Quer durch Wattenscheid - Von der Freiheit bis zur Eingemeindung unter dem Schutz der Heiligen Gertrud

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Die Wattenscheider Kirche der St. Gertrud von Brabant wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch Papst Pius X. zur Propsteikirche erhoben. In ihrer jetzigen Form wurde die Kirche zwischen 1868 und 1872 erbaut. (Foto: Ralf Rudzynski)

Im Gegensatz zu Bochum hat Wattenscheid seit jeher eine Schutzpatronin. Dabei handelt es sich um die Heilige Gertrud. Auf ihren Namen gehen weltliche Dinge zurück wie die Gertrudiskirmes oder das moderne Gertrudis-einkaufscenter samt Gertrudisplatz. Die Namensübernahme hat freilich einen kirchlichen Ursprung, und der rührt her von der Propsteikirche St. Gertrud von Brabant.

Stadtspiegel-Serie
von Ralf Rudzynski


Gertrud von Nivelles lebte von 626 bis 659 und seit ihrem 14. Lebensjahr in dem von ihrer Mutter gegründeten Kloster Nivelles in der belgischen Provinz Brabant. Sie gilt gemeinhin auch als die Schutzpatronin für Reisende. Die Wattenscheider Kirche der St. Gertrud von Brabant wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch Papst Pius X. zur Propsteikirche ernannt und gehört zu den Wahrzeichen von Wattenscheid.

Ein Ausflug in die Heraldik

Von 1888 bis 1937 war die Schutzpatronin auf dem Wattenscheider Stadtwappen abgebildet. 1937 entstand ein neues Wappen in Form eines Schildes, auf dem die Heilige Gertrud nicht mehr zu sehen war. Es wurde nun in erster Linie getragen durch die Farben Rot und Gelb als Grund.
Darüber sind die Wappen des Herzogtums Cleve und der Grafschaft Mark mit Streifen aus rot-weißen Quadraten stilisiert. Mit der Eingemeindung zu Bochum im Jahr 1975 verlor Wattenscheid das Recht auf ein eigenes Wappen. Allerdings wurde gleichzeitig das Wappen der Stadt Bochum verändert, in dem der rot-weiße Streifen aus dem Wattenscheider Wappen integriert wurde.
Nach der ersten urkundlichen Erwähnung dauerte es bis ins Jahr 1417, ehe Wattenscheid durch den Grafen Adolf IV. von Cleve und Mark die Rechte einer Freiheit und das damit verbundene eingeschränkte Stadtrecht übertragen bekam. Eine Freiheit galt als so genannte Minderstadt und konnte sich dadurch nun selbst verwalten.
Mit der Ernennung als Freiheit waren die wirtschaftlichen Vorteile eines Marktrechtes verbunden. Anfang des 17. Jahrhunderts war Wattenscheid mit etwa 700 Bürgern die bevölkerungsstärkste Freiheit in der Grafschaft Mark. 1635 allerdings brannte Wattenscheid beim großen Stadtbrand fast komplett nieder.

Wiener Kongress und Provinz Westfalen

Als 1815 der Wiener Kongress nach der Niederlage von Napoleon die Grenzen Europas neu festlegte, erhielt das Königreich Preußen die Provinz Westfalen. Bei deren Aufbau hatte Wattenscheid eine große Bedeutung und wurde Sitz eines Amtes, dem neben den jetzigen Ortschaften auch große Teile des heutigen Gelsenkirchen unterstanden. Allerdings verlor das Amt Wattenscheid anno 1868 Gelsenkirchen und weitere Gebiete wieder.
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