„Retter der Erinnerungen“

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Filmretter Martin Schneider (links) nahm im Stadtarchiv unter anderen die Super-8-Filme von Josef Dorsz zur Digitalisierung an. Foto: Marc Keiterling
 
Die Häuser der Bergarbeitersiedlung Dahlhauser Heide. Screenshot: Filmretter

Sie sind „Retter der Erinnerungen“ und bescherten dem Bochumer Stadtarchiv im Nebenprodukt auch noch einige weitere Schätze. Für drei Tage hatten sich kürzlich die „Filmretter“ im Zentrum für Stadtgeschichte einquartiert und nahmen analoges Material zur Digitalisierung an.

Keller oder Dachkammern sind heute oft die Aufenthaltsorte alter Medien. Super-8-Filme, Videokassetten der verschiedensten Systeme, Tonbänder oder Kassetten, Dias. Die entsprechenden Geräte, die die Schätze seh- oder hörbar machten, sind nicht mehr vorhanden, defekt oder es ist zu aufwändig, sie in Betrieb zu nehmen. Daher gilt es, das Material in digitaler Form zu sichern, um es einfach erlebbar zu machen.
So etwas bieten die „Filmretter“ an. „Neben vielen privaten Momenten stoßen wir beim Filmmaterial auch immer auf Dokumente der Zeitgeschichte, wie Stadtjubiläen oder sogar privat gedrehtes Filmmaterial aus der Kriegszeit“, erzählt Filmretter Martin Schneider und ergänzt, „um diese wichtigen Film- und Bildschätze zu retten, entstand die Idee, gemeinsam mit dem Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte eine Digitalisierungsaktion zu starten.“

Dahlhauser Heide und Zeche Hannover


Herausgekommen sind für das Stadtarchiv einige neue, alte Filme, die in digitalisierter Form archiviert werden konnten. So zeigt ein Streifen, der vermutlich aus den späten 1960er Jahren stammt, Aufnahmen der Zeche Hannover und der unweit gelegenen Bergarbeitersiedlung Dahlhauser Heide. Die Hordeler Siedlung, im Volksmund auch „Kappeskolonie“ genannt und in den Jahren 1906 bis 1915 erbaut, ist eines der bedeutendsten Beispiele einer Arbeitersiedlung im Sinne der Gartenstadtbewegung in Deutschland um die Jahrhundertwende. Die Zeche Hannover, am Ende nach Zusammenschluss den Namen Bergwerk Bochum tragend, wurde 1973 als letzte fördernde Anlage der Stadt dichtgemacht.
Ein anderer Film zeigt private Aufnahmen des Schauspielers Paul Hartmann. Der 1934 zum Staatsschauspieler ernannte Mime und spätere Träger des Filmbands in Gold war auch am Schauspielhaus Bochum engagiert, in dieser Zeit entstanden Bilder Hartmanns in der Stadt, abseits von Bühne und Presseterminen.
Zu den zahlreichen Besuchern zählte auch Josef Dorsz. Der Wanne-Eickler konnte mit Bochumer Motiven nicht helfen. 25 Filme mit einer Laufzeit von jeweils drei Minuten brachte er mit. „Aufnahmen meiner Kinder, Urlaubsreisen nach Bayern, das meiste habe ich bis vor etwa 35 Jahren gefilmt“, sagt Dorsz. Am Silvestertag 1974 drehte er auch in der Heimat: „Ich habe noch mal die Ortsschilder von Wanne-Eickel aufgenommen, am letzten Tag vor der Eingemeindung.“ Irgendwann ging der Projektor kaputt, die Filme waren nicht mehr anzuschauen. Nicht zuletzt bedauerten dies Tochter Christine und Sohn Christoph – nun werden die Streifen digitalisiert.

Die Digitalisierung des Materials


Bei der Überspielung durchlaufen die Filme eine Reinigung, die das Material nahezu staubfrei macht und so das Filmbild optimal vorbereitet. „Die Überspielungen werden stets von einem Mitarbeiter angesehen. So können wir etwa schlecht belichtete Passagen nachträglich aufhellen“, erklärt Martin Schneider. Anhalten ist auch kein Problem – im Gegensatz zu früher. Die ursprünglichen Projektionslampen verbrannten einen stillstehenden Film in Sekundenschnelle. Die hier eingesetzten Kaltlampen tun dies nicht.
Weitere Infos zum Thema gibt es im Netz unter www.film-retter.de oder unter Tel.: 52009751.
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