RUB 50: Eine Institution feiert Geburtstag

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Die Ruhr-Universität feiert in diesem Jahr ihr 50jähriges Bestehen. Fotos: Presseamt Stadt Bochum
 
Das Schild zur Eröffnung der Ruhr-Universität am Bochumer Hauptbahnhof.
 
Das spätere Uni-Gelände im August 1961 noch unbebaut. Im Vordergrund die Übertagebauten der Zeche Klosterbusch.

Zwischen 1961 und 1978 wurden mehr neue Hochschulen gegründet als in den 600 Jahren zuvor – eine Reaktion auf den immensen Bedarf vor allem an Ingenieuren, Architekten und Naturwissenschaftlern. In Bochum wurde die erste Universität im Ruhrgebiet eröffnet. Diese Standortwahl fiel – für viele überraschend – im Juli 1961.

Am 18. Juli 1961 fiel im nordrhein-westfälischen Landtag die Entscheidung, in Bochum eine Universität zu gründen. Die gesamte Hochschule sollte auf einem gemeinsamen Campus angesiedelt werden. Da man eine Volluniversität mit breitem Studienangebot anstrebte, war nicht zuletzt das große Areal in Querenburg ein Argument für Bochum, das immerhin mit Dortmund konkurrierte. Ein Freigelände von 520 Hektar bot einmalige Möglichkeiten für die architektonische Gestaltung. Den Ideenwettbewerb gewannen schließlich die Düsseldorfer Architekten Hentrich und Petschnigg.
Der Name Ruhr-Universität tauchte bereits 1960 erstmals in einer Kabinettsvorlage auf, als auch Dortmund noch im Rennen war. Er drückt nicht nur die Verbundenheit mit der Region aus, sondern auch den Anspruch, eine Hochschule für das gesamte Ruhrgebiet zu sein. Allerdings wurde schon 1962 die Errichtung einer Technischen Hochschule in Dortmund beschlossen. Die Technische Universität Dortmund wurde 1968 eröffnet. Damit war das Ruhrgebiet als Wissenschaftsstandort etabliert.

Die Anfangsjahre



Am 30. Juni 1965 konnte die Universität nach nur 18-monatiger Bauzeit eröffnet werden. Allerdings standen zu diesem Zeitpunkt erst zwei Institutsgebäude, erste Studentenwohnheime und eine provisorische Mensa. Der Lehrbetrieb wurde im November aufgenommen.
In Querenburg befand sich zeitweilig die größte Baustelle Europas. Allein der Planungsstab setzte sich aus etwa 450 Experten der verschiedenen Fachrichtungen zusammen. Die vorhandenen Bergschäden erschwerten das Bauen. Architektur, Bauweise und Ausstattung der entstehenden Universität galten damals als wegweisend. Ob 10 000 oder sogar 20 000 Wissbegierige hier lernen sollten, war 1965 noch nicht klar.
Schon in der Frühphase der Universität spiegelten sich die gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzungen der Zeit im Universitätsalltag wider. Der Gründungsrektor Hans Wenke, ein Erziehungswissenschaftler, sollte eigentlich auch über das Jahr 1965 hinaus an der Spitze der Universität bleiben. Studierende verhinderten seine Ernennung jedoch, da Wenke im Nationalsozialismus als Unterstützer der Rassenpolitik hervorgetreten war. Zum Rektor wurde daraufhin der Theologe Heinrich Greeven bestimmt.
Das Studierendenparlament wurde erstmals 1967 gewählt, unmittelbar nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg. Linke Gruppen wie SDS und SHB dominierten in den Folgejahren die politische Vertretung der Studierenden. Neben der Aufarbeitung des Nationalsozialismus waren Notstandsgesetze und Vietnamkrieg, aber auch die konkrete Situation an der Hochschule die zentralen Streitthemen.

Die 70er Jahre



Dabei trug die Ruhr-Universität selbst zum sozialen Wandel bei. Relativ schnell gelang es ihr, Studierende aus dem Arbeitermilieu zu mobilisieren. Schon Anfang der 70er Jahre lag ihr Anteil mit 16 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Viele kamen über den zweiten Bildungsweg zum Studium.
Allerdings erlahmte um 1975 die Begeisterung für die Architektur auf dem Campus, die zunehmend als Betonwüste empfunden wurde. Vor allem durch die Berichterstattung im „Stern“ verfestigte sich das Bild der Bochumer „Selbstmord-Uni“. Empirische Studien kamen jedoch zu dem Schluss, die Bochumer seien nicht stärker suizidgefährdet als andere Studierende. Da aber natürlich jeder Selbstmord einer zu viel ist, wurde die psychologische Beratung schließlich in der OASE institutionalisiert, um für eine angemessene Präventionsarbeit zu sorgen.

Die 80er Jahre



Die gravierenden Ölkrisen der Jahre 1973 und 1979/80 gingen auch an der Ruhr-Universität nicht spurlos vorbei. Auf ein weiteres Hörsaalgebäude, das geplante Klinikum und zusätzliche Sportanlagen wurde verzichtet. Das schon 1964 ins Auge gefasste Musische Zentrum konnte jedoch am 30. Mai 1984 als letztes Gebäude auf der Hauptachse des Campus fertiggestellt und feierlich eröffnet werden.

