Landmarke über der Unterstraße wurde Samstag demontiert – seit 25 Jahren nicht genutzt

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Kommt eine Brücke "geflogen": Per Kran wurde ein 15 Meter langes Teilstück der Brücke komplett demontiert und auf einen Tieflader verladen. Seit dem Bau der Ampelanlage ist die Brücke überflüssig und wurde bereits seit 25 Jahren nicht mehr genutzt. (Foto: -nken)

Über drei Jahrzehnte war sie mehr Landmarke als Brücke, wurde seit rund 25 Jahren nicht mehr genutzt. Nun ist die grüne Brücke über die Unterstraße Geschichte: Am Samstag wurde sie entfernt, zerteilt und abtransportiert.

Dass das optisch auffällige Bauwerk weichen musste, liegt nicht an den bald hier rollenden Vario-Bahnen. „Wir hätten die Straßenbahn problemlos auch unter dieser Brücke hindurchführen können“, sagt Astrid Metz, die das Projekt 302/310 in Langendreer für die Bogestra betreut.

Die Arbeiter auf der Baustelle waren extrem optimistisch, dass die 24 Meter lange Fußgängerbrücke schon bald am „Haken“ hängen würde. Die aber wollte nicht so, wie die Arbeiter es gerne gehabt hätten. „Es gab da noch unsichtbare Schrauben, die erst weggebrannt werden mussten“, erklärt Bauleiter Andreas Rabe von der Firma Westfälischer Bauservice, nachdem die Stahlkonstruktion sich um 11.11 Uhr nur auf der Nordseite – laut krachend und vom Kran gehalten – gelöst hatte.

Martin Grzadziel hatte schon am frühen Morgen seinen 130-Tonnen-Kran aufgebaut. „Wenn die Brücke am Haken hängt“, sagte er, „kann ich auf 100 Kilo genau ihr Gewicht bestimmen.“ Letztlich waren es dann 19 Tonnen, die unter den strengen Augen des Sachverständigen und Diplomgeologen Jochem Gockel hoch in die Luft gehoben und um 90 Grad gedreht wurden. Achim Lauff, der zweite Bauleiter, staunte, weil man die Brücke insgesamt nur auf rund 15 Tonnen Gewicht taxiert hatte. „Wir haben rund drei Tonnen an Verkleidung und Isolierung entfernt“, sagt er. „Dass trotzdem noch 19 Tonnen übriggeblieben sind, hat uns ein bisschen überrascht.“

Nur wenige Schaulustige waren übrigens gekommen, um beim Dahinsch(n)eiden der grünen Brücke dabei zu sein. Die Maßnahme lag in den Händen der Bogestra. „Das ist ein Gemeinschafts-Projekt mit der Stadt und den Stadtwerken“, sagt Astrid Metz, die bis zuletzt an der Baustelle ausharrte. „Und diesen Teil haben wir übernommen.“ Gegen 11.30 lag die Brücke am Boden. Ein 18 Meter langes Brücken-Stück landete komplett auf dem Tieflader. Für den Rest nahmen die Schweißbrenner ihre Arbeit auf.

Dem Lkw-Fahrer eines nahen Discounters bleibt die zweifelhafte Ehre, als Letzter unter der Brücke hergefahren zu sein. Weil er die Kurve in der Umleitung nicht schaffte, öffneten Andreas Rabe und Falk Schmidt die Absperrung am Morgen noch einmal und winkten ihn durch. Schmidt ist Bauleiter der Firma Reisse Bau, die den Bauabschnitt G auf der Unterstraße realisiert.

Als Andreas Rabe um 15.45 die Straße wieder freigab, blieb vor der Lessingschule nur ein Häuflein Stahl zurück, das nicht in den Container gepasst hatte. Alles wurde säuberlich zusammengelegt auf dem südlichen Teil der Unterstraße. „Der Haufen aus kleingeschnittenen Stahlträgern“, so Passant Klaus Loos, „wirkt beinahe wie ein Mikado-Spiel für Riesen – oder wie ein Kunstwerk.“
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Volker Dau aus Bochum | 17.09.2016 | 22:37  
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