Lucie Flebbe schreibt Bochum-Krimis

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Krimiautorin Lucie Flebbe mit ihrem neuen Roman „Prinzenjagd“. Foto: Memmer

Während ihrer Reitlehrerausbildung fuhr Lucie Flebbe regelmäßig von Bad Pyrmont nach Aachen. Die Reise führte dabei auch durchs Ruhrgebiet. Sie dachte häufiger darüber nach, wie es wäre auszusteigen. Auf jeden Fall sei ihr Bochum als typische Ruhrgebietsstadt in Erinnerung.

Seit 2008 schreibt Flebbe ihre Bochum-Krimis. Ihre Heldin Lila – eigentlich Liliana –
Ziegler landet zufällig in Bochum. Sie ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Vater und findet Unterschlupf bei dem Privatdetektiv Ben Danner. Sie wird seine Assistentin und Lebensabschnittsgefährtin.
Ulrike Rodi vom Dortmunder Grafit-Verlag, der Flebbes Romane verlegt, hebt hervor: „Lila blickt als Zugezogene auf Bochum.“
Im nunmehr siebten Band der Reihe, „Prinzenjagd“, ist Lila erst ein Dreivierteljahr in der Stadt.
Wie im ersten Band der Reihe, „Der 13. Brief“, ist die Protagonistin immer noch 20 Jahre alt. „Viele Jugendliche lesen die Lila-Ziegler-Romane gern“, freut sich Autorin Flebbe. Rodi ergänzt: „Die Jugendlichen können sich mit Lila identifizieren. Wir haben von einigen Bänden ganze Klassensätze verkauft.“
„Bei Veranstaltungen kommen aber auch achtzigjährige Lila-Fans auf uns zu“, erinnert sich Rodi an das Branchen-Treffen Criminale.
Die ausgebildete Physiotherapeutin Flebbe beschäftigt sich in „Prinzenjagd“ auch mit der Integration geistig Behinderter und psychisch Kranker in den Arbeitsmarkt.
Überhaupt liegt es ihr am Herzen, Gesellschaftskritik in ihre Krimis zu integrieren. Damit liegt sie voll auf der Linie ihres Verlages. Rodi unterstreicht: „Mord aus Eifersucht – das reicht mir nicht. Wir blicken in die schmutzigen Ecken der Gesellschaft.“
„Die Staatsanwaltstochter Lila Ziegler ändert im Rahmen ihrer Recherchen auch ihr Menschenbild“, bringt es Flebbe auf den Punkt.
„Die Szenerien in Bochum dienen als Kulisse für die Mordfälle“, erläutert Rodi das Vorgehen ihrer Autorin. Flebbe ergänzt: „Die Schauplätze werden durch die Handlung bestimmt. Ich erschließe mir die Orte dann durch Recherche – ganz praktisch zu Fuß.“
Bei „Prinzenjagd“ hat es der Täter offenbar auf attraktive B-Promis abgesehen. Entsprechend ist ein Vier-Sterne-Hotel in der Nähe der Starlight-Halle einer der Schauplätze.
Das Ende der Lila-Ziegler-Reihe ist für Flebbe inzwischen absehbar: „Ich habe anfangs geglaubt, der Stoff reicht für zehn Bände. Ich denke aber mittlerweile, dass früher Schluss sein wird.“
„Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Romane auch verfilmt würden“, streckt Flebbe ihre Fühler Richtung Fernsehen aus. Rodi weiß jedoch aus Erfahrung: „Das wird schwierig. Die Fernsehleute sagen dann: ´In Bochum gibt es doch schon Heldt.´ Andere wollen keine weitere Frau als Ermittlerin.“
Dabei erfreuen sich die Lila-Ziegler-Krimis auch außerhalb Nordrhein-Westfalens großer Beliebtheit. In Bad Pyrmont, wo Flebbe mit Ehemann und Kindern lebt, kommen die Leser mit ihren Büchern bis vor die Haustür. „Sie holen sich dann ihr Autogramm“, schmunzelt die Autorin.
Im Oktober wird sie ihren Roman bei einer Lesung dem Bochumer Publikum vorstellen.

Der neue Roman

Im Roman „Prinzenjagd“ braust Detektivin Lila Ziegler ganz stilecht im Oldtimer ihres Lovers über den Südring. Auch andere Bochumer Örtlichkeiten spielen eine Rolle. Auch kann der Leser zünftige Ruhrgebietsgrammatik genießen („Ohne meinen Anwalt sag ich da nix zu.“).
Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet. Der Kneipenwirt Molle ist ein echtes Original und die Profilerin Lätizia von Bimburg zeichnet Ich-Erzählerin Lila als normalgewichtige Version von Angelina Jolie.
Doch auch ernste Themen wie Schwerbehinderung, gesetzliche Betreuung und das Messie-Syndrom sind bruchlos in die spannende Handlung integriert.
Es gelingt der Autorin, Lilas Erfahrungen mit häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch überzeugend in die Handlung zu integrieren.
Die Krimihandlung um Morde an Männern, die ihre Macht über Frauen ausgenutzt haben, findet eine psychologisch schlüssige Auflösung.
Aus diesen Elementen entsteht ein rundum gelungener Roman. – Und eine normalgewichtige Angelina Jolie ist doch wirklich eine schöne Vorstellung.
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