Die 90er Jahre



Nach den politischen Unruhen, die die Studierenden in den sechziger und siebziger Jahren erfasst hatten, schien weitgehend Ruhe eingekehrt zu sein. Der Studierendenstreik, der im Dezember 1997 seinen Höhepunkt erreichte, erschütterte dieses Bild zumindest vorübergehend. Die mehrwöchige Protestaktion, die in Gießen ihren Anfang nahm, gilt als größte studentische Bewegung seit den Achtundsechzigern. Anders als Ende der sechziger Jahre ging es jedoch nicht um einen grundsätzlichen politischen Wandel, sondern darum, die Aufmerksamkeit auf die finanzielle Unterversorgung der Universitäten zu lenken. Dazu wurden in Bochum auch kreative Protestformen wie Vorlesungen in der Fußgängerzone und in Geschäften erprobt.

Nach der Jahrtausendwende



Die deutsche Hochschullandschaft befand sich zu Beginn des neuen Jahrtausends in einer Phase des Umbruchs. Mit wenigen Ausnahmen führten die Fakultäten gestufte Bachelor- und Master-Studiengänge ein. In einem sechssemestrigen Bachelor-Studium sollen die Lernenden auf einen ersten Berufseinstieg vorbereitet werden. Zugleich erwerben sie die Grundlagen für eine wissenschaftliche Ausbildung. Anschließend kann ein zusätzliches viersemestriges Master-Studium absolviert werden, das der wissenschaftlichen Vertiefung dient. Wer eine wissenschaftliche Tätigkeit an einer Hochschule oder einer Forschungseinrichtung anstrebt, benötigt auf jeden Fall den Master-Abschluss. Auch für viele andere Berufe ist er erforderlich. Der Abschied von vertrauten Magister-Studiengängen sorgte auch unter den Bochumer Studierenden für Zündstoff.
Für Schlagzeilen sorgte die Ruhr-Universität mit ihrer Bewerbung um spezielle Fördergelder im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Im Jahre 2006 galt die Bochumer Hochschule im Rennen um den Titel einer „Elite-Universität“ als durchaus konkurrenzfähig, musste sich am Ende jedoch Universitäten aus Karlsruhe und München geschlagen geben. Eine Graduiertenschule für Doktoranden wurde jedoch als förderungswürdig eingestuft. Auch 2012 war Bochum im Rennen um zusätzliche finanzielle Mittel durchaus erfolgreich. Fünf Jahre lang fließt Förderung in bestimmte Projekte der Ruhr-Universität. Die gesellschaftlichen Debatten um Sinn und Unsinn der Exzellenzinitiative wurden auch in Bochum engagiert geführt.

Und heute?



Wie in den siebziger Jahren so werden auch heute noch die abweisende Atmosphäre und die Unübersichtlichkeit an der Ruhr-Universität beklagt. Dennoch gehört sie zu den größten Hochschulen Deutschlands. Ein Viertel aller Studierenden in der Bundesrepublik sind heute in Nordrhein-Westfalen eingeschrieben. Zu dieser Bilanz leistet Bochum einen großen Beitrag. Im Wintersemester 2014/15 lernen hier 42 718 Studierende, davon 49 Prozent Frauen. Dabei besteht die Wahl zwischen mehr als 70 Studiengängen aus den Bereichen Medizin, Geistes-, Natur- und Ingenieurwissenschaften.
Geht es um die ursprünglichen Ziele bei Gründung der Universität, so fällt die Bilanz etwas nüchterner aus.So wollte man vor allem auch eine Verknüpfung unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen und fächerübergreifende Kommunikation erreichen, indem man alle Institute auf einem Campus konzentrierte. Diese Erwartungen erfüllten sich nach allgemeiner Einschätzung jedoch nicht in erhofftem Umfang.

Die Feierlichkeiten



Fast genau 50 Jahre nach der Eröffnung richtet die Universität am 5. Juni dieses Jahres ihre „RUB 50 Gala“ aus. Die Verantwortlichen hoffen auf die Teilnahme ehemaliger Studierender aus aller Welt. Auf der Bühne steht auch Mambo Kurt, einst Medizin-Student an der RUB. Auch das Comedy-Programm gestaltet einer, der in Bochum gut bekannt ist: Christian Hirdes, ebenfalls Ehemaliger der Ruhr-Universität. Ort des Geschehens ist die zwischen 2003 und 2006 modernisierte Mensa.Mindestens ebenso aufsehenerregend dürfte am darauffolgenden Tag, also am 6. Juni die „BlauPause“ werden. Richtet sich die Gala an Angehörige der Universität und vor allem an Ehemalige, so sollen bei der BlauPause auch die anderen Bochumer Bürger ins Boot geholt werden. Vorbild ist das „Still-Leben Ruhrschnellweg“, das im Kulturhauptstadtjahr 2010 auf der A40 inszeniert wurde. Am 6. Juni wird die Universitätsstraße auf einer Länge von fünf Kilometern gesperrt und in eine Festmeile umfunktioniert. Wo sonst Menschen zu ihren Vorlesungen oder ihrem Arbeitsplatz pendeln, werden sich verschiedene Gruppen an 1 200 Tischen präsentieren und mit den Besuchern für ein buntes Treiben sorgen. Das Angebot soll von Speeddating bis Improvisationstheater reichen.

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