Krimiautorin Lucie Flebbe recherchiert im Bochumer Jobcenter

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Bei ihrem Besuch im Bochumer Jobcenter erhält Krimiautorin Lucie Flebbe (rechts) tatkräftige Unterstützung von Bereichsleiterin Susann Spiegler. (Foto: Jobcenter)

„Den rotzigen Ton meiner Hauptfigur Lila Ziegler werde ich vermissen“, sagt Krimiautorin Lucie Flebbe bedauernd. Doch die Entscheidung ist gefallen: Im August erscheint mit „Totalausfall“ der neunte und letzte Band der beliebten Reihe, die gerade in Bochum, wo die Romane spielen, viele Fans hat. Doch einen Trost gibt es: Flebbe, selbst in Bad Pyrmont zu Hause, hält ihrem bewährten Schauplatz die Treue.

Und auch diesmal will sie mit ihren Hauptfiguren – die neue Reihe wird vermutlich weniger auf einen einzelnen Protagonisten zugeschnitten sein als der Lila-Ziegler-Zyklus – in Serie gehen. „Ins Detail“, sagt Flebbe, die den ersten Band ihrer Reihe im nächsten Jahr vorlegen will, „kann ich noch nicht gehen. Ich werde aber in jedem Fall wieder die Möglichkeit nutzen, die Spannung Buch um Buch aufzubauen.“ Dabei sieht sich Flebbe in der Tradition des sozialkritischen Kriminalromans. „Es geht immer um Themen, die mich persönlich interessieren: häusliche Pflege, Demenz, die Integration von Menschen mit Handicap in den Arbeitsmarkt oder Wohnungslosigkeit.“
Da war es Ehrensache für sie, sich an der Aktion „Bei Anruf Job“ zu beteiligen, bei der Prominente vor einiger Zeit Stellenangebote für Langzeitarbeitslose eingeworben haben, um die Arbeit des Bochumer Jobcenters zu unterstützen. Das Thema Langzeitarbeitslosigkeit soll auch in Flebbes geplantem Roman eine zentrale Rolle spielen. Und da dieses Thema die Menschen im Ruhrgebiet in besonderer Weise betrifft, bietet es sich natürlich an, auch den neuen Roman in Bochum anzusiedeln, wo Flebbe mittlerweile über beste Kontakte verfügt. Die Autorin ergänzt: „Die Stadtlandschaft ist einfach spannend.“

Mit Block, Stift und Fotoapparat

Doch auch die ganz konkrete Situation im Jobcenter an der Universitätsstraße weckt das Interesse der Krimischreiberin, die von ihren Lesern gerade auch wegen ihres Blicks fürs Detail geschätzt wird, der jeden ihrer seit 2008 erschienenen Lila-Ziegler-Romane ausgezeichnet hat. „Ich habe mich mit Block, Stift und Fotoapparat ausgerüstet“, schmunzelt Flebbe, „und nehme gerade Details wie Fußbodenbeläge und Stühle genau unter die Lupe. Meine Romane sollen authentisch sein.“
Doch beim Thema Langzeitarbeitslosigkeit geht es natürlich in erster Linie um die betroffenen Menschen. Susann Spiegler, Bereichsleiterin im Jobcenter und bekennender Fan der Lila-Ziegler-Romane, steht Lucie Flebbe bei ihren Recherchen zur Seite und gibt Einblicke in ihre Arbeit: „Ich bin im Jobcenter für Wattenscheid, Gerthe und Südwest zuständig. Von den 13.700 Arbeitslosen, die wir im Jobcenter Bochum betreuen, ist die Hälfte langzeitarbeitslos, steht also länger als ein Jahr nicht mehr in einem Beschäftigungsverhältnis. Ein wesentliches Problem besteht darin, dass zwei Drittel von ihnen nicht über verwertbare Berufsabschlüsse verfügen. Der Bochumer Arbeitsmarkt ist ein Fachkräftearbeitsmarkt.“

Arbeitgeber in der Pflicht

Flebbe, die auch als Sporttherapeutin in der Rehabilitation tätig ist, sieht aber auch die Arbeitgeber in der Pflicht: „Wer mit gesundheitlichen Einschränkungen leben muss oder eine längere Elternzeit hinter sich hat, hat zwangsläufig eine Lücke im Lebenslauf und ist vielleicht auch auf Entgegenkommen bei den Arbeitszeiten angewiesen. Da ist von Arbeitgeberseite guter Wille gefragt.“ - Flebbe kennt das Problem als mehrfache Mutter auch aus persönlicher Erfahrung. Um noch tiefer in die Materie einzutauchen, wird sie auch bei einem Beratungsgespräch im Jobcenter dabei sein. Schon jetzt steht fest, dass sie für ihren geplanten Roman nochmals nach Bochum kommen wird: „Laufwege lassen sich nur vor Ort überprüfen. Das geht mit Kartenmaterial aus dem Internet nicht gut.“ Und wenn der Roman fertig ist, wird Flebbe, wenn es nach Susann Spiegler geht, zu einer Lesung ins Bochumer Jobcenter kommen.

Engagement und Unterhaltung

Ihr Profil als sozialkritische Autorin will Flebbe also weiter schärfen. „Ich will aber auch weiterhin gut unterhalten“, blickt sie auf ihre neue Reihe, die wie die Lila-Ziegler-Serie mit ihren neun Bänden überschaubar bleiben soll, voraus. Damit passt sie sehr gut in das Profil des Dortmunder Grafit-Verlags, der etwa auch Reinhard Junges Kriminalromane auf den Markt bringt. „Da bin ich gut aufgehoben“, resümiert Flebbe zufrieden.
Die Autorin hat die Geschichte ihres neuen Romans zumindest in Ansätzen im Kopf, ist sich über die angemessene Umsetzung aber noch nicht ganz im Klaren: „Da ich aus der Ich-Perspektive erzählen will, wird mindestens eine der Hauptfiguren weiblich sein. Vielleicht schildere ich die Geschichte aus der Sicht verschiedener Figuren.“ - Polizeiarbeit wird in der neuen Serie eine größere Rolle spielen als bisher, was nicht zwangsläufig heißt, dass eine der Hauptfiguren Polizist ist. Entsprechend verbringt Flebbe nicht nur einen ganzen Tag im Bochumer Jobcenter, sondern hat sich auch mit Waffen vertraut gemacht. „Allerdings bisher nur im Schützenverein“, schränkt sie ein.

Humor muss immer dabei sein

„Die Hauptfiguren in meinem neuen Roman“, schaut Flebbe voraus, „werden älter sein als Lila Ziegler, was einen anderen Tonfall bedingt. Meinen humorvollen Stil habe ich eben – daran wird sich nichts ändern. Wie in der Lila-Ziegler-Serie wird es auch wieder eine Lovestory geben. Meine Aufgabe ist es nun, wieder Hauptfiguren mit Potential zu finden.“ - Schließlich soll der Leser ebenso gern mit ihnen verweilen wie mit Lila Ziegler, deren kesser Tonfall nie darüber hinwegtäuscht, dass sie an einem Päckchen zu tragen hat, das nicht das Schicksal, sondern die Menschen aus ihrem engsten Umfeld ihr aufgeladen haben.
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