Pfeffer im Arsch?

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Schon meine Oma machte Frühjahrsputz. Ganz christlich vor Ostern, um die Auferstehung ihres Haushaltes gebührend zu feiern, ich aber begann erst im Mai damit. Ich werkelte herum, ich meine, ich tat so, als ob ich etwas sehr Wichtiges zu tun hätte und räumte Fächer im Küchenschrank auf und um. Unter anderem das Gewürzfach. Und wie der Teufel es wollte, kam ich auf die Idee, meine Pfeffermühle zu bestücken.
Sie war lack weiß, schlank, elektrisch und hatte sogar Licht. Im Mittelteil befanden sich sechs kleine Batterien. Ich schraubte vorsichtig dieses Wunderwerk auseinander, streute die bunten Pfefferkörner hinein und hielt meine Hand kreisförmig drum herum. Nur nichts verschütten! Es klappte auf Anhieb, und entgegen meiner sonstigen Schusseligkeit fielen auch keine Körner herunter. Wunderbar! Überglücklich setzte ich die Mühle zusammen und probierte sie gleich aus. Gekonnt betätigte ich den Schaltknopf oben drauf.
- Peng! Krach! Klatsch! - Alles fiel auseinander, die Pfefferkörner ergossen sich in die Küche. Mein Adrenalin-Spiegel stieg etwas an, aber noch hatte ich Mut.
Ich sammelte die übrigen Körner und wiederholte die Prozedur. - Peng! Krach! Klatsch! – Auseinander! Mein Teint nahm eine ungesunde rote Farbe an. Ich fummelte die Körner nochmal in die Mühle, setzte sie zusammen und probierte es jetzt ganz vorsichtig aus, drückte den Knopf…
- Peng! Krach! Klatsch! - Die Pfefferkörner landeten in allen Ecken der Küche und freuten sich über die unerwartete Freiheit. Ich holte den Staubsauger und pfefferte die Pfeffermühle ohne Pfeffer in die Ecke. Was sollte so eine blödsinnige Konstruktion, die man nicht bedienen konnte? Jedenfalls nicht ich! Wenn…vielleicht…. Mir kam eine Idee: „Ich brauchte einen Mann!“ Einen geschickten Traumprinzen, der Pfeffermühlen zusammensetzen konnte…
Einen Held, der vor Technik keinen Bogen machte, gerade wenn es um Pfeffermühlen ging… Ein Sonderexemplar… Vielleicht einen Einzelhandelskaufmann der Haushaltwarenabteilung? Der auch gegebenenfalls Bedienungsanleitungen lesen konnte und sich wirklich daran hielt?
Erst recht, wenn es um Pfeffermühlen ging?
Nun ja, ich musste es testen. In jedem Fall sollte das Kriterium meiner Wahl ein einwandfreies Zusammensetzen einer Pfeffermühle sein. Ich bevorzugte diese Eigenschaft.
Mit diesem eindeutig zweckgerichtetem Denken nahm ich meine Arbeit wieder auf und mein Unwissen bezüglich Pfeffermühlen gelassen hin.
Jetzt, nachdem die Pfeffermühle sowieso unbrauchbar in der Ecke ruhte und entschlief, würde doch der nette Streupfeffer von Aldi weiteren Ärger ersparen. Dann könnte ich getrost Pfeffermühlen, Bedienungsanleitungen oder Einzelhandels-Kaufleuten aus dem Weg gehen.
Und mein Leben wäre in Ordnung.
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