Literaturkurs der Willy-Brandt-Schule adaptiert kontroversen Roman fürs Theater

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Einer gegen alle: Tobias Autrun (18) als Totalverweigerer Pierre Anthon.

Bei ihrer diesjährigen Theateraufführung wagen sich Schüler der zwölften Jahrgangsstufe der Willy-Brandt-Gesamtschule an ein großes „Nichts“.

„Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“. Mit diesen Worten beginnt nicht nur der Roman, sondern auch das Theaterstück „Nichts“.
Der Inhalt ist so kontrovers wie verstörend: Im fiktiven Kleinstädtchen Tæring steht Schüler Pierre Anthon eines Tages mit eben jenen Worten von seinem Platz auf, verlässt das Klassenzimmer und kommentiert das Treiben der schockierten Klassenkameraden fortan von einem nahen Pflaumenbaum aus.
Da er mit seiner Aktion ihre anerzogene positive Lebenseinstellung in Frage stellt, beginnen die übrigen Schüler, in einem stillgelegten Sägewerk persönliche Habseligkeiten zu einem kunstvollen„Berg der Bedeutung“ anzuhäufen. Was aber als willkürliches Experiment beginnt, wächst sich im weiteren Verlauf zu einem erschreckenden Szenario aus, das zusehends in eine Spirale von Hass, Angst und psychischer wie physischer Gewalt mündet, die durch die pessimistischen Äußerungen des über den Dingen thronenden Pierre Anthon noch zusätzlich verstärkt wird.
Die Buchvorlage ist zwar hierzulande eher unbekannt, löste aber in der dänischen Heimat von Autorin Janne Teller mit dem Erscheinen im Jahr 2000 einen Skandal aus und gilt seitdem als stark umstritten. Dabei geizt der philosophisch angehauchte Roman, der die Ereignisse aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur Sophie schildert, nicht mit kontroversen Inhalten. So steht Verstörendes wie eine Fingeramputation ebenso auf dem Programm wie eine (angedeutete) Vergewaltigung, weswegen das Stück wohl auch erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Die räumlichen Begrenzungen einer überschaubaren Theaterbühne lösen die Schüler dabei geschickt mit eingespielten selbst gedrehten Filmausschnitten auf. „Alle sind mit großem Einsatz an die Sache herangegangen“, meint Literaturkurs-Leiterin und Regisseurin Iris Wüllner.„Jeder von ihnen ist im Verlauf der Proben über sich hinausgewachsen und hat sich weiterentwickelt.“
Wer neugierig geworden ist und ein anspruchsvolles Bühnenstück der etwas anderen Art erleben will: Die Premiere findet am Donnerstag, 28 Mai, in der Mensa/Aula der Willy-Brandt-Gesamtschule, Wittekindstraße 33, statt.
Eine Zweitvorstellung ist für den darauffolgenden Freitag vorgesehen.
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Christoph Nitsch aus Bochum | 26.05.2015 | 13:41  
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