Leute wie du und ich: „The Humans“ als europäische Erstaufführung im Schauspielhaus

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Aimee (Kristina Peters, links) kümmert sich liebevoll um ihre Großmutter Momo (Nina Wurman). (Foto: Küster)

Amerikanische Kritiker haben den Dramatiker Stephen Karam als Autor „schmerzhafter Komödien“ bezeichnet. Diese Charakterisierung wird auch seinem Werk „The Humans. Eine amerikanische Familie“ durchaus gerecht. Das Werk erlebte in der Regie des jungen Leonard Beck nun seine europäische Erstaufführung am Schauspielhaus.

Beck hat die Regie kurzfristig von Otto Kukla übernommen, der die Inszenierung aus persönlichen Gründen abgeben musste. Dennoch ist eine Aufführung aus einem Guss entstanden, die Tragik und Komik gekonnt austariert. Die Situation ist zunächst keinesfalls ungewöhnlich: Die Blakes, eine Familie, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht hat, kommen anlässlich von Thanksgiving zu einem Festessen zusammen. Vater Erik (Bernd Rademacher) kommt mit dem geplanten Bau eines Hauses am See nicht recht voran. Mutter Deirdre (Johanna Eiworth) hat – alle Jahre wieder – eher halbherzig den Kampf gegen ihr Übergewicht aufgenommen und muss sich die Sticheleien ihrer gertenschlanken Töchter Aimee (Kristina Peters) und Brigid (Karolina Horster) gefallen lassen. Aimee muss die Trennung von ihrer langjährigen Lebenspartnerin verkraften, steht aber offenbar vor einer großen Karriere als Juristin. Dagegen kommt Brigid mit ihrer Laufbahn als Komponistin nicht weiter, hat in dem gut zehn Jahre älteren Richard (Michael Kamp) jedoch einen liebevollen Partner gefunden. Großmutter Fiona (Nina Wurman), genannt „Momo“, ist demenzkrank, wird aber liebevoll in der Familie betreut.

Risse in der Fassade

Diese Fassade bekommt sehr bald Risse: Sowohl Erik und Deirdre als auch Brigid stehen vor ernsthaften finanziellen Problemen. Aimee ist schwer krank und wird wohl ihr Leben lang mit Einschränkungen umgehen müssen. Die Pflege der Mutter beziehungsweise Schwiegermutter droht Erik und Deirdre endgültig finanziell zu ruinieren. Der psychisch angeschlagene Richard hat sein Studium im Alter von 38 Jahren immer noch nicht abgeschlossen. Und über allem schwebt das Trauma der Anschläge vom 11. September, die Erik und Aimee beinahe nicht überlebt hätten.
Manche Verwerfungen treten in Deutschland als im Vergleich zu den USA gut ausgebautem Sozialstaat weniger zu Tage, aber die Angst vor gesellschaftlichem Abstieg lässt sich auch hier nachvollziehen. Dass die Komik, die trotz allem in der Situation steckt, ihre Wirkung entfaltet, liegt vor allem an den hervorragenden Schauspielern, mit denen man lacht und leidet. Allen voran versteht es Kristina Peters, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Termine
„The Humans. Eine amerikanische Familie“ ist am Mittwoch, 20. Dezember, um 19.30 Uhr wieder im Schauspielhaus, Königsallee 15, zu sehen.
weitere Termine: Dienstag, 26. Dezember, 19 Uhr; Sonntag, 7. Januar 2018, 17 Uhr; Mittwoch, 10. Januar 2018, 19.30 Uhr; Samstag, 20. Januar 2018, 19.30 Uhr.
Die Theaterkasse ist unter Tel.: 33 33 55 55 zu erreichen.
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