergrund die Bedeutung des von HUkultur betriebenen Quartiersmanagements: „Wir wollen die positive Entwicklung verstetigen.“
Die Finanzierung der kulturellen Arbeit ruht auf mehreren Säulen: Der Förderverein Hustadt wirbt um Spenden. Die Wohnungsbaugesellschaft VBW verzichtet auf die Kaltmiete für die als Bürgertreff genutzten Räumlichkeiten. Die Nebenkosten, Beiträge für die notwendigen Versicherungen und die Gehälter für die Quartiersmanager sollen jedoch selbst erwirtschaftet werden. Seit diesem Jahr ist die Finanzierung nämlich nicht mehr durch öffentliche Zuwendungen abgestützt.
Köllmann betont: „Wir wollen die notwendigen finanziellen Mittel nicht geschenkt haben.“ Keine leichte Aufgabe, ausreichende Gewinne zu erzielen: „Unser Bistro in der Hustadt soll durch seine günstigen Preise allen Bewohnern offenstehen. Dadurch entsteht ein Minus.“
Daher besteht die Notwendigkeit, die Verluste auszugleichen. Als Erfolgsmodell hat sich dabei das Espressomobil erwiesen. Ende 2013 beantragte HUkultur es bei den Stadtwerken, die bei einem Bürgervoting entscheiden ließen, welche gemeinnützigen Projekte gefördert werden sollen.
Matthias Köllmann sagt nicht ohne Stolz: „Wir haben uns gegen namhafte Konkurrenten mit jahrzehntelanger Tradition durchsetzen können.“ Nun präsentiert das Espressomobil die Innovationskraft der Hustadt auf Märkten und bei Veranstaltungen. So konnten auch anstehende Renovierungsarbeiten finanziert werden.
Köllmann erläutert weitere Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen: „Auf der Basis ehrenamtlichen Engagements haben wir ein professionelles Catering entwickelt, das auch für private Feiern buchbar ist. Wir können problemlos 300 oder 400 Essen liefern.“
Auch hier lautet das Credo, die Ressourcen des multikulturellen Quartiers zu nutzen. Köllmann konkretisiert: „Wir greifen türkische, kurdische, afghanische und marokkanische Einflüsse auf. Bekannte Gerichte wie Falafel stehen neben sehr außergewöhnlichen Speisen.“
Köllmann beschreibt den besonderen Charakter dieses Angebots: „Wir haben in Kochkursen experimentiert, um die Gerichte an den mitteleuropäischen Geschmack anzupassen. Manche Speisen aus dem orientalischen Raum sind für unsere Zungen nämlich einfach zu scharf.“

„Die Kinder sagen häufig: Der Matthias, der ist kein Deutscher.“
Matthias Köllmann, Quartiersmanager HUkultur


Einwohner der Hustadt können die orientalischen Spezialitäten mittwochs und donnerstags, jeweils von 11.30 bis 14.30 Uhr, genießen. Der Bürgertreff steht den Hustädtern montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr zur Verfügung.
HUkultur lockt immer wieder Kreative in das Quartier. So konnte mit spanischen Künstlern das Küchenmobil gestaltet werden.
Um zu zeigen, dass die Hustadt besser als ihr Ruf ist, hat Matthias Köllmann die Marke „HUstadt“ entwickelt, die für eine positivere Außenwirkung sorgen soll. Kulturelle und soziale Vielfalt soll dabei als besonderer Pluspunkt ins rechte Licht gerückt werden.
Interesse soll die Homepage wecken. Unter huisthu.de warten Fotos und viele Informationen auf Besucher. Das Hustadtteilfest wird in diesem Jahr am 26. September stattfinden. So soll Gelegenheit zu interessanten Begegnungen geboten werden.
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