Lotte Minck setzt in ihrem Kriminalroman "Voll von der Rolle" der Kioskkultur ein Denkmal

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Das Buchcover. (Foto: Droste Verlag)

Viel zu wenig Raum für viel zu viel Ware – das kann nur ein Kiosk sein, im Revier auch Bude oder Trinkhalle genannt. Lotte Minck, eine der profiliertesten Vertreterinnen des Ruhrgebietskrimis, siedelt ihren Roman „Voll von der Rolle“ genau hier an: Frank Kropka, guter Freund der Serienheldin Loretta Luchs, hat eine ebensolche „Klümpchenbude“ eröffnet, die unerwartet zu einem Kulminationspunkt krimineller Handlungen wird.

Dabei ist das Skater-Drama „Voll von der Rolle“ bereits das achte Abenteuer der Amateurdetektivin Loretta Luchs; das neunte, „Mausetot im Mausoleum“ betitelt, erscheint in Kürze. Als Gattungsbezeichnung hat Minck, früher im Rahmen des Autorenduos „Minck und Minck“ aktiv und mittlerweile solo unterwegs, für ihre Geschichten um Loretta Luchs, die mit Telefonsex ihren Lebensunterhalt verdient, aber immer wieder in kriminelle Verwicklungen gerät, den Begriff „Krimödie“ erfunden. Wie schon bei „Cool im Pool“ ist diese Bezeichnung bei „Voll von der Rolle“ insofern etwas irreführend, als die Hintergründe des Falles durchaus tragisch sind: Vor den Augen des Lesers enthüllt sich eine regelrechte Familientragödie. Auch das Thema Schutzgelderpressung wird behandelt – nicht gerade Anlass zur Heiterkeit.

Ernsthaftigkeit und Humor

Dass „Voll von der Rolle“ durchaus zu unterhalten weiß, liegt nicht zuletzt an der Figur Frank Kropka, der – im schönsten Ruhrgebietsdeutsch – Freud und Leid als frischgebackener Kioskbesitzer zum Ausdruck bringt. Rund um die Bude treibt ein Panoptikum schräger Gestalten sein Unwesen – allen voran Jupp Zwo, Locke und Steiger, von Loretta Luchs treffend „geriatrisches Dreigestirn“ tituliert. Dabei hat die findige Amateurermittlerin privat ein ganz schönes Päckchen zu tragen: Ihr Lover Pascal kommt mit ihrer Abenteuerlust nicht mehr zurecht und will eine Trennung auf Zeit. Was aus der Sache wird, wird sich in „Mausetot im Mausoleum“ zeigen.
Abgerundet wird „Voll von der Rolle“ durch einen kurzen Abriss zur Kioskkultur, in dem Lotte Minck, heute an der Nordseeküste zu Hause, auch auf ihre Zeit in Bochum zurückblickt. - Der Roman ist ein stimmiges Gesamtpaket.

Das Buch
Lotte Minck: Voll von der Rolle. Droste Verlag (ISBN 978-3-7700-1560-3)
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