Radio Heimat - Heimatkunde im Kino / Update: die Interviews

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David Hugo Schmitz und Stephan Kampwirth trafen Stadtspiegel-Redakteur Marc Keiterling (von links) vor der Weltpremiere von "Radio Heimat". Alle Fotos: Petra Anacker
 

Die Weltpremiere am vergangenen Donnerstag in der UCI Kinowelt im Ruhr Park war verheißungsvoll. Ein langer Beifall der geladenen Gäste geleitete am Ende die Filmcrew auf die Bühne. "Radio Heimat" ist gut angekommen.

Basierend auf Kurzgeschichten des Bochumer Autos Frank Goosen wird die Geschichte von Frank (David Hugo Schmitz), Spüli (Hauke Petersen), Mücke (Maximilian Mundt) und Pommes (Jan Bülow) erzählt. Sie stecken 1983 mitten in der Pubertät und versuchen, im Ruhrpott dieser Jahre die erste große Liebe zu finden.
Franks Herz schlägt dabei schon wie wild für die hübsche Carola (Milena Tscharntke), bei der er gerne landen würde. Doch auf dem Weg zur Mannwerdung gilt es, so einige Schikanen und Hindernisse zu überwinden, bei denen die Ratschläge von Eltern und Lehrern nur leidlich hilfreich sind. So müssen sich die vier Halbstarken ganz auf ihre Freundschaft verlassen, um solch prägende Erfahrungen wie ausgiebiges Pilstrinken, Lektionen in der Tanzschule und zum Scheitern verurteilte Musizierversuche heil zu überstehen. Eine Klassenfahrt wird dann zum Schlüsselerlebnis.
"Radio Heimat" läuft am kommenden Donnerstag, 17. November, bundesweit in den Kinos an.

Das Interview mit den Darstellern von Sohn und Vater Goosen, David Hugo Schmitz und Stephan Kampwirth.

Mit der pubertierenden Phase des Frank führt der Film den Zuschauer zurück ins Jahr 1983. Noch weiter zurück geht es mit den Eltern Goosen. Wie habt ihr, die Darsteller von Frank und "Vatter", den Dreh empfunden?
Kampwirth (49): Ich habe teilweise vor Rührung (überlegt kurz) eine Gänsehaut gehabt. Die vier Jungs in den frühen Achtzigern, ihre Probleme mit dem Erwachsenwerden, ihre Möglichkeiten fernab von Internet-Pornos analog das andere Geschlecht zu entdecken, die wunderbaren Begebenheiten auf der Klassenfahrt und in der Tanzschule: Ich schätze, da finden sich die Geburtsjahrgänge 65 bis 70 absolut wieder. Dazu noch die Musik aus der Zeit, abgespielt von Platte und Kassette. Das ist alles unheimlich nah an mir dran!
Schmitz (23): Ich habe mir zur Vorbereitung das Hörspiel von Frank Goosen mehrfach angehört, oft zum Einschlafen. Was mir durch den Film, der in Großteilen vor über 30 Jahren spielt, klar wurde: Damals musste man im Bezug auf Mädchen noch richtig mutig sein. Nicht antexten, ansprechen war der Weg. Ich versuche, diese Erfahrungen nun auch in mein Alltagsleben zu übertragen (lacht). Und was die Wiedergabe von Musik angeht: Nach meinem Umzug von Köln nach Berlin habe ich nun auch einen Plattenspieler in Betrieb.

David, für dich ist es der erste "echte" Kinofilm. Wie geht es dir mit dem fertiggestellten Streifen, kurz nach der Weltpremiere und unmittelbar vor dem bundesweiten Start?
Schmitz: Zunächst muss ich sagen, dass ich riesig überrascht war, besetzt zu werden. Ganz ohne Erfahrung im Bezug auf eine solche Arbeit. Eine große Rolle in einem großen Film, da war meine Aufregung auch entsprechend groß. Am Set wurde es sehr schnell sehr schön. Das Team hat es uns jungen Darstellern unheimlich leicht gemacht, es herrschte ein tolles Flair. Es war der schönste Sommer meines bisherigen Lebens! Nun freue ich mich einfach über "Radio Heimat".

Stephan, gab es auch für dich als erfahrenen Schauspieler mit rund 100 Film- und Fernsehproduktionen in der Vita was Neues?
Kampwirth: Ja. Es ist mein erster "Coming of Age"-Film. Für die Szenen, die in den 60er Jahren angesiedelt sind, musste mich die Maske auf 25 Jahre trimmen. Das war sicherlich nicht ganz so leicht (lacht). Ich möchte auch Regisseur Matthias Kutschmann ein großes Kompliment machen. Wie er das als Debütant in dieser Funktion gemacht hat, verdient großen Respekt. Als ich den fertigen Film jetzt erstmals mit meinem 18-jährigen Sohn Pablo sah, sagte er: "Hey, das ist wirklich ein cooler Film!" Finde ich auch. Was für mich nicht neu war und worüber ich mich sehr freue: Ich konnte zuletzt viel im Ruhrgebiet arbeiten. Der Kinofilm "Junges Licht" letztes Jahr, für den WDR eine Serie mit dem Titel "Phoenixsee", in diesem Jahr ein TV-Zweiteiler, der die Ereignisse des Gladbecker Geiseldramas von 1988 aufgreift. Als gebürtiger Sauerländer bin ich gerne hier!

Auch Regisseur Matthias Kutschmann beantwortete drei Fragen zu seinem Erstlingswerk.

"Radio Heimat" ist deine erste Regiearbeit, im "zarten" Alter von 46 Jahren.
Kutschmann: Tja, mit 25 Jahren Anlauf. Damals habe ich als Beleuchter gearbeitet, dann noch Regie studiert. Drei Drehbücher wollte keiner haben, nun hat es doch noch geklappt.

Die größte Herausforderung bei dieser Arbeit?
Kutschmann: Der Tonwechsel innerhalb des Films: viele Schnitte und hat dadurch ein gewisses Tempo. Später verlagert sich das Geschehen in ein Schullandheim, die Schlagzahl ändert sich. Hier darf man das Publikum nicht verlieren. Ich hoffe, es ist gelungen.

Es agiert eine Vielzahl bekannter Schauspieler in vergleichsweise kleinen Rollen. Heinz Hoenig etwa spricht nur wenige Worte und ist lediglich einige Sekunden lang zu sehen. Wie hast du es geschafft, so viele gestandene Mimen als Nebendarsteller zu gewinnen?
Kutschmann: Man brauchst schon eine renommierte Produktionsgesellschaft wie Rat Pack im Rücken. Klar spielt auch das Drehbuch eine Rolle. Ich glaube aber, dass besonders ins Gewicht fiel, dass wir alle total für dieses Projekt brannten. Elke Heidenreich etwa wollte ich unbedingt. Sie wollte aber überhaupt nicht. Ich habe ihr handschriftlich einen dreiseitigen Brief geschrieben, da konnte sie einfach nicht mehr ablehnen. Stephan Kampwirth hat seinen Urlaub umgeschmissen, um zu drehen. Heinz Hoenig hat sich eigens bei den Theater-Festspielen in Bad Hersfeld Zeit freigeschaufelt. Das alles war sehr berührend für mich.
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